Bionisches Auge lässt Blinde wieder sehen

Durch Elektroden auf der Netzhaut können Blinde wieder sehen. Eine mit einer Kamera ausgestattete Brille sendet die Videosignale an einen Mikrochip. Dieser leitet die Videosignale per Drahtlosverbindung direkt an die auf der Retina befindlichen Elektroden weiter. Die Nerven nehmen die Signale als Licht wahr. Blinde können dadurch wieder sehen und sogar lesen.

Die Firma Second Sight Medical Products im San Fernando Valley entwickelt ein Implantat, das blinden Patienten auf die Netzhaut implantiert wird. Es hat den Namen Argus II Retinal Prosthesis System und gilt als das erste ‚bionische‘ Auge, mit dem Blinde wieder sehen können. Die Bionik beschäftigt sich mit dem Übertragen von Phänomenen der Natur auf die Technik. Der Bionik liegt die Annahme zugrunde, dass die belebte Natur durch evolutionäre Prozesse optimierte Strukturen und Prozesse entwickelt, von denen der Mensch lernen kann

Die Augenprothese biete Ärzten das erste Mal die Möglichkeit, ihren vollkommen erblindeten Patienten eine wirksame Behandlung anzubieten, sagte Robert Greenberg, CEO von Second Sight Medical Products der CNBC. Die innovative Behandlung wurde bereits an einer Patientin getestet, die seit 30 Jahren an einer degenerativen Netzhautentzündung (retinitis pigmentosa) leidet.

Das Netzhautprothesensystem besteht aus einer Brille mit einer Minikamera und Elektroden, die auf der Netzhaut implantiert werden. „Ein Computer wandelt die Videobilder in elektrische Impulse um, die über die Nervenzellen der Netzhaut zum Gehirn geleitet werden“ “, beschreibt Wiedemann, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Leipzig, das innovative System. Mit einem speziellen Training lernen die Patienten, so wieder Teile ihrer Umgebung zu erkennen. „Auch wenn dies ganz sicher kein normales Sehen ist, können Betroffene auf diese Weise teilweise ihre frühere Unabhängigkeit zurückgewinnen“, so Wiedemann zu den Möglichkeiten des Implantats.

„Als ich die Diagnose bekam, hat mir jeder Arzte, bei dem ich war, gesagt, dass es dafür keine Heilung gibt und dass es nichts gibt, was ich tun könnte“, sagte Lisa Kulik, die das Implantat seit einem Jahr in sich trägt (siehe Video am Ende des Artikels). Dazu muss Kulik eine Brille tragen, in der die Kamera integriert ist. Die Kamera überträgt die Bilder an eine kleine, mobilen Empfänger, der sie wiederum an den Mikrochip auf der Netzhaut per Drahtlosverbindung weiterleitet.

„Der Mikrochip produziert die Wahrnehmung von Licht auf der Netzhaut“, sagte Entwickler Greenberg. Die Patienten mit den besten Ergebnissen „waren tatsächlich wieder in der Lage, Briefe zu lesen“. Die meisten Patienten erhalten jedoch nur einen Teil ihres Sehvermögens zurück. Der Argus II Prototyp ist auch nur bei bestimmten Netzhauterkrankungen wirksam. Die Auswirkungen auf Lisa Kuliks Leben sind jedoch bereits enorm:

„Das erste, was ich mit dem Mikrochip erblicken konnte, war der Vollmond im Himmel“, so Kulik. „Einige Wochen später konnte ich das Feuerwerk am vierten Juli beobachten, das hatte ich schon seit 30 Jahren nicht mehr gesehen.“

Die Welt Gesundheits Organisation schätzt, dass es weltweit rund 285 Millionen Menschen mit Sehbehinderungen gibt, 39 Millionen davon sind blind. Neun von zehn Menschen mit Sehbehinderungen leben in Haushalten mit niedrigem Einkommen. Für sie ist die Technologie nicht erschwinglich. Der Argus II kostet 115.000 Euro.

Das Potenzial dieser Technologie sei jedoch riesig, schätzt Greenberg. Im nächsten Schritt will Greenberg mit seinem Team ein Implantat direkt im visuellen Bereich des Gehirns platzieren, „die direkte Schnittstelle zur Wiederherstellung des Sehvermögens“, so Greenberg, unabhängig von der Ursache der Erblindung.

Bisherige Modelle von bionischen Auen hatten stets das Problem, dass die Mikrochips zu groß waren und dazu noch mit einer speziellen Diamantenumhüllung vor den Flüssigkeiten im Auge geschützte werden mussten. Die kleinen Diamanten-Körner, die den Chip überziehen, haben die Größe von rund einem Fünfmillionstel eines Millimeters und bestehen aus einer Mixtur von Methan, Argon und Wasserstoff, welche sich auf der fünf Quadratmillimeter großen Fläche des Chips mit rund 400 Grad Celsius bewegt.

Grundsätzlich funktioniert ein Retinal-Implantat wie ein Bypass, der die kranken Zellen umgeht und elektronisch die gesunden Zellen stimuliert.

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