Regierung will IT stärker in Gesundheitsbranche integrieren

Ferndiagnosen und Fernüberwachungen durch Monitoring und Telemedizin haben ein Wachstumspotenzial von 2,5 Milliarden Euro. Gesundheitsminister Gröhe kündigt ein E-Health-Gesetz ein, das die IT stärker mit dem Gesundheitssektor verknüpft. Die Exportchancen für Medizinprodukte, Gesundheits-Logistik und komplexe Systemlösungen nehme durch die steigende Nachfrage aus Schwellenländern stets zu.

Bundesregierung und Industrie wollen IT-Anwendungen im Gesundheitswesen voranbringen und so neue Türen zu den Weltmärkten öffnen. Die Informationstechnologie in der Medizin habe international ein hohes Zukunftspotenzial, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe am Freitag bei einer Konferenz mit Industrievertretern in Berlin.

Der Vorsitzende des Gesundheitswirtschafts-Ausschusses des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Wolfgang Plischke, verwies auf eine Studie des Fraunhofer Instituts, wonach Ferndiagnosen, Fernbehandlungen und -überwachungen, Home- und Telemonitoring, die elektronische Gesundheitskarte und Patientenakten ein Wachstumspotenzial von 2,5 Milliarden Euro böten. Darüber hinaus ergäben sich Einsparpotenziale bei den Sozialkassen, die in einer Größenordnung von zehn Milliarden Euro pro Jahr liegen könnten. Deutschland habe in diesem Sektor bereits viel Zeit verloren.

Gröhe bekräftigte, er wolle in diesem Jahr ein E-Health-Gesetz vorlegen, um die Rahmenbedingungen für Aufbau und Nutzung von Informationstechnik im Gesundheitswesen zu konkretisieren. Der CDU-Politiker und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel zeigten sich entschlossen, die Exportchancen heimischer Produkte der Medizintechnik, Pharmaindustrie und Biotechnologie zu verbessern. Hierzu solle ein regelmäßiger Austausch beitragen, etwa im Rahmen der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft. Die Gesundheitswirtschaft sei „wichtiger Treiber unseres Wirtschaftswachstums“, sagte Gabriel.

In der Gesundheitsbranche ist jeder achte Erwerbstätige in Deutschland beschäftigt. Die 230.000 Betriebe erwirtschafteten im vergangenen Jahr 268 Milliarden Euro. Der Wirtschaftszweig trägt rund 11,3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Das Wachstum beträgt rund vier Prozent pro Jahr. Laut Plischke sind die Ausfuhren zwischen 2005 und 2013 um 63 Prozent auf knapp 90 Milliarden Euro gestiegen.

Gröhe unterstrich, bei der Nachfrage aus dem Ausland gehe es nicht mehr nur um einzelne Produkte, sondern zunehmend um komplexe Systemlösungen, wie Krankenhausmanagement, dem Aufbau von Notfallversorgungsnetzen und Rettungsdiensten. Länder wie Brasilien und Indien seien bereit, immer mehr Geld in diesen Sektor zu investieren. Industrievertreter Plischke forderte jedoch bessere Rahmenbedingungen. Bevor die Produkte weltweit erfolgreich sein könnten, müssten sie auf dem Heimatmarkt erprobt werden können. Hier gebe es aber viele Hürden.

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Na bitte: zuerst kom,mt das Gesundheits-App, und dann das Beerdigungs-App. Nix als tödlicher Fortschritt.