EU-Sanktionen treiben Russland in eine Allianz mit China

Die Sanktionen der EU gegen russische Energie-Konzerne schaden vor allem dem Westen selbst. Denn Russland hat in China einen neuen starken Partner gefunden. Die Chinesen sind nicht nur ein großer Abnehmer für russische Rohstoffe, sondern auch ein finanzstarker Investor, der massiv in die russische Wirtschaft investiert.

Russland und China wollen einen größeren Teil des bilateralen Handels in Rubel und Yuan abwickeln sowie die Zusammenarbeit zwischen den Banken der beiden Länder vorantreiben. Zudem investiert China massiv in die russische Wirtschaft. Die wirtschaftliche Isolation Russlands durch den Westen scheint zu misslingen.

Russlands Erster Vizepremier Igor Schuwalow sagte am Dienstag in Peking, dass er und Chinas Vizepremier Zhang Gaoli sich auf ein Abkommen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit geeinigt haben. Dieses beinhalte eine verstärkte Nutzung des Yuan bei Handelstransaktionen.

Zudem erlaubt das Abkommen russischen Banken das Eröffnen von Konten bei chinesischen Banken und trifft Vorkehrungen dafür, dass russische Unternehmen Kredite von chinesischen Firmen erhalten können.

„Wir werden keine alten Verträge brechen, von denen die meisten in Dollar ausgewiesen sind“, zitiert Reuters den russischen Ersten Vizepremier. „Aber wir werden die Unternehmen der beiden Länder dazu ermutigen, mehr Verträge in den lokalen Währungen abzuschließen und die Verwendung der Währung eines Drittlandes zu vermeiden.“

Zudem diskutierten Schuwalow und Zhang die Vorschläge chinesischer Firmen, in mehr als 30 Projekte in Russland zu investieren. Einige dieser Projekte haben einen Umfang von mehreren hundert Millionen Dollar, sagte Schuwalow. Es handle sich unter anderem um Straßen- und Brückenbau, die Erschließung von Ressourcen, Landwirtschaft und Verkehrsinfrastruktur.

Washington und Brüssel haben Russlands staatliche Banken und führende Energiekonzerne von ihren Kapitalmärkten ausgeschlossen. Für Europa ist dies eine hochriskante Strategie. Denn im Gegensatz zu den USA ist die EU vom russischen Gas abhängig. Sie hat daher massiv Erdgas gespeichert, um zumindest durch den nächsten Winter zu kommen (mehr hier).

Die Maßnahmen des Westens würden selbst solchen Unternehmen die Kreditaufnahme außerhalb Russlands erschweren, die nicht direkt von den Sanktionen betroffen sind. Doch die immer stärkere Zusammenarbeit zwischen Russland und China könnte die Sanktionen des Westens wirkungslos machen. Denn die russischen Firmen können ihren Finanzbedarf einfach in China decken.

Die Isolation Russlands durch den Westen scheint auf breiter Front zu misslingen. So erhält der russische Eisenbahnsektor massive Investitionen aus China. Chinesische Investoren wollen 400 Milliarden Rubel (8,3 Milliarden Euro) in den Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn von Moskau nach Kazan investieren.

„Schon heute sind die chinesischen Banken dazu bereit, allen voran die Chinesische Entwicklungsbank, die nötige Finanzierung für das Projekt aufzubringen“, zitiert Itar-Tass den Vizepräsidenten der Russischen Eisenbahn Alexander Mischarin. „Wir reden über eine Größenordung von 400 Milliarden Rubel“, sagte der Eisenbahn-Chef. Dieser Betrag sei ausreichend.

Auch die Investitionen in den russischen Energiesektor sind durch die Sanktionen der EU kaum bedroht. Der staatliche chinesische Ölkonzern CNPC soll bis zu 10 Prozent Anteile an Russlands Vankor-Ölfeldern für rund 1 Milliarde Dollar erhalten, berichtet Russia Beyond the Headlines. Diese Ölfelder sind der größte Produktionsstandort des russischen Mineralölunternehmens Rosneft.

„Der Plan wird die staatliche Unterstützung sichern, und wir werden Sie zum Mitmachen ermutigen“, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin vergangene Woche zu Mitgliedern der chinesischen Delegation beim Produktionsstart der Gas-Pipeline Power of Siberia, die russisches Gas nach China leiten wird. „Für Freunde gibt es keine Beschränkungen.“

Bereits im Mai hatten China und Russland einen Erdgas-Deal im Umfang von 400 Milliarden Dollar unterzeichnet. Dieser soll dem größten Energiekonsumenten der Welt den Zugang zu saubererem Treibstoff sichern sowie einen neuen Absatzmarkt für Russland, das wegen der Ukraine-Krise voraussichtlich europäische Kunden verliert.

Aufgrund der angespannten Beziehungen zu den USA streben Russland und China seit Längerem an, die Rolle des Dollar im internationalen Handel zu reduzieren. Die Beschränkung der Dollar-Vorherrschaft ist in diesem Jahr dringlicher geworden, da die USA und europäische Regierungen in der Folge der Ukraine-Krise Sanktionen gegen Russland verhängten.

Die Verdrängung des Dollar passt in Chinas ambitionierte Pläne, den Yuan zur globalen Reservewährung zu machen. Das Land hält knapp ein Drittel seiner ausländischen Währungsreserven im Umfang von insgesamt 4 Billionen Dollar in US-Staatsanleihen. Peking will dieses Risiko einschränken, das ihm jedoch auch enorme Macht gegenüber den USA verleiht (mehr hier).

Kommentare

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  1. Mr. Fuchs sagt:

    Die Sanktions-Politik ist in keinster Weise im Sinne der Staaten Europas. Das ist deshalb kritisch, weil Europa insgesamt noch immer in einer Wirtschaftskrise steckt. Deutschland ist wirtschaftlich stabil, aber eben nicht die Europäische Union. Eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse wird durch enge Verflechtungen auch Deutschland treffen, möglicherweise auf fatale Weise: Nicht nur beschneidet die Russland-Sanktion und Gegen-Sanktion den Deutschen Export nach Russland, sondern auch den Handel Deutschlands mit anderen Ländern Europas die unter den Sanktionen noch stärker leiden als wir, die teilweise schon vorher „am Boden lagen“ und nicht mehr aufstehen können. Deutsche Steuergelder werden in Hilfsfonds und Rettungsschirme gepumpt. Kredite werden gewährt die nicht zurück gezahlt werden.
    Zudem kommt in den betroffenen Branchen eine Unsicherheit auf, die Investitionen in Europa hemmen. Wenn das Vertrauen auf STABILITÄT verloren geht, geht auch der Wohlstand verloren.

  2. Veritas1389 sagt:

    Danke für die nüchterne und neutrale Analyse!

  3. Mut zur Wahrheit sagt:

    Was hat man denn bis jetzt, erhellendes zur Außenpolitik, von Frau Merkel gehört – nichts. Frau Merkel, die ja, die mächtigste Frau der Welt sein soll und alles von hinten her denkt – also vom Ergebnis her – kann offensichtlich komplexe Zusammenhänge strategisch und sachbezogen nicht durchdenken. Somit hätte sie die im Artikel beschriebenen Folgen frühzeitig erkennen müssen. Höchswahrscheinlich ist sie eine getriebene von Amerika. Wenn sie eine Getriebene ist, dann betrügt sie die Deutschen.

  4. George sagt:

    Der Wirtschaftskrieg welcher 1970 prognostiziert wurde ist im Gange. Es werden nur vier Wirtschaftsblöcke überleben. Ich verweise auf eine der ersten Stadments von Angelika Merkel, soweit ich mich erinnere 2009 beim Niedergang der Lehmannbank und weiterer Banken, welche nur durch Notoperation gerettet wurden: Wir benötigen ein neues Weltwirtschaftssystem. Hat man diesen Ausspruch vergessen? Es ist höchste Zeit diese Aussage zu verwirklichen. Das neue Leitsystem bietet sich an, egal in welcher Währung.
    Die jetzige Leitwährung fördert die Kriegsbereitschaft und die Produktion der Mittel dazu.

  5. Zokker sagt:

    Wir bauen auf ,wir reißen nieder
    Arbeit haben wir immer wieder!

  6. Miesmacher sagt:

    Die taumelnde Supermacht USA reißt in ihrem letzten Kraftakt sein Dollarimperium zu sichern, die Welt wohlmöglich in den Abgrund. Ein Kampf gegen Russland und China ist aussichtslos, weil er militärisch nicht zu gewinnen ist und eben so wenig wirtschaftlich, was wir gerade erleben! Der Westen schneidet sich in eignen Fleisch, aber die Vasallen in der BRD und anderswo kennen keine Souveränität mehr. Frau Merkel hat es verlernt als Marxistin und als umgepolte Kapitalistin national zu denken! Auf jeden Fall wird Westeuropa nach diesem Machtkampf nicht mehr als ein Ruinenfeld sein, wenn nicht der US-Größenwahn beendet wird. Aber seine Eliten, so ist zu befürchten, glauben an ihre Mission für die Menschheit und vor allem für Goldman& Sachs!. Das kann uns alle in Verderben führen!!

  7. Michl sagt:

    Dummheit wird bestraft. Die EU-Vasallen folgen gedankenlos den Vorgaben für Sanktionen der US-Finanzmächtigen. Es war zu erwarten, dass Russland und China sich dadurch annähern werden. Die Sanktionen laufen ins Leere und schaden vor allem Deutschland. Es zeigt sich erneut, was die USA anpacken geht schief, ob es die Kriege sind, die sie in aller Welt führen oder die Sanktionen. Allerdings regt sich überall in Europa Widerstand gegen die US-gelenkte EU-Tyrannei, jetzt auch in Deutschland mit der AfD. Das macht Hoffnung auf eine Veränderung der unsinnigen Politik unserer Politiker-Vasallen.

  8. Matthes sagt:

    Und die EU tut uns damit keinen Gefallen. Russland war einmal westlich orientiert und Partner dieser Länder. Nur weil die Eurokraten von Aussenpolitik nichts verstehen dürfen sie jetzt diesen politischen Unsinn begehen und Russland in die Arme Chinas treiben!

  9. Rudolf Steinmetz sagt:

    Was tut Merkel? Fortgesetzer Bruch ihres Amts-Eides, nämlich Schaden vom deutschen Volke Abzuwenden. Eine Vorzügliche Darstellung der ganzen 9/11-Agenda von Matthias Bröckers im Gespräch mit KenFM: http://kenfm.de/blog/2014/09/11/mathias-broeckers/