IWF warnt: Deutschland fällt bei Wachstum zurück

Die Abwärtsrisiken in der globalen Wirtschaft nehmen zu, warnt der IWF. Seine Schätzung für Deutschland fällt sogar erheblich skeptischer aus als bisher. Deutschland solle daher auf Investitionen in der Infrastruktur setzen.

Der IWF senkte am Dienstag im neuen Weltwirtschafsausblick seine Prognose für die globale Konjunktur zwar nur leicht auf 3,3 Prozent in diesem und 3,8 Prozent im nächsten Jahr. Seine Schätzung für Deutschland fällt aber erheblich skeptischer aus als bisher. Der Fonds rechnet hierzulande nur noch mit einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,4 Prozent und im nächsten Jahr von 1,5 Prozent – das ist für 2014 eine Absenkung um einen halben Prozentpunkt und für 2015 um 0,2 Prozentpunkte. Insgesamt klafft die weltwirtschaftliche Entwicklung nach Analysen des IWF immer weiter auseinander.

„Trotz Rückschlägen setzt sich die ungleichmäßige Erholung der Weltwirtschaft fort“, ziehen der IWF und sein Chefökonom Olivier Blanchard unter dem Strich dennoch ein positives Fazit. „Die Abwärtsrisiken haben zugenommen“, warnte die Organisation. Dazu zählten insbesondere die geopolitischen Risiken wie der Konflikt um die Ukraine. Zudem sieht der Fonds gerade im Euro-Raum Gefahren einer Stagnation. Deshalb sollte weltweit mehr für die Steigerung der Wachstumskräfte getan werden. Mit Blick auf Länder wie Deutschland rät der Fond zudem zu höheren staatlichen Infrastruktur-Investitionen, auch auf Pump. Zudem warnt der IWF davor, zu schnell von der lockeren Geldpolitik in den Industriestaaten Abschied zu nehmen. Darüber hinaus sieht er weiter Risiken eines Preisverfalls auf breiter Front in Europa.

Das bewertet die Bundesregierung anders. „Wir teilen die Sorge vor Deflation nicht“, sagte ein Regierungsvertreter. Er verwies zudem darauf, dass der Fonds angesichts der extrem lockeren Geldpolitik die Gefahr von Preisblasen an einzelnen Vermögensmärkten sehe und dazu Anzeichen für wachsende Risikobereitschaft und Selbstgefälligkeit in der Finanzwelt.

Vom Wachstum profitieren vor allem die USA, so die Analysen des Fonds. Für sie rechnet er in diesem Jahr mit einer um 2,2 Prozent höheren Wirtschaftsleistung – das ist ein halber Prozentpunkt mehr als im Juli vorausgesagt. Im kommenden Jahr dürfte sich der Zuwachs noch auf 3,1 Prozent beschleunigen. Für die weltwirtschaftliche Super-Macht China erwartet der Fonds unverändert Steigerungsraten von 7,4 Prozent in diesem und 7,1 Prozent im nächsten Jahr.

Düstere Ausblicke gebe es für die Euro-Zone mit Deutschland, Frankreich und Italien. Das Wachstum im gemeinsamen Währungsraum veranschlagt er für 2014 nur noch mit 0,8 (zuvor: 1,1) Prozent und für 2015 mit 1,3 (zuvor: 1,5) Prozent. Ähnlich wie für Deutschland nahm der Fonds seine Prognose für Frankreich massiv zurück. Das Land werde mit 0,4 Prozent 2014 nur halb so stark zulegen wie im Juli erwartet. Und das Wachstum 2015 werde mit einem Prozent rund ein Drittel niedriger ausfallen als bisher geschätzt.

Noch düsterer sieht der Fonds Italien. Dort erwartet er mit 0,2 Prozent für dieses Jahr gar ein Schrumpfen der Wirtschaft und für 2015 mit 0,8 Prozent eine nur mäßige Steigerung. Für den Euro-Raum warnte Blanchard davor, das durch eine stabilitätsorientierte Finanzpolitik zurückgewonnene Vertrauen an den Märkten aufs Spiel zu setzen. Das bedeute nicht, dass gar keine Spielräume für Mehrausgaben beständen – wie für Verkehrsinvestitionen. Deutlich besser als im Euro-Raum geht es in Großbritannien, für das der Fonds unverändert Wachstumsraten von 3,2 Prozent in diesem und 2,7 Prozent im nächsten Jahr sieht.

Massiv verschlechtert haben sich darüber hinaus die Aussichten für Japan. Das Land dürfte bei der Wirtschaftsleistung nur noch um 0,9 Prozent zulegen – fast ein dreiviertel Prozentpunkt weniger als in der Juli-Prognose. 2015 werde das Plus mit 0,8 Prozent noch ein wenig schwächer ausfallen. In Russland werde es mit 0,2 Prozent in diesem und 0,5 Prozent im nächsten Jahr ebenfalls nur geringe Wachstumsraten geben.

Kommentare

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  1. Erich Artner sagt:

    Gratuliere Frau Merkel
    sie sind die Sklavin Amerikas und verantwortlich für die nächste Krise in die Europa gerade schlittert.

  2. Peter G. sagt:

    Soso, Deutschland soll also Schulden machen, um seine Infrastruktur zu sanieren. Wie weise vom IWF. Allerdings könnte man auch argwöhnen, D. solle sich in den Kreis der Schuldenstaaten einreihen, die die Defizitgrenzen reißen, um endlich den mahnenden Oberlehrer loszuwerden. Auch die Möglichkeit weiterer Schuldenaufnahme zur baldfälligen Einlösung eingegangener Bürgschaften wäre in Betracht zu ziehen.

  3. Schmidt sagt:

    Bedingungen für die Gewährung von Krediten sind zum Beispiel: Kürzung der Staatsausgaben, niedrige Inflation, Steigerung des Exports sowie Liberalisierung des Bankenwesens.

    Die den Staaten auferlegten Bedingungen in Form von Strukturanpassungsprogrammen (SAP) können zum Beispiel Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen wie Sparkassen, Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Telekommunikation usw. sowie Entlassung von bestimmten Gruppen von Mitarbeitern vorsehen.

  4. Leopold sagt:

    Wen wunderts? Wenn die EU Absatzmärkte wie Russland streicht? Müsste auch der IWF inzwischen wissen. Also sind solche Berichte doch totaler Nonsens!

  5. ein Normaler sagt:

    schon seltsam ,man beschimpft uns wenn unsere Wirtschaft wächst,und man beschimpft wenn unsere Wirtschaft schrumpft.Da man uns eigentlich immer beschimpft ,könnte man annehmen ,man mag uns nicht.Halt stop, Einer muß ja den Deckel bezahlen,dazu werden wir gebraucht. kotz/würg.

  6. wolfgang sagt:

    Wie scheinheilig. Erst wird die deutsche Regierung zu Sanktionen gegen Rußland gezwungen

    http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/10/505674/obama-vize-blamiert-merkel-usa-haben-eu-zu-sanktionen-gegen-russland-gezwungen/

    dann geht es der deutschen Wirtschaft schlecht und der IWF-Arm der USA beschwert sich. Wir sollten uns von der Bevormundung befreien!

    • Mut zur Wahrheit sagt:

      „Erst wird die deutsche Regierung zu Sanktionen gegen Rußland gezwungen“

      Was ist es, dass die VSA Deutschland seinen Willen aufzwingen kann? Sind wir nicht souverän oder waren wir noch nie souverän.
      Dies könnte man doch einmal testen, wenn Deutschland für Rammstein Eigenbedarf anmeldet.