Deutsche Unternehmen investieren in großem Stil in den USA

Ob nun Merck, Siemens oder ZF Friedrichshafen. Deutsche Konzerne kaufen in den USA in großem Stil ein. 64,5 Milliarden Dollar haben deutsche Käufer in diesem Jahr nach für 51 US-Zukäufe ausgegeben. Die Unternehmen hoffen auf ein gutes konjunkturelles Umfeld in den USA.

Auch große Firmenübernahmen folgen Moden. Lange war China das gelobte Land, wenn es um die Auslands-Expansion deutscher Unternehmen ging. Doch nun richtet sich der Blick wieder westwärts. Allein in den vergangenen zehn Tagen haben deutsche Großkonzerne Käufe von US-Firmen über 44 Milliarden Dollar (34 Milliarden Euro) angekündigt. Reiner Zufall? Vom Zeitpunkt her ja, sagen Investmentbanker, vom Grundsatz her aber nicht: „Es gibt eine neue Stufe in der Globalisierung, und in den USA gibt es viele global gut aufgestellte Unternehmen“, sagt Dirk Albersmeier, der bei JPMorgan in Deutschland für Fusionen und Übernahmen zuständig ist. „Akquisitionen dort bringen den europäischen Firmen nicht nur eine Verstärkung der US-Präsenz, sondern auch eine Verbesserung ihrer weltweiten Marktposition.“

Der Darmstädter Chemie- und Pharmakonzern Merck KGaA schoss mit der fast 17 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Sigma-Aldrich am Montag den Vogel ab. Das könnte der größte Zukauf eines deutschen Unternehmens 2014 überhaupt werden. Doch auch für den Autozulieferer ZF Friedrichshafen, der mehr als zwölf Milliarden Dollar für den US-Rivalen TRW ausgibt, den 7,5 Milliarden schweren Zukauf von Dresser-Rand durch Siemens und die Übernahme des Softwarespezialisten Concur durch SAP (7,3 Milliarden Dollar) reicht es bislang zu einem Platz unter den größten sechs Firmenkäufen mit deutscher Beteiligung.

Waren in den vergangenen Jahren noch deutsche Unternehmen beliebte Übernahmeziele für US-Firmen, hat sich dieser Trend gedreht. 64,5 Milliarden Dollar haben deutsche Käufer in diesem Jahr nach Thomson-Reuters-Daten für 51 US-Zukäufe ausgegeben – 2013 waren es bis Ende September gerade einmal 2,8 Milliarden. Insgesamt hat sich das Volumen der deutschen Firmenkäufe im Ausland damit mehr als versiebenfacht: auf 91,5 Milliarden Dollar. Deutsche Konzerne seien heute besser vorbereitet als noch vor einigen Jahren, um im Ausland zuzukaufen, sagt Jens Maurer, Chef-Fusionsberater bei Morgan Stanley in Deutschland und Österreich. „Sie sind heute meistens in diesen Märkten bereits unterwegs, und in vielen Fällen spiegelt die Besetzung der Vorstände die internationale Aufstellung wider.“

An Übernahmen gebastelt haben deutsche Unternehmen zum Teil schon seit Jahren. Dass sie es nun wagen, „Traum-Ziele“ anzugehen, wie Siemens mit Dresser-Rand, liege am Rückenwind von den Kapitalmärkten, sagt Wolfgang Fink, Leiter des Investmentbankings von Goldman Sachs in Deutschland und in Österreich. „Die eigenen Bewertungen sind attraktiv, die Verfügbarkeit von Kapital- an den Aktien- und Schuldenmärkten sind besser als zuvor, und die Vorstände sind zuversichtlich.“ Angesichts der niedrigen Zinsen sei das Risiko weit geringer, sich mit Übernahmen finanziell zu übernahmen.

Dass so viele dieser Transaktionen ausgerechnet jetzt vonstatten gehen, sei eher Zufall, meint Morgan-Stanley-Banker Maurer. Dass die Übernahmeziele alle aus den Vereinigten Staaten kommen, sei aber logisch: US-Unternehmen passten strategisch am besten zu ihren europäischen Konkurrenten. Es gehe darum, die Präsenz in einer der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt zu stärken, und um den Zukauf von Technologie.

Dazu kommt, dass die Wirtschaft in den USA stärker wächst als in Europa, wo die Konjunktur stagniert. JPMorgan-Banker Albersmeier spricht in diesem Zusammenhang gar von einer „Re-Industrialisierung“ der USA, die von günstigen Energiepreisen etwa durch den Schiefergas-Boom getrieben sei. Mit dem Kauf von Dresser-Rand versucht der Münchener Industrieriese Siemens doppelt davon zu profitieren: Die Amerikaner produzieren die Ausrüstung für die Exploration von Öl und Gas. Zudem ist laut Investmentbankern die Gefahr in USA geringer, dass Übernahmen blockiert würden. Dresser-Rand etwa braucht nur die Zustimmung einer einfachen Mehrheit seiner Anteilseigner, dann müssen alle anderen ihre Aktien an Siemens abgeben.

Maurers Arbeitgeber Morgan Stanley hat sowohl bei Sigma-Aldrich als auch bei Dresser-Rand mitgemischt. Das bringt der US-Investmentbank nun die führende Position im Fusionsberatungsgeschäft in Deutschland in diesem Jahr, noch vor der Deutsche Bank, die unter anderem ZF, SAP und Siemens bei den jüngsten Übernahmen beraten hat. Dass es in dem Tempo weitergeht wie im September, glaubt Maurers Kollege Albersmeier aber nicht: „In Deutschland wird sicher nicht so viel nachfolgen.“ Nun seien auch Käufer aus anderen europäischen Ländern an der Reihe.

Kommentare

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  1. Schmidt sagt:

    Zitat: Man sollte sich anschauen, daß zahlreiche Länder seit Jahrzehnten den Exportüberschuß von DEUTSCH einfach streichen. Bei den USA wären das ausstehende 2,5 Billionen Dollar. Außerdem gibt DEUTSCH für die Besatzungsmächte und deren Forderungen etwa die Summe des Militärhaushaltes von Rußland (ca.48 Milliarden)für deren Rüstungsanstrengungen aus.

  2. Kulleraugen sagt:

    da ja die Abkommen geschlossen werden wird der Mindestlohn gehörig Unter Druck kommen in Deutschland TISA TTIP und Ceta werden diesen Unterminieren den in den USA gibt es ja keine erungenschaften im Sozial bereich deshalb sind die Löhne auch 50 % NIedriger dazu kommt es gibt dort die 7 Tage Woche und keinen Gesetzlichen Urlaub was glaubt mann wie Lange der Arbeiter diesem Druck widerstehen kann Produziert wird dann dort Drüben zu unseren Schaden den die EU Konkurrenz wird damit auch Ausgeschaltet auf Wunsch der USA

  3. Rudolf Steinmetz sagt:

    Bitte Subventionen komplett zurückzahlen!

  4. Toddi sagt:

    Bitte um Deutung Deutsche Unternehmen ?
    Bei den oben gen. Unternehmen handelt es sich doch um internationale Konzerne mit einem vielleicht BRD Ursprung. Die Unternehmen sind die Exportmeister und wollen letztlich Ihre Dollar Überschußgewinne generieren (Geld welches an der BRD Versteuerung vorbeigeführt wurde) warum dieses nicht auch im Ausland investieren?
    Da ist es doch nicht verwunderlich, daß die Firmen sich dort am wohlsten fühlen wo Sie den höchsten Profit und die günstigsten Arbeiter haben.

    Gruß Toddi