EZB rechnet Staatsgarantien für HSH Nordbank voll an

Bei dem EZB-Gesundheitscheck sollen die zehn Milliarden Euro an Staatsgarantien für die HSH Nordbank voll angerechnet werden. Damit hat das Geldhaus größere Chancen, den europaweiten Banken-Stresstest zu bestehen. Insbesondere die Risikobewertung könnte durch die Garantien positiver ausfallen.

Die HSH Nordbank hat Insidern zufolge größere Chancen, den europaweiten Banken-Stresstest zu bestehen. Bei dem EZB-Gesundheitscheck sollten zehn Milliarden Euro an Staatsgarantien voll angerechnet werden, sagten drei mit der Sache vertraute Personen am Sonntag der Agentur Reuters.

Die HSH Nordbank hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zehn Milliarden Euro an Garantien ihrer Mehrheitseigner, den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein, erhalten. Diese wurden 2012 angesichts einer erwarteten Verbesserung der Lage dann um drei Milliarden Euro heruntergeschraubt. Allerdings kriselte die Schifffahrt weiter, so dass der Garantieschirm im vergangenen Jahr wieder um drei Milliarden Euro aufgestockt wurde. Die EU-Kommission hat dies genehmigt – bisher allerdings nur vorläufig. Die HSH Nordbank ist stets davon ausgegangen, dass die zehn Milliarden voll angerechnet werden. Ob die EZB das genauso sieht, war aus Sicht von Investoren und Bankexperten bisher aber nicht ganz klar.

Die EZB, die Finanzaufsicht Bafin, das Bundesfinanzministerium und die HSH wollten das Thema nicht kommentieren.

Die Europäische Zentralbank will mit ihrem Test sicherstellen, dass die Banken besenrein sind, wenn sie im November die Aufsicht über die wichtigsten Häuser der Euro-Zone übernimmt. Nach einem Bilanzcheck überprüft die EZB in einem Stresstest, ob Banken für eine weitere Krise gerüstet sind.

Mittlerweile haben Aufsichtsbehörden und Banken sich dabei auf ein Kompromiss bei der Bewertung von Schiffsrisiken geeinigt, wie die Insider sagten. Die EZB wollte Schiffskredite in dem Test deutlich strenger bewerten als die Institute das derzeit tun. In Deutschland stehen bei dem Test Banken wie die HSH Nordbank, die NordLB oder die Commerzbank besonders im Fokus, weil sie stark in der Schifffahrt aktiv sind. Der Sektor steckt wegen Überkapazitäten, gesunkenen Charterraten und des mauen Welthandels seit Jahren in der Krise.

Der Gesundheitscheck bereitete den HSH-Managern zuletzt immer wieder Kopfzerbrechen. Mit einer zur Jahresmitte ausgewiesenen harten Kapitalquote von 12,8 Prozent sieht sich die Landesbank für den Gesundheitscheck der europäischen Aufsichtsbehörden zwar gewappnet. Die Bank profitiert dabei auch von dem Garantieschirm über zehn Milliarden Euro.

Im Risikoteil des Zwischenberichts zum Halbjahr warnte die Bank jedoch, dass grundsätzlich die Gefahr bestehe, dass sie die Vorgaben der europäischen Aufsichtsbehörden nicht erfülle. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich im Stresstest zusätzliche Risiken ergäben. Nicht ausschließen könne die Bank auch, dass ihre harte Kernkapitalquote nach dem Bilanzcheck unter der geforderten Hürde von acht Prozent liegen könnte. Auch im Stresstest könne es passieren, dass die Quote bei einer simulierten Krise „aufgrund bestehender Portfoliorisiken“ unter die Mindesthürde von 5,5 Prozent sinke.

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