Unternehmen zweifeln an Energie-Sicherheit in Deutschland

Viele süddeutsche Firmen (35%) melden zahlreiche Stromausfälle oder Lieferunterbrechungen bei Gas in den vergangenen 12 Monaten. Jedes fünfte deutsche Unternehmen hat Probleme bei der Energiesicherheit. Ähnliche Beschwerden kamen aus Österreich, der Slowakei und Polen. Die Bundesregierung berät indes über die Schaffung einer strategischen Gasreserve.

Jedes fünfte deutsche Unternehmen hat einer Umfrage zufolge über Probleme mit der Energiesicherheit. Besonders viele Klagen kommen aus der süddeutschen Industrie, wo 35 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten konkrete Probleme wie Stromausfälle oder Lieferunterbrechungen bei Gas meldeten. Das geht aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter insgesamt 2.200 Unternehmen hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag in Auszügen vorlag.

„Diese Entwicklung ist zusätzlich bedenklich, weil die Herausforderungen für die Versorgungssicherheit in den kommenden Jahren mit der sukzessiven Abschaltung der Kernkraftwerke anwachsen wird“, so der DIHK. Die Unternehmen fordern als Konsequenz daraus mehr politische Unterstützung für den Netzausbau. Auch müsse dazu das Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden.

Die Meldung steht in Kontrast zu der Mitteilung der EU-Kommission, dass die Gaslieferungen aus Russland in Richtung Europa sich über das Wochenende wieder stabilisiert hätten. Dies gelte auch für die Lieferungen, die über Weißrussland und die Ukraine kämen, sagte die Sprecherin des bisherigen Energiekommissars Günther Oettinger am Montag in Brüssel. Zuletzt hatten mehrere EU-Staaten und Versorger beklagt, weniger Gas aus Russland zu erhalten.

Die Bundesregierung lässt angesichts des Gasmangels aus Russland in einige EU-Länder bessere Vorsorgemöglichkeiten in Deutschland prüfen. „Es gibt verschiedene Optionen, die von den Akteuren hier diskutiert werden, um langfristig für ausreichende Füllstände in den Speichern zu sorgen“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums am Montag. Die Vorschläge reichten von marktwirtschaftlichen Anreizen bis hin zur Schaffung einer strategischen Gasreserve. Das Wirtschaftsministerium habe dazu eine Studie in Auftrag gegeben. Erste Ergebnisse würden im zweiten Quartal des nächsten Jahres erwartet.

Im Übrigen wolle auch die Europäische Kommission Vorschläge zu diesem Thema machen, fügte die Sprecherin hinzu. Einen akuten Handlungsbedarf gebe es aber nicht, denn die deutschen Gasspeicher seien derzeit zu über 90 Prozent gefüllt.

Unterdessen erhielten eine Reihe von EU-Ländern weiterhin weniger Gas aus Russland als üblich. Der slowakische Energieimporteur SPP beklagte, er habe den sechsten Tag in Folge rund zehn Prozent weniger Gas aus Russland erhalten als benötigt. Auch Polens Pipeline-Betreiber Gaz-System erklärte, das Land habe am Sonntag vom russischen Energiekonzern Gazprom weniger Gas erhalten als vom staatlich kontrollierten Importeur PGNiG nachgefragt. „Die erhöhten Bedarfsanforderungen von PGNiG sind noch nicht erfüllt worden“, sagte eine Sprecherin von Gaz-System. Rumäniens Energieminister Razvan Nicolescu erklärte, Gazprom habe angekündigt, seine täglichen Gaslieferungen an das Land ab Dienstag für eine Sechs-Tages-Periode um zehn Prozent zu kürzen.

Gleichfalls geringere Gaslieferungen aus Moskau beklagte Österreich. „Wir bekommen nach wie vor rund 15 Prozent weniger als bestellt“, sagte ein Sprecher des Energiekonzerns OMV. Das liege aber innerhalb der üblichen Schwankungbreiten. Kritischer werde es erst „ab minus 20/minus 25 Prozent, sagte er.

Kommentare

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  1. Andrzej K. sagt:

    Energiesicherkeit ist in diesen Tagen wichtiger denn je und das wird sich künftig nicht ändern, sogar noch stärker anwachsen, denn unser ganzes Wirtschaftssystem und modernes Leben ist abhängig davon, umso wichtiger ist es natürlich, dass sichergestellt ist, dass Energie ständig zur Verfügung steht, am besten, wenn man sie gar selbst produziert und sich so unabhängig macht. So kann man böse Überraschungen vermeiden und wird kein Spielball der europäischen Politik. Dazu kann ich einen weiteren Artikel empfehlen, der sich mit dem gleichen Thema beschäftigt:

    http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/produktion-technologie/energie-mit-sicherheit-1224921/

  2. Scheinwerfer sagt:

    Wo Gurken gerade gebogen und Traktor Sitze genormt werden, kann doch keine logische Politik gemacht werden!!
    Diese Politiker fahren Europa mit Vollgas an die Wand und begreifen es immer noch nicht!!
    EU= Europas Untergang!!

  3. kay sagt:

    Danke Merkel, das du uns so gut dienst.

  4. wolfgang sagt:

    Das mit der strategischen Gasreserve hätte man sich überlegen müssen, bevor man den Konflikt mit Russland sucht. Nun bleibt nur noch die Braunkohle – auch für die Bürger.

    Energieunsicherheit dient kaum der Industrialisierung Deutschlands.