Neue Umfrage: Schottland bleibt im Vereinigten Königreich

Eine neue Umfrage hat ergeben, dass eine Mehrheit der Schotten gegen die Unabhängigkeit von Großbritannien stimmen könnten. Es wird jedoch eine ganz knappe Entscheidung geben. Die neue Umfrage verlieh dem britischen Pfund Auftrieb. Schottland gehört zu den Top-50 Handelspartnern für die Bundesrepublik Deutschland.

Nachlassende Spekulationen auf eine baldige Unabhängigkeit Schottlands haben dem Pfund Sterling am Donnerstag Auftrieb gegeben. Die britische Währung verteuerte sich auf 1,6223 Dollar, nachdem sie am Vortag auf ein Zehn-Monats-Tief von 1,6050 Dollar gefallen war. Gefragt waren auch schottische Aktien wie Royal Bank of Scotland (RBS) oder Lloyds.

Einer Umfrage im Auftrag des „Daily Record” zufolge wollen bei der Abstimmung am 18. September 53 Prozent der Schotten für einen Verbleib im Vereinigten Königreich stimmen. 47 Prozent seien für eine Unabhängigkeit, zehn Prozent unentschieden. In einer anderen, am Wochenende veröffentlichten Erhebung hatte sich eine Mehrheit für eine Loslösung Schottlands ausgesprochen und damit die Finanzmärkte in Aufregung versetzt.

„Die jüngste Umfrage ist relativ ermutigend”, sagte Alexandre Baradez, Chef-Analyst beim Frankreich-Ableger des Brokerhauses IG Markets. „Es ist aber immer noch sehr knapp. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung vergrößert es die Wahrscheinlichkeit ähnlicher Referenden im spanischen Katalonien oder im belgischen Flandern.” Anleger sollten sich wappnen.

Der größte unmittelbare Effekt einer Abspaltung dürfte die Unsicherheit beim Übergang zu möglicherweise neuen und unterschiedlichen Rahmenbedingungen im Währungs-, Finanz- und Steuersystem in Schottland sein, sagte IWF-Sprecher Bill Murray am Donnerstag. Die langfristigen Auswirkungen hingen indes von den Entscheidungen ab, die während dieser Phase getroffen würden.

Die Furcht vor einem “Ja” der Schotten zur Unabhängigkeit hatte die Finanzmärkte erst vor wenigen Tagen in Aufregung versetzt. Sie erholten sich später wieder, als die Spekulationen auf eine baldige Unabhängigkeit nachließen.

So wichtig ist Schottland für die deutsche Wirtschaft

Die jährliche Wirtschaftsleistung Schottlands beträgt rund 131 Milliarden Pfund – umgerechnet fast 165 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Berlin und Brandenburg zusammen.

Deutschland exportierte 2013 Waren im Wert von umgerechnet gut fünf Milliarden Euro nach Schottland. „In der Rangliste unserer wichtigsten Kunden würde Schottland einen Platz unter den ersten 50 belegen“, sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. „Und zwar noch vor Staaten wie Irland und Griechenland.“ Großbritannien insgesamt steht mit einem Volumen von knapp 76 Milliarden Euro an Nummer drei, hinter Frankreich und den USA, aber noch vor den Niederlanden und China. Die Schotten kaufen vor allem deutsche Maschinen und Fahrzeuge, aber auch chemische Produkte.

Schottland lieferte 2013 Waren im Wert von etwa drei Milliarden Euro in die Bundesrepublik. Das würde zu einem Platz unter den 50 wichtigsten deutschen Lieferanten reichen, noch vor Australien oder Saudi-Arabien.

Alkohol ist ein großer Exportschlager. Nummer eins sind zwar Maschinen und Fahrzeuge. Nach Angaben der Scotch Whisky Association wurde 2013 Whisky im Wert von 172 Millionen Pfund (216 Millionen Euro) nach Deutschland exportiert. Die Bundesrepublik ist damit fünftgrößter Abnehmer hinter den USA, Frankreich, Singapur und Spanien.

Mehr als 200 deutsche Unternehmen seinen in Schottland vor Ort, sagt DIHK-Experte Treier. „Davon wiederum sind knapp 40 hundertprozentige Töchter von Industrieunternehmen wie BASF, Bosch und Evotec.“ Insgesamt beschäftigen die deutschen Firmen rund 20.000 Mitarbeiter in Schottland.

 

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