BMW-Absatz in Russland bricht ein, Mercedes meldet Gewinn

Der Absatz des Münchener Autoherstellers BMW ist in Russland deutlich eingebrochen. Der russische Markt sei um 27 Prozent geschrumpft. Konkurrent Daimler konnte hingegen einen Gewinn vermelden. Bis 2018 will VW den Absatz dort um mehr als 60 Prozent auf rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr steigern.

Der Einbruch des Automarktes in Russland hat BMW einen Dämpfer beim Absatz eingebrockt. Durch die politische Krise um die Ukraine sei der Gesamtmarkt in Russland und der Ukraine um 27 Prozent zurückgegangen. „Wir können uns diesem Markttrend nicht entziehen“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am Donnerstag auf der Automesse in Paris. Die positive Entwicklung in Westeuropa gleiche dies aber aus. „Europa in Summe hat ganz klar ein Plus geliefert“, ergänzte er. Es gebe auch keinen Grund, die Erwartungen für das kommende Jahr zurückzuschrauben.

Die Rabattschlacht unter den Premium-Herstellern in Deutschland hat Reithofer zufolge nachgelassen. BMW habe Ende 2013 bewusst auf Verkäufe verzichtet, um das Preisniveau zu halten. Inzwischen habe sich die Lage aus Sicht der Autobauer verbessert. Die Preise seien aber nicht da, wo BMW sie gerne hätte. Auch dies habe jedoch keinen Einfluss auf die Prognose zur Geschäftsentwicklung.

Der Münchner Hersteller baute 2013 gemeinsam mit seinem russischen Partner Avtotor im Montagewerk (CKD) in Kaliningrad mehr als 20.000 Autos, die allesamt in Russland verkauft wurden. Aus vorproduzierten Bauteilen werden im einstigen Königsberg an der Ostsee Modelle wie 3er, 5er, 7er und die Geländewagen der X-Reihe gefertigt. Im vergangenen Jahr verkaufte der Hersteller in Russland 42.071 Fahrzeuge der Marke BMW und 2800 Minis; rund die Hälfte der Autos wurde importiert. Bestseller in Russland waren 3er, 5er und der Geländewagen X3. Weil BMW seit Sommer die Marktschwäche spürt, verlegte sich der Konzern darauf, Autos, die eigentlich für den Verkauf in Russland gedacht waren, in andere Märkte zu liefern.

Hier die Aktivitäten der Hersteller in Russland im Überblick:

Daimler

Der Stuttgarter Konzern ist am lokalen Lkw-Bauer Kamaz beteiligt und produziert in Russland derzeit nur Lastwagen. In zwei Gemeinschaftsunternehmen werden besonders robuste Modelle der Marken Mercedes-Benz und Fuso montiert. 2013 wurden insgesamt 5600 Lkw in Russland ausgeliefert, etwa die Hälfte davon stammte aus der Fertigung vor Ort, der Rest wurde aus Deutschland importiert.

Die Produktion von Pkw in Russland wird nach wie vor geprüft. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern nach Angaben des Unternehmerverbands AEB 44.376 Autos der Marke Mercedes, im ersten Halbjahr stieg der Absatz demnach um 19 Prozent. Doch seither lasse das Momentum nach, erklärte Daimler-Chef Dieter Zetsche. Die Schwaben gehen dennoch von einem Absatzplus im Gesamtjahr aus.

Trotz des Absatzeinbruchs am Automarkt in Russland hat BMWs Konkurrent Daimler nach den Worten von Vorstandschef Dieter Zetsche einen Zuwachs bei den Verkaufszahlen erreicht. Mercedes-Benz habe die Monate Juli bis September in Russland besser abgeschlossen als im Vorjahr. „Wir unterscheiden uns signifikant von den Wettbewerbern“, sagte Zetsche am Donnerstag auf der Automesse in Paris. Der Markt in Europa sei allerdings „insgesamt nicht so begeisternd“, ergänzte er. Der Stuttgarter Autobauer gehe deshalb inzwischen nur noch von einem weltweiten Absatzzuwachs von drei Prozent aus – zu Jahresbeginn hatte Zetsche noch mit vier bis fünf Prozent Plus gerechnet. Drei Prozent seien aber noch immer eine ordentliche Größenordnung.

Volkswagen

Für Europas größten Autobauer ist Russland nach eigenen Angaben „der strategische Wachstumsmarkt Nummer eins in Europa“. Bis 2018 will VW den Absatz dort um mehr als 60 Prozent auf rund 500.000 Fahrzeuge pro Jahr steigern. Die Wolfsburger betreiben ein eigenes Werk in Kaluga, wo rund 5300 Beschäftigte Modelle wie Tiguan, Polo und Skoda Rapid fertigen. In der Fabrik rund 170 Kilometer südwestlich von Moskau wird seit November 2007 produziert. 2012 begann zudem die Auftragsfertigung beim russischen Hersteller GAZ, wo VW Jetta, Skoda Yeti und Octavia gebaut werden. Wegen der Marktschwäche in Russland hatte VW die Bänder in Kaluga und bei GAZ im September für zehn Tage gestoppt. Inzwischen läuft die Produktion wieder.

VW zählt nach eigenen Angaben in Russland zu den größten ausländischen Investoren aus der Autobranche. Zwischen 2006 und 2013 steckten die Wolfsburger rund 1,3 Milliarden Euro in die lokale Produktion und in neue Modelle. Bis Ende 2018 sollen weitere 1,2 Milliarden Euro folgen. 2015 soll eine neue Motorenfertigung in Kaluga an den Start gehen. Außerdem ist ein Logistikzentrum in der Nähe von Moskau geplant. In den USA läuft es derzeit eher schwach für die Wolfsburger.

Audi

Die Ingolstädter starteten im April 2013 die Fertigung im Werk des Mutterkonzerns VW in Kaluga. Die Modelle A6, A7, die Langversion des A8 sowie die Geländewagen Q5 und Q7 werden dort montiert – aus andernorts vorgefertigten Bausätzen (sogenannte SKD-Fertigung). 2013 verkaufte Audi in Russland 36.150 Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr 2014 waren es knapp 18.000 Autos (minus 1,2 Prozent).

Opel

Die krisengeschüttelten Rüsselsheimer nahmen 2013 auf Drängen des Mutterkonzerns GM Abschied von ihrer weltweiten Exportstrategie. Der verlustreiche Hersteller konzentriert sich seither auf Europa und setzt auf Russland, Opels drittgrößten Markt nach Großbritannien und Deutschland. Wegen der Absatzeinbrüche fuhr der Autobauer zuletzt seine Produktion in Russland weiter zurück. Die Fabrik in Sankt Petersburg, wo bereits im ersten Halbjahr die Bänder an mehreren Tagen stillstanden, fährt im Ein-Schicht-Betrieb. Produziert wird derzeit nur noch an einzelnen Tagen. Rund ein Viertel der knapp 2000 Beschäftigten soll das Unternehmen gegen Abfindungen verlassen.

Erholung am deutschen Markt?

Der Pkw-Absatz in Deutschland ist Branchenkreisen zufolge im September kräftig gestiegen. Die Neuzulassungen seien im vergangenen Monat um gut fünf Prozent höher gewesen als vor Jahresfrist, sagte eine mit den Zahlen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Ein Grund sei gewesen, dass der September einen Verkaufstag mehr hatte als vor einem Jahr. Bereinigt um diesen Effekt hätten die Neuzulassungen nur leicht über dem Vorjahreswert gelegen. Seit Jahresbeginn seien rund 2,9 Prozent mehr Fahrzeuge neu zugelassen worden.

Auch in anderen europäischen Ländern legten die Neuzulassungen im September zu. In Frankreich, wo die Hersteller ab dieser Woche auf dem Pariser Autosalon ihre Neuheiten präsentieren, kamen sechs Prozent mehr Fahrzeuge auf die Straßen. Etwas niedriger war der Anstieg mit plus drei Prozent in Italien. Am stärksten legte der Absatz mit 26 Prozent in Spanien zu, weil dort die Regierung den Autokauf mit einer Verschrottungsprämie ankurbelt.

 

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