Europas Autokrise zwingt Massenhersteller in Oberklasse

Europa Automobil-Branche steckt in der Krise. Die Verkaufszahlen sind niedrig, die Rabatte hoch. Nur im Premiumsegment sei überhaupt noch Gewinn zu machen, so Experten. Deshalb denken die Autobauer nun um.

Die Verkaufszahlen in Europa sind niedrig, die Rabatte hoch. Vor allem die Hersteller von kleinen und günstigen Wagen und diejenigen Konzerne, die ihre Geschäfte hauptsächlich auf dem Heimatkontinent machen, müssen ihre Gewinnmarge mit der Lupe suchen – und sich dabei noch freuen, dass es nicht rote Zahlen gibt wie bei manchem Konkurrenten. Weil für Europa so bald keine wirkliche Wende erwartet wird, suchen Manager nun nach einem anderen Ausweg: weg von der Massenware, hin zur Oberklasse. „Unsere neue Markenstrategie zielt darauf ab, in höhere Segmente zu komme“, beschreibt es etwa Harald Wester, Technikvorstand von Fiat und Chef von Alfa Romeo, Maserati und Jeep. Der Grund ist einfach: „Nur im Premiumsegment ist überhaupt noch Gewinn zu machen.“

Doch die begehrte und wachsende Nische ist fest in der Hand von BMW, Audi und Mercedes. Die drei deutschen Hersteller beherrschen nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft IHS fast 60 Prozent des weltweiten Marktes für teure Autos und werden das Feld nicht kampflos räumen. Marken wie Jaguar, Land Rover, Volvo, Lexus oder Infiniti mühen sich seit Jahren aufzuschließen. Auch Opel und Cadillac, beide aus dem GM -Konzern, die eigens gegründete, an alte Glanzzeiten erinnernde Marke DS aus dem Hause PSA Peugeot Citroen oder der US-Hersteller Ford setzen zum Sprung ins Premiumsegment an. Selbst Hyundai, eigentlich bekannt für billige Kleinwagen, liebäugelt damit.

Jeder will ins Premiumsegment vorstoßen“, sagt Autoexperte Clemens Wasner von der Unternehmensberatung EFS. Denn fast überall auf der Welt wächst die Nachfrage nach teuren Autos schneller als nach billigen. In der Oberliga lockten vernünftige Absatzzahlen, hohe Margen, und die Volumenhersteller könnten zudem noch auf Skaleneffekte hoffen.

Der Run auf die Oberklasse sei „auch aus der Not geboren“, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach mit Blick auf die veränderten Angebote der Autobauer. „Die Premiumhersteller dringen in alte Reservate der Volumenhersteller ein.“ Seit geraumer Zeit bieten sie nämlich auch kleine, sparsame Stadtflitzer, kompakte Zweitautos oder ausladende Familienkutschen an. So ziehen sie Kunden an, die früher billigere Marken gekauft haben. „Die Volumenhersteller werden zerdrückt – von oben von den Premiumherstellern mit ihrem Image, von unten von den Low-cost-Anbietern wie Hyundai, Kia oder später den Chinesen. Um aus dieser Problematik ein Stück weit zu entkommen, flüchten sie sich in die Oberklasse.“

Kommentare

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  1. Betaset sagt:

    Mein Onkel heute 60 Jahre, hatte immer neue Autos:

    VW Passat B1 Bj. 1973 = von 1973 bis 1985
    VW Passat B2 Bj. 1985 = von 1985 bis 2001
    VW Passat B5 GP Bj. 2001 = von 2001 bis 2014
    Dacia Logan 2 Bj. 2014 = ab 2014

    Mit einem Oberklasse Passat kann er nichts mehr anfangen. Der B1 von 1973 hatte ein Rostproblem, aber außer Verschleißteile keine Reparaturen. Der B2 war aus der Zeit des Golf 2, der beste VW Passat der je gebaut wurde. Kein Rost und außer Verschleißteile nie Reparaturen. Der B5 war eine Katastrophe, alle 2 Jahre ein paar hundert Euro Reparaturen. Somit auch der letzte VW. Der Dacia ist jetzt 5 Monate alt, und hat noch keine Mängel, hatte der Passat nie geschafft. Der Dacia wird auch eher halten, in 3 Jahren ist Rente und dann steht er auch mehr rum als er fährt.
    Mein Onkel hat viel Geld, ein Neukauf für mich fast undenkbar. Habe ein Fiesta für 8300 Euro neu gekriegt, ansonsten wäre es eine Art Dacia gewesen.

    Die Autoindustrie wird sich noch wundern.

  2. paule sagt:

    VW´s Phaeton ist das schlagende Beispiel für äusserst
    erfolgreiche Versuche, in der Oberklasse Fuß zu fassen.
    Ein FIAT oder Renault für 120.000 €.
    Allerdings soll es tatsächlich noch Leute geben, die die
    Hose mit der Zange zumachen.

  3. Franz sagt:

    Die Überschrift IST der Hammer.

    Weil sich die Leute den Klein-Opel nicht mehr leisten können obwohl man mit hohen Rabatten lockt setzt man auf den Mega-Luxus-Opel zum Oberklassepreis?

    VW hatte und hat mit dem Phaeton schon Probleme.

    die Anzahl der Menschen die sich ein Oberklasse Auto leisten können wird immer kleiner

    Die Reicher werdende Oberschicht entdeckt dann vielleicht in 30 Jahren dass ein Opel schicker ist als ein Benz wenn er teurer ist

    Kann mir nicht vorstellen dass das der Weg sein kann

  4. Aufgewachter sagt:

    Europas Massenarbeitslosigkeit zwingt Erwerbslose in die Kloster

    Erwerbsloser ins Kloster eingewiesen

  5. Conrad sagt:

    Vielleicht sollten die Autohersteller keine Zeitarbeiter mehr einstellen damit die Mitarbeiter sich auch ein Auto leisten können? Wer soll denn bei Zeitarbeit und Niedriglohn noch konsumieren?

    Gruss

  6. Peter Kiefer sagt:

    Schaut man auf einen Parkplatz des Einkaufszentrums, dann kann man es ahnen: trotz ständiger angeblicher Modelländerungen, bleibt einem nur ein Wimpel am KFZ, um das Seinige zu finden. … Und in der Kaufwahl des Deutschen liebste Kennzahl: der Preis
    Da hilft auch das Premiumsegment nichts, denn nicht um sonst heißt es die oberen 10.000 und nicht die oberen Milliarden …. Als Markt!