Bosch kauft Hausgeräte-Sparte von Siemens

Siemens trennt sich von seinem Anteil von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH). Die Sparte gehöre nicht mehr zum Kerngeschäft. Bosch zahlt für die Anteile drei Milliarden Euro und will Haushaltsgeräte stärker vernetzen. Weitere Zukäufe in Asien sind geplant.

Bosch kauft Siemens für gut drei Milliarden Euro dessen Anteil am gemeinsam geführten Hausgeräte-Hersteller ab. Für die rund 50.000 Beschäftigten von Bosch-Siemens-Hausgeräte (BSH) werde sich mit dem Eigentümerwechsel nichts ändern, versicherte Bosch-Chef Volkmar Denner am Montag. Das bislang je zur Hälfte von Bosch und Siemens geführte Unternehmen mit Sitz in München bleibe eigenständig und werde nicht umgebaut. Siemens kehrt mit dem Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen Konsumgütern endgültig den Rücken und stärkt sich durch eine Milliarden-Übernahme im Öl- und Gasgeschäft. Die Hausgeräte-Tochter bringe zwar „viel Geld für wenig Arbeit“ hatte Siemens-Chef Joe Kaeser gelobt. Doch Spülmaschinen oder Umluftherde gehören für ihn nicht mehr zum Kerngeschäft des Münchener Technologieriesen.

Dennoch wird auch künftig der Name Siemens auf Waschmaschinen oder Kühlschränken stehen, da das Label in Asien sehr bekannt ist, wie Uwe Raschke, Bosch-Geschäftsführer für Gebrauchsgüter, erklärte. Bosch und Siemens produzieren schon seit 1967 zusammen Hausgeräte wie Toaster, Kaffeemaschinen, Herde oder Backöfen unter ihren Markennamen. Europas zweitgrößter Hausgeräteanbieter nach der schwedischen Electrolux verbirgt sich auch hinter Namen wie Gaggenau, Neff oder Constructa. BSH-Chef Karsten Ottenberg hat das Ziel, in den kommenden zehn Jahren den Umsatz auf 20 Milliarden Euro zu verdoppeln und die operative Rendite von fünf auf sieben Prozent zu steigern.

Intelligente Hausgeräte, die sich aus der Ferne steuern lassen oder miteinander Daten austauschen, ist ein Feld, das Bosch ausbauen will. Die Stuttgarter wollen sich unabhängiger von der stark konjunkturgetriebenen Autobranche machen, ohne ihre starke Stellung als einer der führenden Zulieferer weltweit aufzugeben. Vor einer Woche erst hatte Bosch das bisher mit ZF Friedrichshafen betriebene Gemeinschaftsunternehmen ZF Lenksysteme vollständig übernommen, was seine Position als Technik-Lieferant zum automatisierten Fahren stärkt. Einschließlich der Zukäufe steige der Anteil des Umsatzes, der außerhalb der Kfz-Sparte erzielt wird, laut Denner von 32 auf 40 Prozent. Der Bosch-Umsatz hätte mit den beiden Töchtern, die zuletzt in die Bilanz nicht mehr eingerechnet werden durften, im vergangenen Jahr rund 60 Milliarden statt 46 Milliarden Euro betragen. „Wir wollen zwar Richtung 50 Prozent, wir werden aber im Kraftfahrzeuggebiet alle Wachstumschancen aggressiv wahrnehmen“, ergänzte er.

Beide Zukäufe könne Bosch problemlos ohne Fremdmittel finanzieren angesichts einer Liquidität von 14 Milliarden Euro, sagte Denner weiter. Bosch zahlt Siemens drei Milliarden Euro plus eine Dividendenausschüttung von 250 Millionen Euro. Der Preis für ZF Lenksysteme wurde nicht genannt, von Experten aber auf eine halbe bis eine Milliarde Euro taxiert. Bosch verfügt damit noch immer über knapp zehn Milliarden Euro Liquidität.

Die Initiativen zu beiden Übernahmen gingen von den Partnerunternehmen aus. Unabhängig davon hatte Denner bereits angekündigt, nach Zukäufen Ausschau zu halten. Insbesondere die Energie- und Gebäudetechnik sei hier interessant. Hausgeräte müssten einerseits wegen der alternden Gesellschaft immer einfacher zu bedienen sein. Den jüngeren Kunden sollen andererseits Dienste wie elektronische Einkaufszettel angeboten werden. Dazu arbeite Bosch zusammen mit ABB und Cisco an einem technischen Standard, damit Hausgeräte verschiedener Hersteller miteinander verbunden werden können.

 

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