Russland zapft Renten für Energie-Unternehmen in Not an

Die russische Regierung zehrt an den Rentenreserven für einen neuen Hilfsfonds. Unternehmen, die durch die Sanktionen in Not geraten sind, sollen mithilfe von Rentengeldern von umgerechnet bis zu 6 Milliarden Euro gerettet werden. Allein Ölproduzent Rosneft braucht mehr als 30 Milliarden Euro (1,5 Billionen Rubel).

Russland legt wegen der Sanktionen des Westens im kommenden Jahr einen milliardenschweren Hilfsfonds für Unternehmen auf. Dieser werde eine beträchtliche Größe haben, sagte Finanzminister Anton Siluanow am Montag der russischen Nachrichtenagentur RIA. Ein genaues Volumen wurde zunächst nicht genannt. In den Topf sollten Gelder fließen, die ursprünglich für die Rentenkasse bestimmt waren, wurde Siluanow zitiert. Damit würden dem Haushalt rund 300 Milliarden Rubel (6,3 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt. Die Summe solle aber nicht komplett in den neuen Hilfsfonds eingebracht werden. Aus dem Haushalt für dieses Jahr blieben aber 100 Milliarden Rubel übrig, die ebenfalls in den Fonds fließen sollen.

Die USA und die EU haben wegen der anhaltenden Ukraine-Krise weitere Wirtschaftssanktionen beschlossen. Diese richten sich vor allem gegen Russlands Energie-, Rüstungs- und Finanzsektor. Der größte russische Ölproduzent Rosneft hat deswegen die Regierung in Moskau bereits um Hilfe gebeten. Er bezifferte seinen Bedarf auf 1,5 Billionen Rubel (30,5 Milliarden Euro).

Unter dem Druck westlicher Sanktionen bemüht sich Russland um eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China. Beide Länder hätten sich bei jüngsten Gesprächen auf mehr als 30 gemeinsame Projekte verständigt, sagte der stellvertretende russische Ministerpräsident Igor Schuwalow am Samstag nach einem Besuch in der Volksrepublik. Die Kooperation werde sich auf verschiedenste Bereiche erstrecken, darunter die Finanzbranche, die Nahrungsmittelproduktion und die petrochemische Industrie. Asiatische Länder wie China seien sehr an einer Zusammenarbeit mit Russland interessiert und beteiligten sich nicht an Sanktionen, betonte der Minister.

Im Streit über die Rolle der Moskauer Regierung im Ukraine-Konflikt hatten die EU und die USA am Freitag neue Strafmaßnahmen vor allem gegen den russischen Energie-, Rüstungs- und Finanzsektor in Kraft gesetzt. Um die Auswirkungen der Sanktionen zu begrenzen, will Russland Schuwalow zufolge zudem auf Wirtschaftsreformen im eigenen Land setzen. Dabei nehme sich die Moskauer Regierung die Liberalisierung der chinesischen Wirtschaft zum Beispiel, mit der die Volksrepublik im Jahr 1989 auf Strafmaßnahmen reagiert habe. Damals hatte die Regierung in Peking Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens gewaltsam niedergeschlagen und damit international Kritik ausgelöst.

 

Kommentare

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  1. Siggy sagt:

    Die deutsche Rentenkasse, also die Einzahlungen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber für spätere Altersversorgungen in Deutschland, werden schon seit Adenauer geplüntert. Siehe die Teufeltabelle, in der ist alles akriebisch aufgelistet. Eine Sauerei die seinesgleichen sucht. Und die Vorstände der gesetzl. Rentenversicherung einschl. „DER VERTRETER DER VERSICHERTEN“ schweigen zu diesem Skandal.

  2. Mr. Fuchs sagt:

    Das haben sich die Russen aber bei uns abgeguckt…
    Bei uns legen die Versicherer oft die Renten in Staatsanleihen an, und die sind später nicht mehr so viel wert.