Steigende Löhne beschleunigen Anstieg der Arbeitskosten

Höhere Bruttolöhne und ein Anstieg der Lohnnebenkosten haben die Arbeitskosten in Deutschland im zweiten Quartal stärker ansteigen lassen. Zum Jahresbeginn waren es +0,5 Prozent, Ende Juni 1,7 Prozent. Im Euro-Raum sowie in der EU stiegen die Löhne jedoch im ersten Quartal noch schneller als in Deutschland.

Arbeit in Deutschland hat sich im zweiten Quartal so stark verteuert wie seit gut einem Jahr nicht mehr. Die Arbeitskosten stiegen zwischen April und Juni um 1,7 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Grund dafür war, dass sowohl die Bruttoverdienste mit 1,6 Prozent als auch die Lohnnebenkosten mit 2,3 Prozent so deutlich wuchsen wie seit Anfang 2013 nicht mehr.

Damit mussten die Arbeitgeber quasi zweimal Tribut zollen. Denn neben den steigenden Kosten für das Personal, dürfte die Konjunkturflaute im zweiten Quartal viele Unternehmen belastet haben. Im Frühjahr schrumpfte die deutsche Wirtschaftskraft um 0,2 Prozent.

Allerdings hatten die Arbeitgeber zuvor vom milden Winter profitiert. Anfang 2014 waren die Arbeitskosten nur um 0,5 Prozent geklettert und damit so gering wie seit Ende des Rezessionsjahres 2009 nicht mehr. Denn wegen des vergleichsweise warmen Winters hatten sich die Beschäftigten deutlich weniger krankgemeldet. In der Folge sanken die Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall kräftig und damit auch die Lohnnebenkosten.

In der Euro-Zone und in der EU verteuerte sich die Arbeit im ersten Quartal binnen Jahresfrist mit 0,9 beziehungsweise 1,2 Prozent stärker als in Deutschland. Das größte Plus gab es in Lettland (+7,0 Prozent), Estland (+6,8 Prozent) und Rumänien (+5,3 Prozent). Rückläufig waren die Arbeitskosten in Zypern (-6,9 Prozent), Kroatien (-1,7 Prozent), Irland (-0,2 Prozent) und Italien (-0,1 Prozent). In Frankreich, wo die Wirtschaft nach Ansicht vieler Ökonomen unter mangelnden Strukturreformen leidet, stiegen die Arbeitskosten mit 1,2 Prozent stärker als in Deutschland.

Arbeitskosten im Osten deutlich niedriger

Im Jahr 2012 betrugen in Deutschland die Arbeitskosten je geleistete Stunde durchschnittlich 30,70 Euro. In Ostdeutschland liegen die Arbeitskosten mit 23,45 Euro um 26,6 Prozent unter dem Niveau Westdeutschlands einschließlich Berlin (31,94 Euro je geleistete Stunde), berichtet Destatis.

Der geringste Abstand zum Westniveau bestand dabei in den vom öffentlichen Dienst geprägten Branchen: In der „Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung“ betrug der Unterschied im Jahr 2012 nur 5,0 Prozent. Hier zeigt sich die weitgehend erreichte Angleichung der tariflichen Bezahlung.

Der größte Abstand zwischen Ost und West bestand hingegen mit 37,8 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe, das in besonderem Maße dem Standort- und Produktwettbewerb ausgesetzt ist. 1992, kurz nach der Wiedervereinigung, war der Abstand in dieser Branche mit 53,4 Prozent noch deutlicher ausgefallen. Bis 1996 war die Lücke kräftig bis auf 42,7 Prozent geschrumpft. Seitdem hatte nur noch eine schwache Annäherung stattgefunden (2000: 42,2 %, 2004: 41,3 %, 2008: 40,0 %).

Als Ursache für den erheblichen und beständigen Unterschied im Verarbeitenden Gewerbe wird häufig die Größe der Unternehmen genannt. 2012 waren im Verarbeitenden Gewerbe die Arbeitskosten großer Unternehmen (1.000 und mehr Beschäftigte) sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland etwa doppelt so hoch wie die Arbeitskosten kleiner Unternehmen (10 bis 49 Beschäftigte). Jedoch arbeitete im Westen mit gut einem Drittel der Beschäftigten (36 %) ein deutlich größerer Anteil in einem großen Unternehmen als im Osten (14 %).

Deutschlandweit wurden die höchsten Arbeitskosten in den Branchen Tabakverarbeitung (60,14 Euro), Rundfunkveranstalter (59,25 Euro) und Luftfahrt (57,29 Euro) festgestellt.

Am wenigsten kostete eine Arbeitsstunde in der Gastronomie (15,72 Euro), in der Beherbergung (15,91 Euro) und in Wach- und Sicherheitsdiensten sowie Detekteien (16,22 Euro). Die öffentliche Verwaltung lag mit 32,98 Euro wie in den Vorjahren im Mittelfeld.

Kommentare

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  1. Lesefuchs sagt:

    Um Gottes willen. Nicht das der angestellte mehr Geld verdient und mehr einkaufen kann das dann den Unternehmen nutzt. Aber dieser einfache Zusammenhang wird bei uns ja klug ausgeblendet!

  2. popper sagt:

    Was soll diese absurde Meinungsmache von den gestiegenen Löhnen. Die besagen nämlich gar nichts. Entscheidend sind die Lohnstückkosten und die sind in Deutschland extrem niedrig. Aber noch dreister ist der Hinweis auf das „Verarbeitende Gewerbe“.

    Denn mit der einseitigen Betrachtung der Lohnstückkosten im Verarbeitenden Gewerbe klammert man die gesamtwirtschaftliche Produktivität aus. aber damit nicht genug, mit der Betrachtung der Stundenlöhne im „Verarbeitenden Gewerbe“ geht man noch einen Schritt weiter in die falsche Richtung.

    Man lässt sogar die Produktivität im Verarbeitenden Gewerbe außer Acht und verzerrt damit den wahren Zusammenhang. Das ist keine Aufklärung über einen Sachverhalt mehr, sondern pure Meinungsmache zuungunsten der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland, die offenbar weiterhin ruhiggestellt werden soll, um das Lohndumping fortzuschreiben.

  3. Wutbürger sagt:

    Das größte Plus gab es in Lettland (+7,0 Prozent), Estland (+6,8 Prozent) . Ich sehe hier eine Parallele zu Slowenien. Kaum ist der Euro mit den niedrigen Zinsen da geht die Party los. Diese 2 Länder wird man schon bald unter den Rettungsschirm bringen müssen.
    Bleibt nur zu hoffen dass der Euro schon vorher Geschichte ist.

  4. Schmidt sagt:

    Studie Lohnzahlungen verursachen Milliardenschäden für deutsche Unternehmen
    hamburg dpa schon lange haben wirtschaftsverbände gewarnt, jetzt bestätigt eine der üblichen „unabhängigen Studie“ den verdacht lohnzahlungen an arbeitnehmer fügen den deutschen unternehmen schäden in milliardenhöhe zu. zu diesem ergebnis kam das institut für wirtschaftsökoniomie in einer großangelegten studie, in deren zuge mehr als 3000 hiesige betriebe und unternehmen unter die lupe genommen wurden.