Aufsichtsrat warnt: Schließung von Karstadt-Häusern wird sehr teuer

Die Schließung zahlreicher Kaufhäuser wird Karstadt mehrere hundert Millionen Euro kosten, so der Aussichtsrat. Zehn bis 15 Millionen Euro werden allein für Sozial- und fortlaufende Immobilienverträge fällig. Das mache bei 20 bis 30 Häusern mindestens 300 Millionen Euro.

Die Schließung zahlreicher Kaufhäuser wird Karstadt nach Einschätzung von Aufsichtsratsmitglied Arno Peukes mehrere hundert Millionen Euro kosten. „Zehn bis 15 Millionen Euro allein für Sozial- und fortlaufende Immobilienverträge“ sagte Peukes dem Tagesspiegel. Das mache bei 20 bis 30 Häusern, die zur Disposition stehen, mindestens 300 Millionen Euro. „Dieses Geld steckt man besser in die Erhaltung der Standorte, statt Tausende Arbeitsplätze zu vernichten“, sagte Peukes, der als Leiter des Fachbereichs Einzelhandel bei der Gewerkschaft Verdi die Arbeitnehmerseite im Karstadt-Kontrollgremium vertritt. Umfangreiche Filialschließungen werde er deshalb nicht akzeptieren. „Wehrlos werden weder Verdi noch der Betriebsrat einen Kahlschlag hinnehmen.“

Der neu formierte Aufsichtsrat will am Donnerstag über die Sanierungspläne für die 83 Warenhausfilialen mit insgesamt rund 17.000 Beschäftigten beraten. Der neue Karstadt-Eigner Rene Benko hatte nach der Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette Mitte August eine Reihe von Vertrauten in den Aufsichtsrat des Essener Konzerns entsandt. Die frisch bestellten Aufsichtsräte ersetzen Vertreter des Finanzinvestors Nicolas Berggruen, der Benko die mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpfende Kette für den symbolischen Preis von einem Euro überlassen hat. Verdi hatte Benko aufgefordert, rasch Klarheit über seine Pläne mit Karstadt zu schaffen und ein tragfähiges Konzept für die Zukunft der Kette vorzulegen. Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte die Beschäftigten bereits auf harte Einschnitte eingestimmt und hinter die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Häusern ein Fragezeichen gesetzt.

Aufsichtsratsmitglied Peukes sprach sich unterdessen für eine Wiedervereinigung der traditionellen Karstadt-Filialen mit den Premium- und Sporthäusern aus. „Ich halte es aus wirtschaftlicher Sicht für sinnvoll, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagte er dem Blatt.

Der österreichische Immobilienspezialist Benko ist im deutschen Einzelhandel kein Unbekannter – hatte Berggruen der Benko gehörenden Signa Holding doch bereits vergangenes Jahr die Mehrheit an den Filetstücken des Traditionskonzerns wie dem KaDeWe in Berlin, dem Alsterhaus in Hamburg und dem Oberpollinger in München sowie den Sporthäusern übertragen. Signa besitzt auch zahlreiche Karstadt-Immobilien. Mit der Übernahme durch Benko leben auch Spekulationen um eine Zusammenführung mit der Metro-Tochter Kaufhof wieder auf. Benko hatte sich in der Vergangenheit erfolglos auch um eine Übernahme dieser Warenhauskette bemüht.

Kommentare

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  1. ariovist sagt:

    Es lohnt sich, diesen couragierten Film aus der ZDF-Mediathek über den „Retter von Karstadt“ nochmals anzusehen: http://www.youtube.com/watch?v=-hoey5UiXVc Der vorgebliche „Menschenfreund“ Nikolaus Berggrün ist aber nicht der Einzige, welcher sich in Europa die „Filetstücke“ zum Nulltarif unter den Nagel reißen konnte. Die Politik macht´s möglich!

  2. Conrad sagt:

    Hatte Herr Berggrün nicht einen Sonder Steuersatz bekommen? Sollte er die Differenz nicht zurück zahlen die dem Staat entgangen ist? Gruss

  3. Schmidt sagt:

    Das ist höchstinteressant.
    Karstadt ist schon zweimal hintereinander ausgeplündert worden.

    Jetzt kommt der Dritte – Benko mit Strohmann die jetzt warnen das Ein Euro Unternehmen endlich aufzulöden wäre furchtbar teuer.

    In der zweiten Phase wird so lange geschrien bis das abgekartete Spiel Geld vom Steuerzahler in mehrstelliger Millionenhöhe einspielt.

    Berggruen hatte vorsorglich nichts inverstiert . Die herausgequetschten Millionen beträge sind dann im bestimmten Ausland gelagert worden usw. usw, Unser Schäuble wollte auch gar keine Steuern haben.

    Investoren sind eben reine Sprkulanten. Schnelles Geld und weg.

    Wir werden s ja wieder sehen.

  4. demokröte sagt:

    Nach ein paar Jahren wird dann der Rest von Karstadt wohl wieder für 1 Euro weiter
    verkauft. Wo wird denn noch seit 2009 groß investiert ? Unsere Politschranzen retten
    lieber Banken oder bankrotte Staaten ,die Belegschaft zahlt die Rechnung.
    Wer die 50 überschritten hat,bekommt dann gnädigerweise nach Opferung aller
    Ersparnisse dann Hartz IV. Demokratie das hatten wir mal.