Roboterbauer Kuka will Logistikfirma Swisslog kaufen

Der Augsburger Roboterbauer Kuka übernimmt die Schweizer Logistikfirma Swisslog. Kuka will dadurch unabhängiger von den Konjunkturschwankungen in der Autoindustrie werden. Nach der Übernahme kann Kuka außer den Fertigungsstraßen für Autohersteller auch Bediengeräte für Paletten- oder Hochregallager, Rohrpostsysteme für Krankenhäuser zum Transport von Medikamenten und andere Produkte anbieten.

Der Roboter- und Anlagenbauer Kuka will sich mit einem Zukauf in der Schweiz die lang ersehnte größere Unabhängigkeit von der Autobranche erkaufen. Die Augsburger kündigten an, die auf die Automatisierung von Krankenhausapotheken oder Warenlagern spezialisierte Logistikfirma Swisslog aus der Nähe von Zürich für rund 280 Millionen Euro übernehmen zu wollen. „Zusammen bilden wir einen global agierenden Komplettanbieter im Bereich der Automation“, sagte Kuka-Chef Till Reuter am Freitag in Zürich. Dies mache weniger anfällig für Schwankungen. Widerstand der Anteilseigner gegen die Übernahme ist kaum zu erwarten – die Großaktionäre von Kuka und Swisslog sind dieselben, nämlich die Familienunternehmer Grenzebach aus Bayern und Loh aus Hessen.

„Die Idee kam von Kuka und von mir“, betonte Vorstandschef Reuter. Durch die Übernahme werde der Anteil des Geschäfts außerhalb der konjunkturabhängigen Autobranche von jetzt rund 30 Prozent auf 50 Prozent steigen. Kuka stellt Produktionsroboter und ganze Fertigungsstraßen für die Fahrzeugproduktion her. Zu den großen Kunden zählen Hersteller wie VW, Daimler oder BMW. Das Augsburger Unternehmen kämpft seit Jahren darum, die Abhängigkeit von der Autobranche zu senken. Mehrere Chefs sind daran gescheitert – auch unter Zutun von Großaktionären.

Swisslog bietet Bediengeräte für Paletten- oder Hochregallager, Rohrpostsysteme für Krankenhäuser zum Transport von Medikamenten, Laborproben oder Blutkonserven, aber auch fahrerlose Containertransporte für Wäsche oder Essen sowie Automatisierung für Lager- und Verteilzentren von gekühlten und tiefgekühlten Nahrungsmitteln. Die niedrigen Margen speziell im Handel schrecken Reuter nicht. „Kostendruck ist der Treiber für Automatisierung.“ Die Marke und der Sitz der Schweizer Firma blieben erhalten, sagte er weiter. Durch die Übernahme ließen sich allein bei Swisslog mehr als zehn Millionen Franken sparen, etwa beim Einkauf. Synergien gebe es beim Vertrieb in China und den USA.

Reuter schloss einen Personalabbau in der Verwaltung indes nicht aus. Swisslog hat nach eigenen Angaben rund 2.300 Mitarbeiter, Kuka beschäftigt etwa 8.000 Menschen weltweit.

Kuka bietet pro Swisslog-Aktie 1,35 Schweizer Franken und will zur Finanzierung das Eigenkapital erhöhen und auf eigene Kassenbestände und Fremdkapital zurückgreifen. Die Augsburger wollen zwei Drittel der Anteile übernehmen. Der Verwaltungsrat von Swisslog empfiehlt die Annahme. Es sei „eine gute Heirat“, sagte Präsident Hans Ziegler. „Auch der Preis stimmt für die Aktionäre.“ Beide Großaktionäre haben ihr Placet gegeben.

Der Maschinenbauer Grenzebach, der 2012 bei Swisslog eingestiegen und 2013 kräftig aufgesattelt hatte, hält rund 25 Prozent der Anteile. Kurz vor der Aufstockung bei den Schweizern hatten die Schwaben ihren Anteil an Kuka auf knapp 20 Prozent reduziert. Grenzebach ist bei Kuka seit Ende 2008 an Bord; in den Anfangsjahren war auch der heutige Vorstandschef Reuter über ein Finanzvehikel beteiligt. Grenzebach-Chef Bernd Minnig ist Aufsichtsratsvorsitzender von Kuka und sitzt im Swisslog-Verwaltungsrat. Der hessische Unternehmer Friedhelm Loh war 2013 bei Swisslog eingestiegen und stockte im Herbst 2014 auf mehr als 15 Prozent der Anteile auf. Bei Kuka sicherte er sich im Verlauf dieses Jahres in mehreren Schritten Aktien, über die Firma Swoctem besitzt er rund 10 Prozent.

Kommentare

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  1. Werner sagt:

    „…Rohrpostsysteme für Krankenhäuser,,,“

    Das ist ja Technik der 1920-er Jahre !
    Sowas gibt’s heute noch ??
    Wie im Museum !!

    mfg. Werner

    • wolf sagt:

      Naja, ich glaube die bauen das in Verbingung mit Medikamentenlager und so. Per Knopfdruck kommt das gewünschte Medikament raus…. oder Blutproben werden ans andere Ende des Gebäudes geschickt.
      Viel schneller gehts kaum.