Produktion der Metallwarenindustrie in Österreich in Gefahr

Die Branche der Maschinen- und Metallwarenindustrie in Österreich läuft Gefahr, als Produktionsstandort an Bedeutung zu verlieren. Produktion und Aufträge gehen zurück. Maschinenbauer fordern Reformen von der Regierung und Kompromisse von den Sozialpartnern.

Für die Maschinen- und Metallwarenindustrie (MMI) war 2014 bisher kein gutes Jahr. Die Krise ist endgültig in der Branche angekommen, mit roten Zahlen bei Produktion, Auftragseingängen und Exporten. Erstmals wird nun auch deutlich, wovor die Branchenvertretung der MMI seit langem warnt: Der traditionell hohe Beschäftigungsstand geht unter diesen Bedingungen und angesichts ständig steigender Arbeitskosten erstmals seit Jahren zurück.

Schon in den letzten Jahren berichteten viele Unternehmen der MMI von einer schlechten Auftragslage und rückläufigen Auftragseingängen. „Die Krise hat auch die österreichische MMI – über Jahrzehnte Schlüsselindustrie und verlässlicher Jobmotor am Standort Österreich – endgültig erreicht, so der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie in einer Aussendung.

Der veröffentlichten Sonderauswertung Industrie zu den Konjunkturdaten der Statistik Austria zufolge gab es für die ersten fünf Monate 2014 sowohl bei der abgesetzten Produktion als auch bei den Auftragseingängen ein Minus von je 2,1 Prozent. Inflationsbereinigt heißt das -3,71 Prozent bzw. -3,70 Prozent. Auch die Exporte sind rückläufig. Die nominellen -0,4 Prozent bedeuten unter Einbeziehung der Inflationsrate einen realen Rückgang von -2,0 Prozent.

Auch die WIFO-Konjunkturprognose macht wenig Hoffnung auf eine Trendwende. Das ist bei weitem nicht nur auf das Ende des „Sotschi-Effekts“ zurückzuführen. Auch der Russland-Ukraine-Konflikt hat noch nicht voll durchgeschlagen, dieser Schock steht den Betrieben erst bevor. „Wir haben ein strukturelles Problem. De facto rutscht Europa gerade in eine Rezession, auch Deutschland meldet für das erste Halbjahr -1 Prozent an Auslandsaufträgen und -3,1 Prozent Exporte“, nennt FMMI-Obmann Christian Knill eine Ursache der Abwärtsentwicklung. „Unsere Branche ist zu fast 90 Prozent vom Export abhängig, wir produzieren für Märkte in Europa und zunehmend auf anderen Kontinenten. Sind diese in der Krise, schlägt das voll auf uns durch. Außerdem produzieren wir im internationalen Vergleich mittlerweile schlicht zu teuer.“

Die Beschäftigung ist auch in der MMI um -1,7 Prozent gesunken und liegt wieder unter 120.000. Für den FMMI-Obmann angesichts der stetig wachsenden Arbeitslosigkeit in Österreich ein echtes Alarmzeichen. Die Entwicklung führt er auf eine Reihe von Schwächen des Produktionsstandorts Österreich zurück, die nur mit einer gemeinsamen Anstrengung der Sozialpartner und der Regierung behoben werden können. Der Anstieg der Arbeitskosten – seit 2008 um über 12 Prozent – sei jedenfalls eine der größten Baustellen. „Unsere Betriebe wollen ja mehr Leute beschäftigen, uns geht es nicht darum, Menschen einzusparen. Im Gegenteil: Nur mit guten und motivierten Leuten können wir in unserer Branche unseren Know-how-Vorsprung wieder ausbauen und immer neue Nischen erobern. Offenbar hat der Abwärtstrend in der Konjunktur jetzt schon zu lange angehalten, den Unternehmen geht die Luft aus.“

„Die österreichischen Industriebetriebe kämpfen im internationalen Vergleich mit sehr hohen Kosten, und die Tendenz ist weiter steigend“, erklärt Stefan Ehrlich-Adám, CEO bei EVVA Sicherheitssysteme mit Sitz in Wien. Der Vergleich mit anderen EVVA-Niederlassungen in Europa zeige, dass Österreich aufgrund des überbordenden Bürokratieaufwands, hoher Betriebskosten und Abgaben sowie den hohen Lohnkosten ständig an Wettbewerbsfähigkeit verliere. Mit den am schnellsten wachsenden Arbeitskosten im Euroraum und unverhältnismäßig hohen Lohnstückkosten im Vergleich zu jenen der Mitbewerber können österreichische Betriebe oft nicht mehr mithalten. Mit jeder Lohn- oder Gehaltserhöhung steigen auch die Lohnnebenkosten für die Unternehmen. „Unsere Branche hat eine sehr hohe Lohntangente, das heißt, es trifft unsere Betriebe mehr als andere. Gleichzeitig sinken auch die Preise für unsere Produkte. Die Unternehmen zahlen also mehr, verdienen aber weniger“, so Knill. Das in Kombination mit Auftragsrückgängen und wachsendem Akquiseaufwand gehe den Betrieben an die Substanz.

Wolfgang Knöller, Geschäftsführer des Automobilzulieferers STS Formtechnik in Voitsberg, warnt insbesondere davor, dass der Produktionsstandort Österreich im Vergleich zu Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verliert. „Bis vor einigen Jahren war Österreich weit besser aufgestellt, heute ist die Produktion hier sogar teurer als in Deutschland. Für uns als KMU, das bisher stark nach Deutschland exportiert hat, heißt das, dass wir uns extrem schwer tun, die Arbeitsplätze in unserem Betrieb zu sichern.

Auf der Baustelle Flexibilisierung konnte der FMMI mit den Gewerkschaften noch keine Lösung für die zunehmenden Auftragsschwankungen und schrumpfenden Bearbeitungszeiten für Aufträge ausverhandeln. Dazu FMMI-Obmann Knill: „Unsere Branche kämpft immer stärker damit. Die KV-Regelungen ignorieren den Bedarf aber nach wie vor, wir brauchen endlich Lösungen.“

Hinzu kommt, dass die internationalen Mitbewerber auch in Sachen Qualität und Know-how aufholen und zunehmend über gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen. Österreich muss also dringend agieren, will es als Produktionsstandort weiter eine Rolle spielen. „Unsere Branche investiert massiv in die Aus- und Weiterbildung ihrer Beschäftigten. Leider lässt die Qualität der schulischen und universitären Ausbildung in Österreich merklich nach. Diese Aufgabe übernehmen die Unternehmen auch bereits, weil wir sonst zu wenig gutes Personal in Österreich finden“, so Stefan Ehrlich-Adám.

 

 

Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar zum Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.