Deutsche Firmen halten Investitionen zurück

Das Institut der deutschen Wirtschaft belegt eine Schwäche bei der Anschaffung neuer Maschinen und Geräte. Grund dafür seien die Verunsicherungen aufgrund der Krisen in der Ukraine, im arabischen Raum und der schwachen Konjunktur im Euroraum.

Die Unternehmen in Deutschland knausern angesichts wachsender Konjunkturrisiken mit Investitionen. „Eine anhaltende Schwäche ist vor allem bei der Anschaffung neuer Maschinen und Geräte zu beobachten„, erklärten die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) am Montag. Für diese Ausrüstungsinvestitionen erwarten Experten 2014 nur ein Plus von rund 3,75 Prozent und auch für nächstes Jahr lediglich ein Anziehen um drei Prozent. Noch im Frühjahr hatte das arbeitgebernahe Institut hier deutlich mehr Ausgaben der Unternehmen veranschlagt. Grund für die zunehmende Unsicherheit seien die schwächere Erholung der Wirtschaft in Europa und weltweit sowie die Krisen in der Ukraine und im arabischen Raum.

„Das gegenwärtige wirtschaftliche und politische Umfeld trägt keinen anhaltenden und breiten Aufschwung“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Die Wachstumsaussichten hätten sich merklich eingetrübt. Die Fachleute senkten ihre Prognose für dieses und kommendes Jahr jeweils um fast einen halben Prozentpunkt.

Nicht nur die Investitionen sind rückläufig. Einige Firmen gehen noch einen Schritt weiter und planen Sparmaßnahmen. Henkel will Geschäftseinbußen durch die Ukraine-Krise mit Kostensenkungen begegnen. „Wenn der Umsatz nicht so wächst wie geplant, muss man eben die Ausgaben anders steuern“, sagte Henkel-Chef Kasper Rorsted dem Magazin Wirtschaftswoche. Dazu stünden alle Kosten auf dem Prüfstand, „vom Einkauf über Reise- und Werbekosten bis hin zu Ausgaben für externe Beratung“. Ein Stellenabbau sei aber nicht geplant: „Es gibt keine Abbauprogramme, eben weil wir uns frühzeitig auf die Veränderungen eingestellt haben“, sagte Rorsted. Auch würden die langfristigen Investitionen nicht gekürzt. „Wir werden in diesem Jahr zwischen 500 und 550 Millionen Euro in Standorte und Infrastruktur investieren. Das ist so viel wie in keinem der anderen sechs Jahre, in denen ich die Verantwortung bei Henkel habe“, sagte Rorsted.

Dem stark in Osteuropa aktiven Konsumgüterkonzern drohen wegen der Ukraine-Krise deutliche Einbußen. Henkel ist seit über 20 Jahren in Russland vertreten. „Seitdem erleben wir dort die vierte Krise. Mit dem Risiko müssen wir kalkulieren“, sagte Rorsted dem Magazin. Das Land ist für den Hersteller von Pritt und Persil weltweit der viertgrößte Markt. Rorsted bekräftigte die Ziele des Konzerns für das laufende Jahr, beim Umsatz aus eigener Kraft um drei bis fünf Prozent zu wachsen und die Gewinnmarge leicht auf 15,5 Prozent zu steigern.

Kommentare

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  1. holyowly sagt:

    Meine Güte, die deutsche Industrie ist froh endlich einen Sündenbock für ihre missliche Lage gefunden zu haben.
    Die Aussichten sind schon lange schlecht. Die Ursache der jetzigen Krisen liegt aber in Europa und der Eurozone bzw. dem Euro. Es hat nur nicht ins politisch erwünscht Bild gepasst, das auch öffentlich zu sagen.
    Nun aber muss man die Zahlen nicht mehr biegen bis zur unverbrämten Lüge. Endlich…….kann man das eigene Versagen Dritten in die Schuhe schieben. Die deutsche ‚Wirtschaft‘ und vermutlich noch mehr die deutsche ‚Politik‘ dürften ja nahezu befreit sein.