G20-Staaten wollen dem Wachstum neue Impulse geben

Beim G20-Treffen in Australien wollen die führenden Industrienationen die lahmende Weltwirtschaft ankurbeln. Das Ziel sei, zwei Prozent Wachstum in fünf Jahren. Dafür sollen auch Steuerflucht und Gewinnverlagerungen stärker bekämpft werden

Die G20 wollen der zuletzt lahmenden Weltwirtschaft wieder stärker auf die Sprünge helfen. „Wir haben die Möglichkeit, die Geschicke der globalen Wirtschaftsentwicklung zu ändern“, sagte am Samstag bei Beginn des G20-Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs im australischen Cairns der gastgebende Finanzminister Joe Hockey. Er habe keine Zweifel, dass es den G20 gelingen werde, das Ziel zu erreichen, die Weltwirtschaft mit einer Fülle von Maßnahmen auf nationaler Ebene binnen fünf Jahren auf einen um zwei Prozentpunkte höheren Wachstumspfad zu führen. Das werde den Menschen dann auch mehr Jobs bringen.

Hockey ist zudem davon überzeugt, dass die G20 in Cairns einen großen Schritt vorangehen wird bei der Bekämpfung von Steuerflucht und Gewinnverlagerungen. Es gehe darum, dass jedes Unternehmen, jede Institution und jede Privatpersonen seine Steuern dort zahlen müsse, wo das Geld verdient werde. OECD-Generalsekretär Angel Gurria hatte mit Hockey kurz vor dem G20-Treffen die ersten sieben Vorschläge seiner Organisation übergeben, mit denen ein aus 15 Punkten bestehender Aktionsplan gegen Steuerflucht und Gewinnverlagerung von multinationalen Konzernen umgesetzt werden soll. Gurria sprach vom größten Modernisierungsprojekt zur Reform des internationalen Steuersystems seit 100 Jahren. Er zeigte sich überzeugt, dass die G20-Minister den Vorschlägen am Sonntag zustimmen werden.

Die Debatte über die Entwicklung der Weltwirtschaft stellt einen der Schwerpunkte der G20-Konferenzen dar. Forderungen aus den USA kurz vor dem Treffen in Cairns gerade an Deutschland, mehr für die Stärkung der Nachfrage im Lande zu tun, hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bereits zurückgewiesen. Deutschland tue nicht zuletzt mit Investitionen genug für das weltweite Wachstum. Das könne im Übrigen nur nachhaltig gestärkt werden durch Strukturreformen, bessere Rahmenbedingungen sowie eine solide Haushaltspolitik, argumentierte Schäuble im Vorfeld. Im Übrigen sei die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland robust, auch wenn es wie überall leichte Eintrübungen der Wachstumsaussichten durch die wachsenden Risiken in der Welt in Formen von Krisen wie in der Ukraine gebe.

Wirtschaftsvertreter aus den G20-Ländern, die in der sogenannten B20 zusammengeschlossen sind, forderten die Minister zu einer ehrgeizigen Reformagenda auf, um Wachstum und Beschäftigung zu beschleunigen. Notwendig seien Impulse in den Bereichen Infrastruktur, Finanzen, Handel, Arbeitsmarkt und Transparenz. „Es sind in erster Linie öffentliche und private Investitionen, die das produktive Fundament für die Zukunft der Weltwirtschaft bilden“, hieß es in einer Erklärung. Daher sei es umso Besorgnis erregender, dass die Direktinvestitionen und auch der Handel weithin noch unter dem Niveau vor der letzten großen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 liege.

Schäuble wird am Rande des G20-Treffens am Samstag auch mit seinem US-Kollegen Jack Lew zusammenkommen. Die unterschiedlichen Ansätze in der Wachstumspolitik dürften dabei ein Thema sein. Die G20-Konferenz geht am Sonntag zu Ende.

Kommentare

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  1. fan sagt:

    Die G20-Staaten können noch so viele Investitions-Förder-Maßnahmen beschließen, wenn sie nicht richtig überlegen, wofür eigentlich..!

    Werden die Investitionen der Unternehmen und Betriebe gefördert, werden die dadurch möglichen Innovationen zum verstärkten Arbeitsplatz-Abbau durch Rationalisierungen genutzt und die Förderungen laufen ins Leere, denn dadurch steigt nicht die Konsum-Nachfrage der breiten Bevölkerungs-Schichten. Warum investieren denn die Unternehmen so wenig bei dem Super-Niedrig-Zins..!?

    Eine nicht wachsende bzw. stagnierende Wirtschaft wird erst dann wieder eine positrive Richtung nehmern, wenn der Konsumenten-Bereich über mehr Kaufkraft durch Steuer- und andere Entlastungen verfügt und die Konsum-Lust dafurch gesteigert wird.

    Aber wenn Unruhe-Stifter, Friedens-Störer und Kriegs-Treiber dem positiven Denken und Handeln der Menschen einen Tritt verpassen, wir’s wohl nicht so schnell besser gehen..!

  2. ichweissalles sagt:

    bei stagnierendem konsum der massen gibt es kein wachstum. der vorhandene kuchen kann lediglich anders verteilt werden.

    wachstum findet erst wieder statt, wenn grosse teile der weltbevölkerung über grössere reale einkommen verfügen. doch dem steht der wille der reichsten 10 % gegenüber, immer grössre teile des erwirtschafteten vermögens dem geldkreislauf zu entziehen, um es in der finanz“wirtschaft“ zu bunkern.