Schweizer Pharmachefs sind die bestbezahlten Manager

Roche-CEO Severin Schwan trug 13,4 Millionen Franken nach Hause, Schweizer Arbeitnehmer können sich im kommenden Jahr um 2,1 Prozent mehr Lohn freuen. Rund eine Million Personen waren von den Abschlüssen zu den Mindestlöhnen betroffen.

Die Chefs börsennotierter Unternehmen in der Schweiz haben 2013 im Mittel zwei Prozent mehr verdient als ein Jahr zuvor. Mehr in der Tasche hatten vor allem Bank- und Versicherungsmanager, während die Saläre außerhalb der Finanzbranche leicht zurückgingen. Im Schnitt verdiente ein CEO in der Schweiz im Vorjahr 3,4 Millionen Franken (2,8 Millionen Euro) und damit um vier Prozent mehr, wie einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung der Aktionärsvereinigung Ethos zu entnehmen ist. Ein Verwaltungsratspräsident erhielt 1,2 Million Franken – sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die Bestverdiener findet man allerdings nicht am Paradeplatz in Zürich bei UBS und Credit Suisse oder am noblen Zürichseeufer, wo Swiss Re und Zurich Insurance ihren Sitz haben. Am höchsten bezahlt wurden die Pharmachefs: Roche-CEO Severin Schwan trug 13,4 Millionen Franken nach Hause, knapp gefolgt von seinem Gegenüber bei Novartis, Joseph Jimenez, mit 13,2 Millionen.

„Zweistellige Summen sind schwierig akzeptabel in einem schweizerischen Umfeld“, sagte Ethos-Direktor Dominique Biedermann bei der Präsentation der Studie. Viele Unternehmen versuchten den Sinn der jüngst verschärften Bestimmungen zu umgehen. Vor allem bei den variablen Lohnkomponenten werde Spielraum ausgenützt.

Die Schweizer hatten im März vergangenen Jahres mit großer Mehrheit eine Gesetzesvorlage angenommen, die Manager-Lohnexzessen einen Riegel vorschieben soll. Aktionäre börsennotierter Unternehmen müssen nun jedes Jahr über die Vergütung von Verwaltungsräten und Geschäftsführung abstimmen.

Nach den neusten Erhebungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) haben die Sozialpartner der wichtigsten Gesamtarbeitsverträge (GAV) für das Jahr 2014 eine Lohnerhöhung um 0,8 Prozent beschlossen. Davon wurden 0,3 Prozent generell und 0,5 Prozent individuell zugesichert. Die Mindestlöhne wurden um 0,7 Prozent erhöht. Von den Lohnverhandlungen waren rund 1,2 Millionen Personen betroffen, eine halbe Million von ihnen im Rahmen eines allgemeinverbindlichen GAV.

Das Effektivlohnwachstum betrug 0,6 Prozent in der Industrie und 0,9 Prozent im Dienstleistungs-Sektor. Die stärksten Erhöhungen finden sich in den Branchen Verkehr und Lagerei (+1,4%) und Information und Kommunikation (+1,3%). Demgegenüber war in den Branchen Verarbeitendes Gewerbe/Herstellung von Waren und Gesundheit und Sozialwesen ein geringeres Wachstum (je +0,4%) zu verzeichnen. Die Branche Öffentliche Verwaltung wuchs gar nicht.

Rund eine Million Personen waren von den Abschlüssen zu den Mindestlöhnen betroffen. Für 124.800 von ihnen kam eine neue Lohnskala zur Anwendung. Im grösseren Kontext betrachtet unterstehen insgesamt 1,4 Millionen Personen einem GAV mit Mindestlohnbestimmungen, berichtet das BFS.

Im nächsten Jahr sollen die Löhne einer Studie zufolge stärker steigen. Schweizer Arbeitnehmer werden im nächsten Jahr durchschnittlich 2,1 Prozent mehr Lohn erhalten. Dabei sollen alle Gehaltsstufen – vom Arbeiter bis zum Top- Management – zumindest prozentual von der gleichen Erhöhung profitieren, geht aus der vom HR-Beratungsunternehmen Aon Hewitt durchgeführten Studie „Global Salary Increase Survey 2014/2015“ hervor, an der sich in der Schweiz 191 Unternehmen aus den Dienstleistungsbranchen und der Fertigungsindustrie beteiligten.

Unter Einbezug der Teuerung (0,5%) ergibt sich mit 1,6 Prozent eine Reallohnerhöhung, die sich im europäischen Vergleich im Normalbereich bewegt. So beträgt gemäss der Studie beispielsweise in Deutschland die durchschnittliche Erhöhung zwar 3,0 Prozent, netto bleiben aber wegen der höheren Teuerung bloss 1,8 Prozent mehr zur Verfügung. „Die wirtschaftlichen Aussichten sind für Unternehmen in der Schweiz in den letzten Monaten aus unterschiedlichen Gründen eher gedämpft worden“, sagt Sacha Cahn, Associate Partner und Vergütungs-Experte bei Aon Hewitt Schweiz. Entsprechend stiegen auch im nächsten Jahr die Löhne in der Schweiz in etwa gleich wie in den letzten Jahren.

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