Frauen in Österreich arbeiten unfreiwillig in Teilzeit

Die Anzahl der Teilzeitstellen in Österreich steigt. Damit auch die Beschäftigung. Doch viele Frauen in Österreich arbeiten nur unfreiwillig auf Teilzeit. In manchen Regionen werden Vollzeitstellen kaum noch angeboten.

Im zweiten Quartal 2014 waren Statistik Austria zufolge 4.222.200 Personen in Österreich erwerbstätig und 206.600 arbeitslos. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Jahresabstand insgesamt um 49.800, was auf ein deutliches Plus bei Teilzeiterwerbstätigen (+86.000) zurückgeht. Die Zahl der Vollzeiterwerbstätigen ging um -36.200 zurück. Die Zahl der Arbeitslosen (206.600) und die Arbeitslosenquote (4,7%) befanden sich im zweiten Quartal 2014 leicht über dem Vorjahresniveau (196.600 bzw. 4,5%). Diesen arbeitslosen Personen standen 61.000 offene Stellen gegenüber, etwas weniger als im zweiten  Quartal des Vorjahres (66.700).

„In manchen Branchen, vor allem im Dienstleistungsbereich, werden kaum noch Vollzeitarbeitsplätze angeboten“, sagt Silvia Feuchtl, die eine Studie zu dem Thema für die Arbeiterkammer Niederösterreich verfasst hat. „Vielfach zeigt sich, dass sich Frauen vor die Wahl gestellt sehen: Vollzeitarbeitsplatz und damit Karrieremöglichkeiten oder Familie.“ Nicht immer arbeiten die Betroffenen, in der Regel Frauen, freiwillig Teilzeit.

1.189.000 Erwerbstätige (28,2%) arbeiteten im zweiten Quartal 2014 in Teilzeit. Sowohl die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten als auch die Teilzeitquote stiegen im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres deutlich an (insgesamt: +86.000 bzw. +1,7 Prozentpunkte auf 28,2%). Das Plus bei den Teilzeitstellen verteilte sich auf unselbständig Beschäftigte (+66.100) und Selbständige/Mithelfende (+19.900).

Nur 17 Prozent der Frauen in Niederösterreich geben an, nicht Vollzeit arbeiten zu wollen. Für 42 Prozent lassen Kinder- oder Angehörigenbetreuung keine andere Wahl und 12,5 Prozent haben trotz Suche keine Vollzeitstelle gefunden.

„Wir brauchen nicht nur eine bessere Kinderbetreuung für echte Wahlfreiheit für die Hauptbetroffenen – das sind die Frauen. Wir müssen dringend die Anzahl der Überstunden reduzieren und über bessere Arbeitszeitmodelle nachdenken, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben auch ohne Teilzeit ermöglichen“, sagt AKNÖ- Präsident Markus Wieser. Außerdem müssten Teilzeitbeschäftigte die gleichen Weiterbildungschancen bekommen wie Vollzeitbeschäftigte.

Kommentare

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  1. Conrad sagt:

    Das gleiche Problem wie in Deutschland nur das es hier eine zusätzliche Hartz 4 Industrie gibt! Gruss

  2. Ogolius sagt:

    Nun – wenn die Politik der Wirtschaft die Teilzeitfrage wie ein Geschenk auf dem Tablett serviert, wird keine Firma in Zukunft über Vollzeitjobs nachdenken. Lohnnebenkosten, Flexibilität, etc – keiner ist leichter zu händeln. Für den Arbeitnehmer besteht auch in den seltensten Gegebenheiten, zwei Teilzeitjobs gleichzeitig zeitlich unterzubringen. Folglich schlechte Verdienstmöglichkeiten = schlechte Kaufkraft. Dem Staat entgehen nicht nur Steuerabgaben sondern auch Sozialversicherungsbeiträge (Umlageverfahren). Fataler wird’s noch in naher und späterer Zukunft, denn aufgrund des Pensionskontos züchtet sich der Staat Millionen von Sozialfällen, für welche nur mehr die Mindestsicherung gilt – schlimmstenfalls der Privatkonkurs! Es ist dringend angeraten, die Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt neu anzudenken, ansonsten haben wir bald ein Land vieler armer, alter Menschen ……