Strukturwandel: Zeitungs-Branche findet kein Online-Geschäftsmodell

Zeitungsverlage mussten seit der Jahrtausendwende insgesamt etwa ein Drittel ihrer Auflage einbüßen. Die Werbeeinnahmen sind stark rückläufig. Ohne eine passende Online-Strategie fällt es Verlegern schwer, zu überleben. Auch etablierte Printmedien kommen nicht ohne Stellenabbau aus. Dabei leidet die Qualität der Berichterstattung.

Schwindende Umsätze und sinkende Auflagen, weniger Werbung und neue Konkurrenz im Internet. Die deutschen Zeitungsmacher suchen nach Konzepten für die Zukunft – und die Aussichten sind nicht rosig. Zudem drängt die Zeit, denn Google & Co attackieren an allen Fronten. „Deutschland ist der größte Zeitungsmarkt Europas und der fünftgrößte der Welt“, betont zwar der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Helmut Heinen, und will beim Zeitungskongress 2014 in Berlin Stärke demonstrieren. Doch die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Auflage liegt derzeit bei knapp 22 Millionen Exemplaren, im Jahr 2000 waren es jedoch knapp 31 Millionen.

Zudem bröckeln die Werbeeinnahmen. Früher machten die Verlage rund zwei Drittel der Umsätze mit Werbung und nur ein Drittel mit dem Verkauf der Tagespresse. Im Jahr 2013 lagen die Vertriebseinnahmen das fünfte Mal in Folge höher als die Einnahmen aus Anzeigen und Werbung – Tendenz steigend.

Chancen und Risiken birgt das Internet, wo die Verlage um die Aufmerksamkeit der Leser und User buhlen. Die entscheidende Frage dabei lautet: Wie kann man die Nutzer im Netz zur Kasse bitten? Ausgerechnet im Internet, wo sich eine Kostenlos-Kultur verankert hat. Die größte Herausforderung der Verlage ist es nun, eine – für das finanzielle Überleben so wichtige – Bezahlkultur zu etablieren. Als Vorreiter gilt der Axel-Springer -Verlag, der für Welt und Bild Angebote für sogenannten „paid content“ im Internet umsetzt. Viele Häuser zögern aber. „Was fehlt, sind noch die nachhaltigen Geschäftsmodelle, um guten, professionellen Journalismus auch in Zukunft zuverlässig zu finanzieren“, räumt Heinen ein.

Springer hat bereits einen Großteil seines traditionellen Printgeschäfts (Hörzu, Hamburger Abendblatt) für 920 Millionen Euro an die Funke-Gruppe verkauft und geht mit den Erlösen auf Einkaufstour – vor allem international. Das Digitalgeschäft trug zuletzt mehr als die Hälfte zum Umsatz und rund zwei Drittel zum Gewinn bei. Der Schritt ins Ausland ist für kleinere Verlage aber kaum zu stemmen. Einige experimentieren mit dem Einstieg in den Reise-Markt oder mit Bildungsangeboten. Die Gruppe Nordwest Medien (Nordwest-Zeitung) aus Oldenburg sucht ihr Heil aber Beteiligungen bei Radios oder zuletzt verstärkt bei Start-ups im Digital-Bereich.

Die Konkurrenz für Zeitungen wächst stetig. „Facebook, Google, eBay und Twitter. Alle nagen sie an unserem Topf“, klagt Alfred Neven DuMont, Aufsichtsratschef von der Mediengruppe M. DuMont Schauberg (Kölner Stadt-Anzeiger, Berliner Zeitung).

Jüngst musste die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die als Flagschiff des Qualitäts-Journalismus gilt, wegen wachsender Verluste einen Stellenabbau ankündigen. Bis zu 200 der insgesamt 900 Arbeitsplätze in Verlag und Redaktion sollen wegfallen. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt die Verlage, bei den Redaktionen zu sehr den Rotstift anzusetzen und mit massiven Einsparungen Qualität und journalistische Kompetenz aufs Spiel zu setzen. Wichtig sei zunehmend, dass die Verlage auf Analysen, Kommentare und Einordnungen setzten. „Wenn sich Zeitungen und Zeitschriften dieser Stärke bewusst sind und wenn sie diese Stärke auch pflegen, werden sie trotz Internet immer noch ihre Leser finden“, sagt Merkel auf dem Kongress.

Springer-Chef Mathias Döpfner gibt zwar zu, dass Wachstum mit dem klassischen Zeitungsgeschäft schwierig werde. Döpfner sieht aber noch „viel länger, als manche Skeptiker jetzt glauben, ein gutes profitables Geschäft“. Entscheidend sei, ob es künftig gelinge, den Zeitungsjournalismus vom analogen zum elektronischen Papier zu emanzipieren. „Das ist eigentlich die große, die fast historische, weit über den Tag und über das Jahr hinausreichende Aufgabe aller Verleger und anderer Journalisten auf dieser Welt.“ Denn Online-Journalismus könne besser, intelligenter und schneller sein, betont Döpfner. Zudem gebe es keine Papier-, Druck- und Vertriebskosten.

Die Branche sieht sich in puncto Meinungsbildung als „systemrelevant“ und pocht auf besondere Rückendeckung von der Politik. Beim Mindestlohn will Merkel aber keine weiteren Ausnahmen für die Verlage zulassen. Allerdings will sich die Kanzlerin auf EU-Ebene für den reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf digitale Presseprodukte wie E-Books und E-Paper einsetzen. Mut macht Merkel der Branche, die wachsende Zahl der Online-Leser mit Qualität wie bei „der klassisch gedruckten Zeitung“ zu ködern. „Dann wird es auch die Bereitschaft geben, dafür etwas zu bezahlen.“

Kommentare

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  1. Tanja sagt:

    Niveauloser Muell lässt sich nun mal nicht verkaufen. Gut, dass diese Schreiberlinge bald Hartz IV beantragen muessen. Dann haben sie Zeit über ihr eigenes Versagen nachzudenken.

    • Toddi sagt:

      Liebe Tanja,
      es gibt eine Menge guter Journalisten, diese dürfen aber nicht investigativen Journalismus betreiben, da es deren Jobverlust nach sich zieht.

      Von daher ist es etwas unfair die Journalisten dafür verantwortlich zu machen. Diese sind leider (wie es auch viel Berufsjournalisten erst nach dem Studium im Berufsleben feststellen) nicht frei in Ihrer Berichterstattung.

      Die Medien in der BRD gehören letztlich nur 7 Familien und diese lassen nur das schreiben, was diese Kapitaleigner zulassen.
      Pressefreiheit gibt es nur für z.B. Kai Diekmann (Axel Springer Verlag)
      der kann sagen was er möchte, aber keine freie Presse, wo ein Journalist das schreiben darf was er meint…

      Ich zitiere John Swinton New York Times:
      „So etwas gibt es bis zum heutigen Tage nicht in der Weltgeschichte, auch nicht in Amerika: eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß das. Es gibt hier nicht einen unter Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben. Und wenn er es täte, wüsste er vorher bereits, dass sie niemals im Druck erschiene. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, dass ich meine ehrliche Meinung aus dem Blatt, mit dem ich verbunden bin, heraushalte. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Bezahlung für ähnliche Dinge, und wenn Sie so verrückt wären, Ihre ehrliche Meinung zu schreiben, würden Sie umgehend auf der Straße landen, um sich einen neuen Job zu suchen. Wenn ich mir erlaubte, meine ehrliche Meinung in einer der Papierausgaben erscheinen zu lassen, dann würde ich binnen 24 Stunden meine Beschäftigung verlieren. Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, also was soll das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind Werkzeuge und Vasallen von reichen Männern hinter der Szene. Wir sind Marionetten. Sie ziehen die Strippen, und wir tanzen an den Strippen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.“
      Gruß der Toddi

  2. Toddi sagt:

    Wie sagte Arthur Schopenhauer über die Schriftstellerei:

    „Flüchtiger, nachlässiger, schlechter Stil bezeugt eine beleidigende Geringschätzung des Lesers, welcher dann dieser, mit Recht, durch Nichtlesen straft“

    Es ist schön, das die noch lesende Bevölkerung endlich durch Kaufverweigerung der Medienindustrie in der BRD zeigt das die aktuelle Berichterstattung und Inhalte nicht so gelesen werden möchte.
    Vielleicht sollten die kapitalgesellschaftsgesteuerten Medien wieder investigativen Journalismus betreiben…so wie die Mittelstands Nachrichten. Aber das ist dank der Medienbesitzer und der Politik nicht gewünscht und widersprich auch dem herrschenden System.
    So geschieht es den Medienkapitalgesellschaften recht und das noch nicht ganz so manipulierte Internet wird zur künftigen Lesequelle.

    wie immer froh gelaunt
    der Toddi

  3. Schmidt sagt:

    Na da müssen weitere „Staatsverträge“ her. Wie sollen denn die sehr guten Einkünfte der amerikanisch gesteuerten Massenmedien sonst gesichert werden?

  4. J. Mueller sagt:

    Gibt es das Geschaeftsmodell nicht schon laengst?
    Es gibt die GEZ (oder so) fuer einen zentralen Gebuehreneinzug.
    Es gibt zahlreiche Webdienste, die Zugriffsstatistiken auf Webseiten fuehren.
    Es gibt die Modelle GEMA und VGWort, ueber die Gebuehren verteilt werden.

    Kann man das nicht einfach aufbohren und zurechtfeilen?
    Ueber etwas wie GEZ gehen die Gebuehren nicht mehr an die Oeffentlich-rechtlichen, sondern an einen Pool a la GEMA/VGWort.
    Dort werden Zugriffsstatistiken auf Nachrichtenartikel (idealerweise mit Verweildauer) gefuehrt und die eingenommenen Gebuehren entsprechen zugeteilt.
    Ausschuettungen erfolgen zeitnah, um die Medien liquide zu halten.

    In der Konsequenz bestuende die Moeglichkeit, dass die Medien als solche zurueckgehen und sich Journalistenpools bilden, die sich und ihre Produkte dann zur zentralen Fnanzierung anmelden.

    Ganz nach dem Motto: Wieso kann Stockholm mit Uber umgehen, Deutschland aber nicht? oder auch: Wird es nicht langsam Zeit, dass auch die Gartenzwergmentalitaet im Zeitalter der Flexibilitaet ankommt?

  5. ichweissalles sagt:

    „Jüngst musste die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die als Flagschiff des Qualitäts-Journalismus gilt, wegen wachsender Verluste einen Stellenabbau ankündigen.“

    hier hat sich ein fehler eingeschlichen – es muss heissen: galt

  6. Alfred Beer sagt:

    Wo ist das Problem ?
    Diese Medien wie Spiegel, Focus, FAZ, Die Welt, Reuters, Springer Verlag sind ja sowieso nur das Sprachrohr der sogenannten Elite.
    Bezahlt und im Besitz der Finanzkonzerne, die schreiben nur das was wir zu lesen oder hören haben. Im Moment eben gerade die Hetze gegen Putin.

    Ein Tipp für den Springer Verlag: Fragt doch wieder den Amerikanischen Nachrichtendienst, der hat Euch doch auch nach dem Krieg geholfen das Ding überhaupt zu gründen.

  7. Hba sagt:

    Berichterstattung ? – von wegen –
    geschrieben wird in den Mainstreammedien nur das von der Politik und von Industrie und anderen Mächtigen zugelassen wird.
    Die Wahrheiten bzw. die Vermutungen, Themen werden meist in unabhängien Internetforen/Medien vermittelt und das in relativ kurzer Zeit.
    Was noch hinzu kommt, Printmedien brauchen eindeutig zu lange bis ihre Berichte/Informationen an den Leser heran gereicht werden.
    Geht aber auch gar nicht anders Journalist/ChefRedakteur/Druckerei/Auslieferung all das braucht Zeit. Also wird sich der wahrheitsliebende Mensch lieber im Internet informieren.

  8. Schwarzsauer sagt:

    Wirklich traurig, daß keiner mehr die Euro-Propaganda der Bilderbergverschwörer kaufen will. Plagiaten, selbsternannte „Qualitäts“journalisten, die auch nur aus den Internetblogs abschreiben, heulen auf, und das ist auch gut so. Also sind wir auf dem richtigen Weg.
    Wer will denn schon pausenlos die Leier von ganz lieben Invasoren mit nur friedlichsten Absichten, Klimahysterie, bösen Russen und Deutschen’bashing‘ lesen.

    Bestimmt naht aber schon Hilfe in Form eines Mediengutachtens, daß eurokonforme Printmedien als systemrelevant mit in die GEZ integriert.

    Übrigens, das Diktat der Medienhoheit der Siegermächte über die deutsche Presse, die bis 2099 geht, macht das inszenierte Gekreische obsolet.

    • Flori sagt:

      Schon vor einem Jahr habe ich mein Zeitungsabo gekündigt, weil ich den „Qualitätsjournalismus“ a la Propagandamedien nicht mehr ertragen kann. Seitdem versuchen einige Tageszeitungen verzweifelt und fast wöchentlich mir ein neues Tageszeitungsabo anzubiedern, was ich jedoch dankend ablehne. Oft fragen die beauftragten Abojäger dann nach einer Begründung, die ich gerne gebe:
      „Einseitige, gleichgeschaltete Hofberichterstattung, die eine Beleidigung ist für jeden der in der Lage ist selbstständig zu denken“.

  9. Jens_De sagt:

    ‚Professioneller Journalismus‘ ?? Peter Scholl-latour und Udo Ulfkotte haben in ihren letzten Büchern diesen ‚professionellen‘ Journalsimus auf einen Punkt gebracht. Ich selbst habe auch die Abos meiner Tageszeitungen schon längst gekündigt, weil ich diese Berichterstattung nicht mehr ertragen konnte.
    Aber unsere ‚alternativlose‘ Bundeskanzlerin hat ja unseren ‚Qualitätsjournalismus‘ eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Fragt sich nur wo?

  10. Hermann Hesse sagt:

    Von welchem „Qualitätsjournalismus“ reden die da bloss?