Mittelstand fehlt Vertrauen für Investition in China

Knapp 80 Prozent der deutschen Unternehmen fürchten unkontrollierten Technologie-Transfer nach China. Daher fehlt es ihnen an Vertrauen, Investments in dem Wachstumsmarkt zu tätigen. Das Vertrauen in Unternehmen aus der EU ist trotz der anhaltenden Rezession ungebrochen.

Acht von zehn deutschen Wirtschaftsvertretern (79%) fürchten, einen unkontrollierten Technologie-Transfer zum chinesischen Partner in Kauf nehmen zu müssen und schrecken daher vor Investitionen in dem Markt zurück. „Für die Mehrheit der deutschen Wirtschaftsvertreter bleibt das Vertrauensdefizit ein Stolperstein am Standort China“, sagt Thorsten Amann, Mitglied der Geschäftsleitung der Unternehmensberatung Staufen.

Die großen Chancen einer deutsch-chinesischen Entwicklungsarbeit sind unbestritten. Vor allem für gemeinsame Innovationen in der Automobilbranche (69 Prozent), beim Maschinen- und Anlagenbau (58 Prozent) und in der Energiebranche (55 Prozent) trifft die deutsche Wirtschaft gute bis sehr gute Prognosen, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Staufen und dem Chinaforum Bayern. Für den „China Poll“ wurden 150 Unternehmen in Deutschland befragt.

„Die Umfrage zeigt sehr deutlich, dass es in vielen Branchen rein operativ keine Zweifel an den Erfolgsaussichten deutsch-chinesischer Innovationsprojekte gibt“, sagt Amann. Es solle Aufgabe der am 10. Oktober beginnenden Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen sein, den konkreten Aktionsrahmen zur bilateralen Innovationspartnerschaft zu vereinbaren, sagt Stefan Geiger, Geschäftsführer des Chinaforums Bayern. „Rechtliche Risiken bei Patent- und Markenschutz werden von rund drei Viertel der deutschen Unternehmen als Hindernis für Innovationsaktivitäten mit chinesischen Partnern genannt.“

Die Aussichten für eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, bei der die deutsch-chinesischen Partner in der Forschungs- und Technologieentwicklung einen Mehrwert für beide Seiten schaffen, bewerten die Befragten günstig. Nur eine Minderheit (13 Prozent) unterstellt den chinesischen Unternehmen mangelnde Kreativität. Unterschiedliche Qualifizierungsniveaus nennt nur ein Drittel als mögliche Schwäche.

Ebenfalls positiv stehen die Chancen, in der Produktentwicklung mit Unternehmen aus dem Land der Mitte zusammenzuarbeiten (77 Prozent). Diese Sicht könnte künftig einen Trendwechsel einleiten. Denn derzeit entscheiden in gut jedem zweiten Unternehmen noch immer ausschließlich nach China entsandte deutsche Manager zusammen mit den Firmenzentralen in Europa über das Produktportfolio für den chinesischen Markt.

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  1. Bernhard sagt:

    Ich war als Unternehmensberater 8 Monate in China und weiß, dass es auf so manchen Hinterhöfen mit ihren „Gießereien“ und mechanischen Fertigungen zu Plagiaten kommt. Eine Situation fand ich bezeichnend: hielt in der Hauptstraße des 400.000 Seelen Dorfes ein Fahrzeug neben mir. Raus sprangen 3 junge Leute und hatten eine Konstruktionszeichnung eines deutschen Automobilunternehmens in den Händen: ein Achsträger. Sie konnten nichts mit dem Begriff „Kontur siehe Koordinaten Disc“ anfangen und fragten, was das bedeutete.

    Klar war für mich:
    1. die hatten die Konstruktionszeichnung illegal erhalten
    2. die arbeiteten für die Plagiatsindustrie
    3. die schädigen die deutsche Industrie und den Mittelstand.

    Wer nach China geht, der ist vor nichts sicher, bis auf eines: Informations- Diebstahl ist garantiert.