Fernbusse halten Bahn von Preis-Erhöhung ab

Die Deutsche Bahn kann es sich nicht leisten, die Preise in diesem Jahr signifikant zu erhöhen. Grund ist die starke Konkurrenz durch die Fernbusse. Die Preise für ICE und IC-Tickets der zweiten Klasse bleiben bestehen. Nur erhebt die Bahn erstmals eine Gebühr auf Karten- und Paypal-Zahlung.

Die wachsende Konkurrenz der Fernbusse zwingt die Deutsche Bahn zu einem weitgehenden Verzicht auf die sonst üblichen Preis-Erhöhungen. So müssen Bahn-Reisende in ICE und IC 2015 für das Ticket in der zweiten Klasse nicht mehr zahlen, wie der Staatskonzern am Montag in Berlin mitteilte. Gleiches gilt für alle BahnCards. In der ersten Klasse steigen die Preise zum Fahrplanwechsel ab 14. Dezember zwar um durchschnittlich 2,9 Prozent, dafür ist die Sitzplatz-Reservierung und die Internet-Nutzung (WLAN) dann umsonst. „Es geht darum, gerade in Zeiten harter Konkurrenz durch andere Verkehrsträger unseren Fahrgästen entgegenzukommen und sie an uns zu binden“, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg.

Um 1,9 Prozent teurer wird es hingegen im Nahverkehr bei Regionalzügen, was aber nicht für Verkehrsverbünde gilt, die ein eigenes Tarifsystem haben.

Die Bahn hatte zunächst gelassen auf die Freigabe des Fernbusmarktes reagiert, der bis 2012 zum Schutz des Schienenverkehrs stark eingeschränkt war. Inzwischen hat das Unternehmen eingeräumt, die stürmische Entwicklung mit zahlreichen neuen Bus-Unternehmen mit der Marktfreigabe 2013 unterschätzt zu haben. In diesem Jahr wird damit gerechnet, dass die Konkurrenz die Bahn mindestens 50 Millionen Euro kostet. Zudem ließen die vergleichsweise billigen Bus-Tickets das Bahnfahren teuer erscheinen und schrecken Kunden ab.

Gerade der Fernverkehr hatte in den vergangenen Jahren kräftig Passagiere gewonnen und so auch die Gewinne gesteigert. Diese Entwicklung ist seit 2013 zum Erliegen gekommen. Der Orkan in Nordrhein-Westfalen im Frühjahr und selbst das Hochwasser im Jahr 2013 mit der Schließung der wichtige Trasse Berlin-Hannover wirken sich dabei aus. Die Bahn hatte daher schon für 2014 auf vielen Strecken die Preise nicht erhöht, um verlorene Kunden wieder zu gewinnen.

Die Nullrunde in der zweiten Klasse des Fernverkehrs hat jedoch eine Einschränkung: Zahlungen per Kreditkarte und mit dem Online-System Paypal kosten ab 4. November für innerdeutsche Fernverkehrstickets und die Bahncards eine Gebühr. Diese soll ab einem Betrag von 50 Euro fällig werden und maximal ein Prozent des Kaufpreises oder höchstens drei Euro betragen. Zahlungen per Lastschrift, in Bar oder mit EC-Karte in Reisezentren sind davon nicht betroffen. Zudem entfällt generell die Service-Gebühr von fünf Euro bei Käufen im Reisezentrum oder per Telefon, die bisher die Order über Internet attraktiver gemacht hatte.

Der Kundenverband Pro Bahn lobte den Verzicht auf Preiserhöhungen in der zweite Klasse und auch den Wegfall der Service-Gebühr: „Das ist genau richtig, das begrüßen wir sehr“, sagte Pro-Bahn-Sprecher Klaus-Peter Naumann. Den Erhöhungen in der ersten Klasse stünde, Mehrwert durch die Internet-Nutzung und die Sitzplatzreservierung gegenüber. Die Kartengebühren passten dagegen nicht in das positive Bild.

Bahn-Vorstand Homburg verwies darauf, dass das Unternehmen im Zuge der Ökostrom-Reform höhere Abgaben zahlen müsse, jetzt aber darauf verzichte, dies an die Kunden weiterzugeben. Das Unternehmen hatte die Energiekosten des größten Strom-Verbraucher Deutschlands wiederholt als Grund für steigende Preise genannt.

Konzernunterlagen zufolge belastet die Abgabe für Erneuerbare Energien die Bahn zwar in der Tat. Dies werde aber durch die stark gesunkenen Großhandelspreise für Strom mehr als ausgeglichen, zeigen die Papiere, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Unter dem Strich wird demnach ein positiver Effekt zwischen 2014 und 2017 erwartet.

Kommentare

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  1. bahngestresster sagt:

    endlich erhält die bahn einmal den wettbewerb, den sie schon lange nötig hatte.

    als nächstes benötigen wir echten wettbewerb gegen die GEZ, damit auch die arroganz von ard und zdf ein ende hat.

    man könnte noch auf so einige ideen kommen…

  2. Drudenfuß sagt:

    „Zahlungen per Kreditkarte und mit dem Online-System Paypal kosten ab 4. November für innerdeutsche Fernverkehrstickets und die Bahncards eine Gebühr.“

    Das ist eine sehr gute Entscheidung. Sowohl die Kreditkartenunternehmen, als auch PayPal sind amerikanische Firmen, die bekanntermaßen ihre Daten an NSA & Co. weitergeben; sowie das Bargeld abschaffen wollen.

    Bargeld ist Freiheit, das hat die Bahn wohl erkannt. Es geht niemanden etwas an, und schon gar nicht die Amis, wer, wie oft und wohin mit der Bahn fährt.