Einnahmen aus Ökostrom-Umlage bringen erstmals Milliardenüberschuss

Die Ökostrom-Umlage könnte im kommenden Jahr zum ersten Mal niedriger ausfallen. Die Einnahmen aus der EEG-Umlage weisen nämlich erstmals einen Überschuss aus. Eine Trendwende zeichnet sich nicht ab: Aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen kann nicht vorausgesagt werden, ob sich dieser Überschuss in den kommenden Jahren wiederholen lässt und die Strompreise sinken.

Seit Jahren steigen die Strompreise für die Verbraucher in Deutschland. Nun können die Haushalte für 2015 auf eine leichte Entlastung hoffen. Denn einer der Preistreiber, die Umlage zur Förderung des Ökostroms, dürfte erstmals sinken. Sie werde auf etwa sechs Cent je Kilowattstunde zurückgehen, sagen mehrere Branchenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Die Abgabe beträgt derzeit 6,24 Cent. Hauptgrund für die Senkung sei, dass 2014 mit der Umlage mehr Geld eingesammelt wurde als benötigt. Dieser Überschuss kommt den Stromkunden zugute. Für einen Durchschnittshaushalt könnte die niedrigere Umlage in der Jahres-Stromrechnung zu einer Einsparung von zehn bis zwölf Euro führen – wenn die Versorger ihrerseits nicht an der Preisschraube drehen. Wegen der gefallenen Börsenpreise fordern einige Verbraucherschützer von den Energiekonzernen weitere Nachlässe für die Stromkunden.

„Wir rechnen mit einem Rückgang der Umlage um 0,2 bis 0,3 Cent“, sagt der Vorstand eines großen Versorgers. Ein anderer Insider erwartet einen Wert von 6,1 bis 6,2 Cent. Die vier Übertragungsnetzbetreiber wollen die genaue Höhe am 15. Oktober veröffentlichen. Das Konto für die Umlage weist einen Überschuss von 1,38 Milliarden Euro auf. Vor einem Jahr lag es noch 2,2 Milliarden Euro im Minus.

Bei der Bemessung der Abgabe spielen Prognosen für den Stromverbrauch und den Bau von Anlagen ebenso eine Rolle wie Vorhersagen zum Wetter oder des Börsenpreises. Diese Prognosen liegen schon mal etwas daneben, sagen Insider.

Die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) berechnet sich aus der Differenz zwischen dem meist auf 20 Jahre festgelegten Abnahmepreis für Ökostrom und dem Börsenpreis. Für diesen Betrag von zuletzt gut 23 Milliarden Euro müssen die Stromkunden aufkommen, vor allem Mittelständler und Privathaushalte.

Denn zahlreiche Industriebetriebe sind als große Verbraucher davon ausgenommen. 2003 hatte die EEG-Umlage nur 0,41 Cent je Kilowattstunde betragen. Zuletzt war sie um knapp ein Fünftel auf 6,24 Cent geklettert. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden muss derzeit für die Förderung des Stroms aus Wind und Sonne inklusive Mehrwertsteuer über 250 Euro im Jahr berappen.

2016 könnte die EEG-Umlage wieder steigen„, erklärt ein Branchenvertreter. Der Überschuss auf dem Konto werde sich kaum wiederholen. Außerdem gehe der Bau von Ökostromanlagen weiter, wenngleich etwa die Fördersätze für die Solarenergie fallen. Auch das Berliner Forschungsinstitut „Agora Energiewende“ erwartet nach 2015 einen leichten Anstieg der Abgabe. Für 2018 rechnet Agora mit einer Umlage von 6,78 Cent je Kilowattstunde.

Unklar ist noch, wie sich die Ökostrom-Reform auswirkt, die die Bundesregierung nach monatelangem Ringen in der großen Koalition und mit der EU-Kommission auf den Weg gebracht hat. Sie soll den Ausbau von Ökostromanlagen deckeln und die Kosten begrenzen. Es gibt aber noch zahlreiche Anlagen, für die noch die hohen Subventionen früherer Jahre gelten. Diese werden erst in einigen Jahren aus der Förderung fallen. Die Bundesregierung will den Anteil des Ökostroms am Verbrauch bis 2025 auf 40 bis 45 Prozent erhöhen. Zuletzt lag er bei 28,5 Prozent.

Die Versorger könnten ihre Kunden zusätzlich wegen des Rückgangs der Börsenpreise entlasten. Diese sind auch durch den Ausbau des Ökostroms und wegen des Überangebots an Kraftwerken mit 34,50 Euro je Megawattstunde auf den tiefsten Stand seit neun Jahren gefallen. In diesem Jahr sanken sie um etwa vier Prozent.

Verbraucherschützer kritisieren schon länger, dass die Branche um E.ON, RWE & Co die gefallenen Preise nur unzureichend an die Kunden weitergebe. Bislang gebe es auch keine Anzeichen für größere Preissenkungen, sagte eine Sprecherin des Verbraucherportals Verivox.de. Preisänderungen werde es wohl wieder zum Jahreswechsel geben.

Trotz der gefallenen Strom-Großhandelspreise kannten die Tarife für die Haushaltskunden in den vergangenen Jahren meistens nur eine Richtung – nach oben. Von Januar 2000 bis August 2014 verteuerten sich die Rechnungen für die privaten Verbraucher dem Statistischen Bundesamt zufolge um 92 Prozent. Weiterverteiler wie Stadtwerke und andere Versorger müssten heute dagegen etwas weniger zahlen als damals. Die Energiewirtschaft verweist darauf, dass die Beschaffung und der Vertrieb nur etwa ein Viertel des Preises für Haushaltskunden ausmachten. Steuern und Abgaben – auch für den Ökostrom – schlügen inzwischen mit über der Hälfte zu Buche.

Kommentare

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  1. henryford sagt:

    Das größte Potential liegt im Einsparen von Energie beim Kunden. Verbraucht der Kunde weniger, dann fehlt auch das Argument zur Errichtung von Atomkraftwerken und deren Müllendlager. Auch in den Gemeinden gäbe es im öffentlichen Bereich viel Potential zum Einsparen – z.B. Straßenbeleuchtung, Geschäftsbeleuchtung in der Nacht, Veranstaltungen auch mal untertags austragen uvm. Weniger Konsum bedingt weniger Produktion in der Industrie – kaufe daher auch einmal SecondHandArtikel oder tausche mit anderen. Jeder von uns kann die Welt besser machen – sei du die Veränderung.

  2. Peter G. sagt:

    Überschuss klingt ein bißchen, als ob Gewinn erzielt worden wäre. Richtig wäre es davon zu sprechen, dass den Endkunden zuviel abgenommen wurde.

  3. Flori sagt:

    Sinkende Strompreise wären schön. Es wird jedoch nur ein frommer Wunsch bleiben.