Alibaba sorgt für größten Börsengang in der Geschichte

Der chinesische Internet-Händler nahm bei seinem Börsengang 180 Milliarden Euro ein. Die Papiere wurden zum Höchstpreis von 68 Dollar ausgegeben. Zahlreiche Manager und Software-Fachleute bei Alibaba wurden mit dem Schritt an die Börse zu Millionären.

Alibaba hat die Wall Street mit dem weltgrößten Börsengang aller Zeiten in Euphorie versetzt. Mit einem Kurssprung zum Start um 36 Prozent auf 92,70 Dollar legte der chinesische Internet-Händler am Freitag ein furioses Debüt hin. Wenig später kostete das begehrte Papier sogar 99,70 Dollar, bevor der Kurs zum Handelsschluss wieder auf rund 93,89 Dollar nachgab. Es dauerte angesichts einer Flut von Kaufaufträgen fast zweieinhalb Stunden, ehe die New Yorker Börse überhaupt einen ersten Kurs nennen konnte. Viele Anleger, die bei der Zuteilung leer ausgegangen waren, wollten die Titel offenbar zu fast jedem Preis in ihren Depots haben. „Das ist der größte Börsengang, den die Welt je gesehen hat, deshalb herrscht Feierstimmung auf dem Parkett – ob man will oder nicht“, sagte Händler Benedict Willis von Sunrise Securities.

Mit dem Schlusskurs ist Alibaba rund 231 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 180 Milliarden Euro) wert, mehr als alteingesessene US-Konzerne wie Walt Disney und Coca- Cola und noch einmal 62 Milliarden Dollar mehr als zum Ausgabepreis.

Dabei waren die Papiere schon zum Höchstpreis von 68 Dollar ausgegeben worden. Die Investoren rissen dem Unternehmen, das vor 15 Jahren von dem Englischlehrer Jack Ma gegründet worden war, die Aktien aus den Händen. Alibaba verkaufte Papiere für 25 Milliarden Dollar, zwei Drittel des Geldes gehen an die bisherigen Investoren wie den US-Internetkonzern Yahoo, der mit dem Verkauf von Alibaba-Aktien allein acht Milliarden Dollar kassierte. Den bisherigen Rekord hatte seit 2010 die chinesische AgBank mit 22,1 Milliarden Dollar gehalten, in New York wurde der Kreditkartenanbieter Visa als Rekordhalter abgelöst.

Eine ganze Reihe von Managern und Software-Fachleuten bei Alibaba werden mit dem Schritt an die Börse zu Millionären. Allein Milliardär Ma kassiert fast 900 Millionen Dollar. „Ich will die Aktionäre nicht enttäuschen“, sagte der Firmengründer bei CNBC. „Ich will sicherstellen, dass sie Geld verdienen.“ Größter Alibaba-Anteilseigner ist der japanische Konzern Softbank mit 32 Prozent, der sich aber von keiner Aktie getrennt hat.

Experten hatten im Vorfeld nur mit einem Kurssprung von zehn bis 15 Prozent gerechnet. Die New Yorker Börse Nyse hatte sich für den Ansturm gewappnet: Sie ließ ihre Systeme gleich in zwei Probeläufen auf Herz und Nieren testen, um keine Pleite zu erleben wie die US-Technologiebörse Nasdaq vor zwei Jahren bei der Erstnotiz von Facebook. Damals war der Handel unter der Flut von Aufträgen schier zusammengebrochen. Die Kurse waren um Stunden verspätet, viele Anleger verloren Geld. Daher hatte sich Alibaba für die Nyse als Börsenplatz entschieden. In den USA erhofft sich das Unternehmen Zugang zu einer deutlich größeren Zahl von Investoren.

Nach Angaben des führenden US-Aktienhändlers TD Ameritrade erreichte das Ordervolumen für Alibaba am Freitag noch vor dem ersten Kurs gut zwei Drittel der Kaufaufträge am ersten Handelstag von Facebook – und das Dreifache des Volumens bei Twitter. Viele Investoren waren bei der Zuteilung von Alibaba-Aktien leer ausgegangen oder enttäuscht worden. Ein Anleger berichtete, er habe 200.000 Papiere für 13,6 Millionen Dollar bestellt, aber nur 1000 erhalten. 35 bis 40 Investoren, unter ihnen der Fondsriese Blackrock, hatten jeweils für mehr als eine Milliarde Dollar Alibaba-Papiere geordert, wie es in Finanzkreisen hieß.

Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel schaute gespannt an die Wall Street: „Wenn heute der Börsengang von Alibaba stattfindet, dann zeigt dies doch, dass die Welt nicht schläft, dass chinesische große Unternehmen längst Global Player sind“, sagte sie am Freitag beim Zentralverband des Deutschen Handwerks. Die Rivalen Amazon und eBay haben die Chinesen an Börsenwert bereits überholt. E-Commerce-Experten sehen Alibaba auf einer Stufe mit Facebook und Google. Ma hatte die Anleger bei seiner Werbetour überzeugt: „Das war einer der beeindruckenderen Präsentationen“, sagte Jerry Jordan, der den 48 Milliarden Dollar schweren Jordan Opportunity Fund verwaltet. „Mir war gar nicht klar, wie erfolgreich sie sind.“

15 Jahre nach der Gründung in Mas Ein-Zimmer-Wohnung wickelt Alibaba mehr Geschäfte ab als Amazon und Ebay zusammen. Rund 80 Prozent der Online-Umsätze in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, gehen auf das Konto von Alibaba. Von April bis Juni schossen die Umsätze um 46 Prozent nach oben, und anders als viele Internetfirmen schreibt das Unternehmen Gewinn: 1,99 Milliarden Dollar waren es in diesen drei Monaten.

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  1. dagobert duck sagt:

    Dotcom 2

    Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.