Ölpreis: US-Fracking Boom senkt Heizkosten im Winter

Der Ölpreis fällt dank des US-Fracking-Booms kontinuierlich– trotz aller Kriege und Krisen. Das Angebot steigt ständig weiter. Hinzu kommt, dass der saudi-Arabische Konzern Aramco bereits Nachlässe auf sein Öl gewährt. Analysten sprechen von einer tiefgreifenden Veränderung des Marktes.

Sinkende Heizkosten im Winter – dieser Traum könnte dieses Jahr zumindest in den USA wahr werden.

Reuters berichtet:

Ein unerwartet starker Anstieg der US-Lagerbestände hat am Mittwoch die Ölpreise weiter belastet. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich in der Spitze um 1,6 Prozent auf 90,66 Dollar je Barrel (159 Liter), US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 86,83 Dollar 2,3 Prozent weniger. Damit weiteten beide Futures ihre Verluste aus. Brent kostet nunmehr so wenig wie zuletzt im Juni 2012, WTI ist so günstig wie im April vorigen Jahres.

Selbst in der Euro-Zone muss nicht mit explodierenden Kosten gerechnet werden. Daran ändert auch der Euro -Kursverfall nichts. Denn die Ölpreise sind trotz aller Krisen und Kriege im ölreichen Nahen Osten seit Monaten auf Talfahrt. Der Grund: Der Markt wird dank des Schieferöl-Booms in den USA mit dem Rohstoff überschwemmt. Zudem ist die Nachfrage wegen der schwächelnden Konjunktur in vielen Industrieländern gering.

„Es sieht so aus, als ob der Abwärtstrend noch nicht zu Ende ist“, sagt Rohstoff-Experte Robin Bieber vom Erdöl-Broker PVM Oil Associates. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostet derzeit mit rund 91 Dollar so wenig wie zuletzt im Juni 2012. Der Preis für ein Fass des US-Öls WTI liegt mit gut 87 Dollar auf dem tiefsten Stand seit anderthalb Jahren. Damit haben beide Sorten im Vergleich zu ihren Höchstständen vom Juni etwa 20 Prozent eingebüßt.

Aus Sicht des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch ist ein Abrutschen des Brent-Preises unter 90 Dollar gut möglich. Die Experten der US-Ratingagentur Fitch halten gar Preise von 80 Dollar für denkbar. An den Terminmärkten sind die Anleger ähnlich positioniert: Der US-Börse Intercontinental Exchange (ICE) zufolge gingen die Wetten auf einen steigenden Brent-Preis zuletzt um fast ein Sechstel zurück.

Vor einigen Jahren führten Kriege im Irak und anderen Ländern der ölreichen Region regelmäßig zu explosionsartig steigenden Preisen für das „schwarze Gold“. Der Vormarsch der radikalen Milizen des Islamischen Staats in dem Golfstaat lösten vor einigen Wochen dagegen nur kurzzeitig Verunsicherung am Ölmarkt aus, selbst als irakische Ölfelder bedroht waren.

Das liegt zum einen an der schwachen Nachfrage: Mit Ausnahme der USA läuft der Konjunkturmotor nicht rund. Chinas Wirtschaft schwächelt, und in der Euro-Zone steht Deutschland kurz vor einer Rezession.

Zum anderen steigt das Angebot immer weiter, vor allem dank der USA, wo mit Hilfe neuer Technologien (Fracking) in Schiefergestein eingeschlossenes Öl und Gas gefördert wird. So steigen die US-Rohölbestände seit Monaten: Allein in der vergangenen Woche nahmen sie nach Angaben des Branchenverbands American Petroleum Institute (API) um mehr als fünf Millionen Barrel zu. Das ist mehr als drei Mal so viel wie von Analysten erwartet.

Nun droht noch ein Preiskrieg der Erdöl-Förderländer. Der staatliche saudi-arabische Ölkonzern Aramco gewährt seit Monatsbeginn den asiatischen Kunden Preisnachlässe. Bjarne Schieldrop, Chef-Rohstoffanalyst der SEB, spricht von einer tiefgreifenden Veränderung des Marktes. Saudi-Arabien kommt als weltgrößtem Öl-Exporteur eine Schlüsselrolle zu, was die Angebotsseite betrifft. DZ-Bank-Analyst Axel Herlinghaus rechnet mit einer Förderkürzung.

Ole Hansen, Rohstoffexperte bei der Saxo Bank, sieht als einen weiteren Grund für die Ölpreis-Schwäche die Stärke des Dollar. Denn das Öl wird international in Dollar gehandelt und verteuert sich somit für Käufer außerhalb der USA. Der Kurs der US-Währung wird Experten zufolge dank der gut laufenden US-Konjunktur weiter steigen. Dazu dürften auch die Zinserhöhungen beitragen, die in den USA schneller erwartet werden als in der Euro-Zone.

Kommentare

Dieser Artikel hat 7 Kommentare. Wie lautet Ihrer?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  1. Schmidt sagt:

    Das ist nur eine Probagandacamelle. Hier soll nur Frackingbereitschaft der Deutschen implementiert werden.

    Dann können die bisherigen Bohrungen der Amis in Deutschland ihr ungeahntes Ausmaß
    entfalten.
    Mit den üblichen Billionenschweren Nebenwirkungen. Die Pillendreher freuen sich schon.
    Verschmutztes, ungeniesbares Trinkwasser ? Mit TiPP und Tapp und entfallenen haltbarkeitsnachweisen auf den Lebensmitteln müßte es doch mit dem Teufel zugehen , wenn man keine Völker ausrotten könnte. Schalom

  2. Rudolf Steinmetz sagt:

    Die durch das Fracking verursachten Umweltkosten eingerechnet, würde der Ölpreis in astronomische Höhen steigen.

  3. Bersch sagt:

    Nur macht sich das Ganze noch nicht auf die Benzinpreise bemerkbar! Warum?

    • Mr. Fuchs sagt:

      Tun sie doch, sie steigen nicht mehr. Zumindest trifft das für Diesel zu, den ich tanke.
      1,28 zu günstigen Zeiten, letztens tankte ich sogar für 1,26.
      Und das dürfte scheinbar so bleiben.

  4. Bernhard sagt:

    Guten Abend,

    „Zum anderen steigt das Angebot immer weiter, vor allem dank der USA, wo mit Hilfe neuer Technologien (Fracking) in Schiefergestein eingeschlossenes Öl und Gas gefördert wird“

    wie passt diese Meldung zu jener:

    „Herber Rückschlag für den US-Ölboom: Die Regierung schätzt das kalifornische Ölgebiet Monterey als 96 Prozent weniger ergiebig ein als zuvor. Damit fallen zwei Drittel der US-Schieferöl-Reserven weg. Die Industrie reagiert zerknirscht – ihr entgeht eine Billionensumme“ in http://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/fracking-kann-oelreserven-nicht-aus-monterey-shale-in-kalifornien-loesen-a-970983.html.

    Oder ist es vielleicht so, dass über Optionen der Preis nach unten geregelt wird (siehe Gold), um Russland zu treffen und die BRICS- Lösung zu torpedieren?

  5. sebastian sagt:

    Dennoch ist Heizöl der teuerste Energieträger zum Heizen. Daher sollte man lieber gleich auf Erdgas oder eine Wärmepumpe umsteigen.

    Ein Beispiel: Bei Erdgas zahlt man ja nach Anbieter meist 4-5 Cent pro kWh, während man für Heizöl selbst in diesen „billigen“ Zeiten immer noch 7-8 Cent pro kWh zahlt.

    Daher lohnt es sich, die Ölheizung möglichst schnell gegen eine effiziente Gasheizung zu tauschen und (je nach Verbrauch) viele hundert Euro pro Heizsaison zu sparen.

    • Schätzmaschine hat gesprochen sagt:

      Na dann viel Spass mit Gas, wenn Väterchen Frost und Putins Reaktionen auf die Naziclique in Kiew zusammen fallen.
      Meine Ölheizung läuft dann noch 2 Jahre lang dank eigener Stromversorgung und vollen Tanks.