Siemens verdrängt Rivalen in Übernahme-Kampf um US-Gasfirma

Sulzer bricht Fusionsverhandlungen mit US Gas-Spezialisten Dresser-Rand ab. Der Schweizer Anlagenbauer lässt sich nicht auf eine Übernahmeschlacht mit Siemens ein. Siemens hatte zuvor der Dresser-Rand ein Übernahme-Angebot von 7,6 Milliarden Euro unterbreitet.

Der Schweizer Anlagenbauer Sulzer wirft im Übernahmepoker um den US-Gasspezialisten Dresser-Rand das Handtuch. Sulzer habe die Gespräche mit Dresser-Rand beendet, erklärte eine Sprecherin am Montag. Damit muss Siemens von den Schweizern keine Konkurrenz mehr fürchten. Die Münchener hatten in der Nacht angekündigt, Dresser-Rand für 7,6 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Der Verwaltungsrat der Amerikaner unterstütze die Offerte einstimmig und habe den Aktionären die Annahme empfohlen.

Sulzer hatte vergangene Woche nicht-exklusive Fusionsverhandlungen mit Dresser-Rand bestätigt. Insider erklärten aber, dass Sulzer mit einem möglichen Aktientausch schlechtere Karten hatte als Siemens mit ihrem Bar-Angebot. Medienberichten vom Wochenende zufolge erwog zudem der US-Rivale GE, ein Angebot für Dresser-Rand abzugeben.

Siemens und Dresser-Rand vereinbarten, dass die Münchner alle ausgegebenen und ausstehenden Aktien von Dresser-Rand im Zuge eines freundlichen Übernahmeangebots erwerben, wie Siemens am frühen Montagmorgen mitteilte. Der Verwaltungsrat der Amerikaner unterstütze die Bar-Offerte einstimmig und habe den Aktionären empfohlen, das Gebot anzunehmen. Zugleich teilte Siemens mit, dass Bosch dem Industriekonzern für drei Milliarden Euro den 50-Prozent-Anteil an dem vor fast einem halben Jahrhundert entstandenen gemeinsamen Hausgeräte-Unternehmen BSH abnehmen wolle.

Dresser-Rand ergänze das bestehende Siemens-Portfolio, insbesondere für die weltweite Öl- und Gasindustrie sowie für die dezentrale Energieerzeugung, teilte Siemens mit. Das Angebot beträgt den Angaben nach 83 Dollar je Aktie in bar. Das entspreche einem Gesamtwert von rund 7,6 Milliarden Dollar. Am Freitag hatte die in New York gelistete Dresser-Rand-Aktie mit 79,91 Dollar geschlossen.

Siemens hatte Kennern zufolge immer wieder mit Dresser-Rand verhandelt, war vor einer Übernahme angesichts des hohen Preises bisher aber zurückgeschreckt. Abgesehen vom Preis sei Dresser-Rand aber schon seit längerem ein Traum-Übernahmeziel, hieß es im Siemens-Umfeld. Konzern-Chef Joe Kaeser hatte Dresser-Rand als eine von mehreren interessanten Firmen in Übersee genannt. Der Manager will sein Haus stärker als Lieferant der boomenden Öl- und Gasindustrie in Nordamerika etablieren. Um dort zu reüssieren, verlegt er eigens die Zentrale seiner Energiesparte in die USA.

Siemens geht davon aus, dass die Dresser-Rand-Übernahme bis zum Sommer 2015 unter Dach und Fach ist. Der Verkauf des Anteils an dem Joint Venture BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) soll voraussichtlich im ersten Kalenderhalbjahr 2015 abgeschlossen werden. Das bisherige Gemeinschaftsunternehmen werde dann eine 100-prozentige Tochter der Bosch-Gruppe sein. Die Geschäftsführung und der Aufsichtsrat von Bosch sowie der Vorstand und der Aufsichtsrat von Siemens hätten der Transaktion bereits zugestimmt, teilten die beiden Konzerne mit. Vor der Transaktion erfolge eine zusätzliche Ausschüttung in Höhe von jeweils 250 Millionen Euro von BSH an Siemens und Bosch.

Kommentare

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  1. Rudolf Steinmetz sagt:

    Joe Kaeser tätigt hier die größte Fehlinvestition in der Geschichte von Siemens. Er investiert in eine Branche, deren Zenith längst überschritten ist, die zudem überaus umweltvergiftend ist, und gegen die sich weltweit ein energischer Bürgerwille formiert. Obwohl in diesem Beitrag mit keiner Silber erwähnt, hat dieses Investment einen scharfen Focus, nämlich Siemens steigt gross ins Fracking ein:

  2. Dumpfbruddler sagt:

    Das dürfte Herrn Kaeser den Kopf kosten.
    So zeigen unsere Unternehmens-Größen, dass sie nichts begriffen haben.
    Bin gespannt was die Aktionäre dazu sagen werden, wenn ihr Geld in Pseudo-
    industrien vernichtet wird.