MAN überdenkt Gewinn-Ziele wegen Ukraine-Krise

Die Lkw-Sparte kassiert Geschäftsziele wegen der unsicheren Lage in der Ukraine und auf dem russischen Absatzmarkt. Das Jahresziel ist in Gefahr. Die Nachfrage nach schweren Lastwagen ist im August bereits deutlich gesunken. Die schärferen Abgasnormen machen MAN zusätzlich zu schaffen.

MAN stellt wegen der Ukraine-Krise seine Jahresziele auf den Prüfstand. Ob die Prognose für das laufende Jahr zu halten sei, werde sich in den nächsten Monaten zeigen, sagte ein Sprecher des zu Volkswagen gehörenden Lastwagen- und Maschinenbauers aus München am Freitag. „Der Ausblick der MAN-Gruppe wird sich voraussichtlich nicht gravierend ändern“, schränkte er ein. Das Management werde sich bei der Bekanntgabe der Zahlen für das dritte Quartal am 28. Oktober zur aktuellen Lage äußern. Bisher rechnete der Konzern mit einem operativen Gewinn deutlich über Vorjahr, obwohl der Umsatz spürbar sinken dürfte.

MAN bestätigte einen Bericht der Börsen-Zeitung, dass die Sparte Truck & Bus ihre Jahresprognose bereits kassiert habe. Statt eines operativen Ergebnisses spürbar über dem des Vorjahres erwarte man nun eines erheblich darunter. Das Unternehmen begründete dies mit dem eingetrübten Geschäft in Russland. Aufgrund der Wirtschaftssanktionen wegen der Ukraine-Krise erwartet MAN in Russland einen Rückgang des Marktes für westliche Lkw-Hersteller um bis zu 25 Prozent. Für Europa geht die VW-Tochter von einem Rückgang um zehn bis 15 Prozent aus. MAN macht drei Viertel seines Geschäfts in Europa.

Im August schrumpfte nach Daten des europäischen Herstellerverbandes ACEA die Nachfrage nach schweren Lastwagen über 16 Tonnen in der EU um sechs Prozent auf rund 13.000 Fahrzeuge. Während in Deutschland und Italien etwas mehr Laster auf die Straßen kamen, schrumpften die Neuzulassungen in Frankreich (minus 16,4%) und Großbritannien (minus 23,5%) stark. Gefragt waren dagegen Stadtlieferwagen und Transporter. Insgesamt kamen im vergangenen Monat in den EU-Staaten und den drei Efta-Ländern Schweiz, Norwegen und Island knapp sechs Prozent mehr Nutzfahrzeuge auf die Straßen.

Auch andere Lkw-Hersteller sind angesichts der Krisen und Konflikte in vielen Teilen der Welt inzwischen weniger optimistisch. „Wir können nicht mit Rückenwind von den Märkten rechnen“, hatte Wolfgang Bernhard, Chef der Lkw-Sparte von Daimler, in dieser Woche auf der Nutzfahrzeugmesse IAA in Hannover gesagt. An ihren Geschäftszielen halten die Stuttgarter jedoch fest, weil die Nachfrage in den USA und Japan stark ist. Diesen Ausgleich hat MAN nicht.

Als Grund für die schwache Lkw-Nachfrage führte MAN auch Vorzieheffekte wegen der Verschärfung der Abgasvorschriften in Europa an. Wegen der ab Anfang 2014 geltenden Euro 6-Abgasnorm hatten sich viele Spediteure im vergangenen Herbst noch mit günstigeren Modellen eingedeckt. Entsprechend geringer sei die Nachfrage nun. Der Wettbewerb habe sich inzwischen verschärft, sagte der Sprecher.

MAN hatte seine Geschäftsziele bereits im Sommer zurückgeschraubt, weil das Geschäft in Südamerika schlecht läuft. Damals hatte das Management die Lage in Europa noch optimistisch eingeschätzt. Seine Hoffnung setzt MAN nun darauf, dass die Kraftwerksparte den Dämpfer im Lkw-Geschäft wettmachen kann.

 

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