Swisscom erwägt offenbar Verkauf von Italien-Tochter

Fastweb, das Italien-Geschäft von Swisscom, ist zwischen vier und fünf Milliarden Euro wert. Bei einem Verkauf könnte Konkurrent Vodafone profitieren. Das Unternehmen sucht nach einer Festnetz-Infrastruktur in Italien. Die Bank UBS berät beide Marktteilnehmer über die Vor- und Nachteile eines solchen Deals.

Der Schweizer Telekomkonzern Swisscom spielt Insidern zufolge den Verkauf seines italienischen Internet-Anbieters Fastweb für bis zu fünf Milliarden Euro durch. Die Swisscom arbeite mit der UBS zusammen, um das Geschäft voranzutreiben, sagten die Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Die Bank ist seit langem auch Berater von Swisscom-Konkurrent Vodafone. Der britische Telekom-Riese hatte in der Vergangenheit immer wieder die Möglichkeit einer Übernahme von Fastweb – dem zweitgrößten Anbieter von Internet-Anschlüssen in Italien – ausgelotet, war damit bei der Swisscom aber abgeblitzt.

Ein Deal hätte für beide Seiten Vorteile: Die 2007 für 4,2 Milliarden Euro gekaufte Fastweb ist die einzige Auslandsbeteiligung der Schweizer und die Überschneidungen zwischen den beiden Unternehmen sind relativ gering. Und Vodafone hätte mit einem Kauf auf einen Schlag eine landesweite Festnetz-Infrastruktur in Italien – im Mobilfunk sind die Briten dort bereits die Nummer zwei. Ein Verkauf von Fastweb könnte zudem andere Telekom-Konzerne oder Finanzinvestoren auf dem Plan rufen, sagten Banker. Sprecher von Swisscom und Vodafone wollten sich zu dem Thema nicht äußern. An der Börse legten die Aktien der Swisscom nach dem Bericht am Mittwoch um bis zu vier Prozent zu.

Fastweb ging 1999 als Stadtnetzbetreiber für Mailand an den Start. Das Unternehmen nahm eine Vorreiterrolle beim Bau schneller Internet-Anschlüsse auf Basis von Glasfasern ein. Mittlerweile zählt Fastweb zwei Millionen Breitband-Kunden und rangiert damit auf dem Markt hinter Platzhirsch Telecom Italia. Voriges Jahr erwirtschaftete die Gesellschaft einen operativen Gewinn (Ebitda) von 510 Millionen Euro. Auf Grundlage der Zahlen sei die Firma vier bis fünf Milliarden Euro wert, sagten Banker.

Der Ableger südlich der Alpen bereitete der Swisscom einiges Kopfzerbrechen. Ende des vorigen Jahrzehnts geriet Fastweb wegen einer Steuerhinterziehungsaffäre in die Schlagzeilen, und auch die Geschäfte liefen nicht mehr rund. Später mussten die Eidgenossen deshalb den Firmenwert ihrer Tochter um 1,3 Milliarden Euro nach unten korrigieren.

Vodafone ist in Europa derzeit auf Einkaufstour. Dabei baute der zweitgrößte Mobilfunkanbieter der Welt vor allem sein Festnetzgeschäft aus. Jüngste Übernahmen waren Kabel Deutschland und der spanische Kabelnetzbetreiber Ono. Vodafone setzt darauf, seinen Kunden dadurch Mobilfunk- und Breitbandinternet aus einer Hand zu verkaufen.

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  1. WS sagt:

    Vodafone wird von NSA und GCHQ mitfinanziert. Deshalb haben sie auch unbegrenzte Geldmittel (so wie Facbook und Google). Das war auch ein Grund, warum Vodafone damals Unsummen für D2 Mannesmann ausgeben konnte, einschließlich der Bestechung von Vorstand Klaus Esser. Nun können sie unbegrenzt abhören, was sie (nach Snowden) auch tun.