Merck übernimmt Sigma Aldrich für 17 Milliarden Dollar

Die größte Übernahme in der Firmengeschichte kostet den Pharmakonzern Merck 140 Dollar je Sigma-Aktie – rund 17 Milliarden Dollar. Die Aktie des Unternehmens schoss in die Höhe. Merck verspricht sich dadurch Synergien von 260 Millionen Euro pro Jahr.

Der Darmstädter Merck -Konzern baut mit der größten Übernahme seiner Geschichte das lukrative Geschäft mit Pharma- und Forschungslaboren massiv aus. Für den US-Laborausrüster Sigma-Aldrich legt der Pharma- und Spezialchemiekonzern 13,1 Milliarden Euro (17 Milliarden Dollar) auf den Tisch. „Die Übernahme ist ein Quantensprung für unser Unternehmen“, sagte Finanzchef Marcus Kuhnert am Montag. Mit dem Zukauf von Sigma-Aldrich steige Merck in allen Bereichen des Laborgeschäfts zu den größten drei Anbietern weltweit auf. „Wir bauen unsere Position im attraktiven Life-Science-Sektor aus und schaffen damit die Voraussetzung für organisches Wachstum in den kommenden Jahren“, sagte Kuhnert.

Die Anleger an der Börse waren begeistert. Die im Leitindex Dax enthaltenen Merck-Aktien schossen über acht Prozent nach oben auf ein neues Rekordhoch.

Merck hat sein vergleichsweise kleines Labor-Geschäft bereits 2010 durch die Übernahme des US-Konzerns Millipore kräftig gestärkt. Mit dem Zukauf von Sigma-Aldrich verdoppeln die Darmstädter den Umsatz in dem Bereich nun fast auf 4,7 Milliarden Euro. Da das Laborgeschäft mehr Gewinn abwirft als andere Bereiche des Traditionsunternehmens, werde die operative Gewinnmarge des Merck-Konzerns von etwa 30 auf rund 33 Prozent steigen, rechnete Kuhnert vor.

Merck will 140 Dollar je Sigma-Aldrich-Aktie zahlen, das sind 36 Prozent mehr als der Schlusskurs an der US-Börse Nasdaq vom Freitag. Das Management des Konzerns aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri hat der Übernahme bereits zugestimmt. „Wir sind davon überzeugt, dass die Transaktion aufgrund der beachtlichen Übernahmeprämie für unsere Aktionäre sehr attraktiv ist“, sagte Sigma-Aldrich-Chef Rakesh Sachdev. Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Versammlung grünes Licht geben, laut Kuhnert ist dabei eine einfache Mehrheit ausreichend. Sollte Merck wider Erwarten vom Deal zurücktreten, müssten die Darmstädter laut Sigma-Aldrich bis zu 934 Millionen Dollar Entschädigung nach Missouri überweisen.

Sigma-Aldrich produziert und vertreibt über 230.000 Chemikalien und andere Produkte für die Pharmaforschung und andere Labore. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 2,7 Milliarden Dollar um. Im ersten Halbjahr 2014 waren es knapp 1,4 Milliarden, bei einem Nettogewinn von 259 Millionen Dollar. Für Merck wird durch die Übernahme der Abstand zu Marktführer Thermo Fisher Scientific, der kürzlich für 13,6 Milliarde Dollar den Konkurrenten Life Technologies geschluckt hatte, deutlich kleiner.

Kuhnert erhofft sich durch die Akquisition Synergien von 260 Millionen Euro pro Jahr, die sich innerhalb von drei Jahren verwirklichen lassen sollen. Der Zukauf werde sich aber bereits vom ersten Tag an positiv auf das operative Ergebnis und die Umsatzrendite von Merck auswirken, betonte der Finanzchef. Da die Wettbewerbshüter in Europa, Asien und den USA noch grünes Licht geben müssen, wird ein Abschluss des Geschäfts erst bis Mitte 2015 erwartet. Die bisher größte Übernahme von Merck war der Kauf des Schweizer Biotechunternehmens Serono für 10,3 Milliarden Euro.

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