Energiespeicher können Kohlekraftwerke und Netzausbau ergänzen

Die Energieversorgung muss Engpässe ausgleichen, wenn Wind- und Sonnenenergie nicht ausreichen. Anstatt alte Kohlekraftwerke zu betreiben und neue Strommasten zu bauen, könnten Energiespeicher den Bedarf künftig viel einfacher decken.

Mit der Zunahme von volatilen Energien steigen nicht nur die Herausforderungen für die Stromnetze, es gilt in Zukunft auch an sonnen- und windarmen Tagen die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. „Speicher sind die idealen Partner der erneuerbaren Energien“, erklärt Urban Windelen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Energiespeicher (BVES), auf der Speicherkonferenz des Bundeswirtschaftsministeriums.

Mit 27,7 Prozent liegt der Anteil der erneuerbaren Energien in den vergangenen neun Monaten auf Rekordhoch. Damit rückt das Ziel der Bundesregierung, bis 2025 den Anteil auf 40 bis 45 Prozent zu steigern, näher. Die Bedeutung von Gas- und Kohlekraftwerken nimmt bereits ab.

Noch immer sichern alte Kohlekraftwerke unsere Energieversorgung, wenn die Sonne mal nicht scheint und der Wind nicht weht – mit den entsprechenden Folgen für Klima und Umwelt. Doch Speicher seien hier „nicht nur die deutlich klimafreundlichere Alternative, sie sorgen auch durch ihre dezentrale Einsatzfähigkeit für Netzstabilität, indem sie schnell und flexibel am Verbrauchsort Energieüberschüsse speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen“, so Windelen.

Eine der großen Herausforderungen der Energiewende ist es, die zeitliche und räumliche Diskrepanz zwischen Energieproduktion und Verbrauch in Einklang zu bringen. Der Netzausbau soll hier Abhilfe schaffen. Doch Großprojekte wie Höchstspannungsleitungen quer durch Deutschland stoßen bei der Bevölkerung häufig auf Ablehnung. „Ohne die Akzeptanz der Bevölkerung ist die Energiewende nicht umsetzbar“, so Urban Windelen. „Statt einseitig auf Netzausbau zu setzen, sollte in Forschung und Entwicklung der Speichertechnologien investiert und ein fairer Zugang zum Markt ermöglicht werden. Denn Speicher als dezentrale Systemlösung genießen eine deutlich höhere Akzeptanz vor Ort. Zudem machen sie uns unabhängiger von Stromimporten aus dem Ausland.“

Kritiker führen häufig den Kostenfaktor als Grund an, warum der Ausbau der Speicher nicht schneller vorangetrieben werden solle. Dieses Argument wird auch beispielsweise in der jüngsten Speicherstudie der Agora Energiewende angeführt. Doch die Bewertung der Kosten müssten für das gesamte System gesehen werden, meint Urban Windelen. „Milliarden für Netzausbau und konventionelle Kraftwerke sowie deren negativen Folgen für die Umwelt – diese Kosten werden häufig nicht ausreichend berücksichtigt. Doch aus volkswirtschaftlicher Perspektive geht es um die Gesamtkosten der Energiewende. Da dürfen wir nicht nur den Strommarkt allein betrachten, auch der Wärme- und der Mobilitätsmarkt spielen eine Rolle.“ Bei der Power-to-Gas Speichertechnologie könne beispielsweise überschüssiger Strom mithilfe der PEM-Elektrolyse in Wasserstoff verwandelt werden, der dann in der Industrie oder im Wärmemarkt zum Einsatz kommt.

Eicke R. Weber, Präsident des BVES, ergänzt: „Heute geht es darum, die volatile Einspeisung von erneuerbaren Energien abzufedern und den erneuerbaren Strom zu gesicherter Leistung aufzuwerten. Zukünftig  ist es entscheidend für die Versorgungssicherheit, dass genügend Strom zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung steht. Dies können Speicher besonders gut gewährleisten, denn im Gegensatz zum Netz decken sie nicht nur die räumliche, sondern auch die zeitliche Komponente ab.“

Kommentare

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  1. Globetrotter sagt:

    Alle bislang diskutierten Möglichkeiten, den Zufallsstrom aus Windkraft und Fotovoltaik zu speichern, sind aus verschiedenen Gründen zum Scheitern verurteilt.
    Nur in Speicherseen kann Strom zu akzeptablen Kosten gespeichert werden, Deren Kapazität reicht aber nur aus, um Schwankungen, die durch die Einspeisung von stark schwankenden Quellen die Netzstabilität massiv gefährden, zu kompensieren – mehr ginge nicht, selbst wenn man die ganze Republik unter Wasser setzen würde!
    Andere Speicherideen wie Power-to-Gas sind Energievernichtungskonzepte mit unaktzepabel niedrigen Wirkungsgraden und daher auch extrem unwirtschaftlich. Das wird auch künftig sobleiben,ebenso wie auch bei Batteriespeichern so bleiben, weil man die Chemie und Physik, die dahintersteckt, nun mal nicht ändern kann.
    Fazit: Strom wird auch in ferner Zunkunft nicht in erforderlichem Maße zu speichern sein – von den astronomischen Kosten für unsere Volkswirtschaft, falls man es doch versuchen sollte, ganz zu schweigen!

    Reicht es nicht, dass schon heute fast eine halbe Billion Euro für Stromerzeugungsmethoden verschwendet worden sind, die keiner braucht? Wieso verstehen das mittlerweile fast alle anderen Staatenlenker in der Welt – nur die in Deutschland nicht?

    Und weiter steigende Strompreise, die bei der sogenannten Energiewende systemimmanent sind, sind wahrlich keine gute Voraussetzung für die Zukunft des Mittelstandes!

  2. Timerunner sagt:

    Super – endlich eine gute und richtige Entscheidung im Rahmen der Energiewende!

  3. Rudolf Steonmetz sagt:

    „Kritiker führen häufig den Kostenfaktor als Grund an, warum der Ausbau der Speicher nicht schneller vorangetrieben werden solle.“ Könnte von Siemens sein. Armer Joe Kaeser, er träumt von Fracking.

    • Matthias sagt:

      Herr Käser muss hohe Renditen erreichen. Ob mit Wind, Sonne, Batterie, Fracking oder AKWs ist egal. Das ist ihm auch nicht vorzuwerfen, er muss 400t Leute bezahlen und die Aktionäre zufrieden stellen. Die Rahmenbedingungen müssen von der Politik kommen, Konzerne halten sich (idealerweise) daran, sie handeln nicht nach moralischen Kriterien.

  4. Hans Kolpak sagt:

    Da Strom nicht wirtschaftlich speicherbar ist, wird er an der Leipziger Strombörse verschenkt oder es wird sogar eine Zuzahlung an den Abnehmer geleistet, um das Netz nicht zu überlasten. Gelingt auch dies nicht, müssen Ökostromkraftwerke abgeschaltet werden. Den Betreiber stört das nicht. Ihm wird der nicht gebrauchte und nicht gelieferte Strom trotzdem vergütet.

    Einem Bäcker, der zu viele Brötchen gebacken hat, müssten analog dazu die nicht verkauften Brötchen vergütet werden. In Wirklichkeit bleibt er entschädigungsfrei auf seinen Brötchen sitzen.

    Planwirtschaft funktioniert nicht, Zentralwirtschaft auch nicht. Strom muss dort erzeugt werden, wo er gebraucht wird. Faustregel: bis 200 km Umkreis.

    Mehr aus dem Energiewendewunderland unter http://www.NAEB.tv

    • Matthias sagt:

      Der Energiemarkt funktioniert nur nicht nach den Regeln des freien Marktes. Hat er noch nie, wird er auch nie. Wer daran glaubt, glaubt auch an den Osterhasen.

  5. Hans sagt:

    Deutschland benötigt pro Tag für 1,5 TWh elektrischen Strom.
    Die Kapazität der gesamten Pumpspeicher in Deutschland beträgt
    60 GWh. Reicht also gerade mal für 1 Stunde Stromversorgung bei
    Windstille.

    Installierte Leistung der PV Anlagen in Deutschland: 37 GW. Gelieferte
    Leistung am 11 Oktober: 9 GW. Aber nur um die Mittagszeit.

    Speichern kann man nur was im Überfluss vorhanden ist. Von einem
    Überfluss an elektrischer Leistung sind wir meilenweit entfernt.

    Im Internet können sie die Stromerzeugung durch Windgeneratoren
    oder PV Anlagen ansehen. Bitte nach „AGORA“, „pv-electricity-produced-in-germany“
    oder für GB nach „gridwatch templar“ googeln.

    Im gesamten September war, mit Ausnahme von zwei Tagen,
    die Windstromproduktion vernachlässigbar. Auch viele zusätzliche
    Windturbinen ändern bei Windstille nichts an diesem Sachverhalt.

    Soll dies der Ruf nach zusätzlichen Subventionen sein?

  6. Peter G. sagt:

    „…. Dies können Speicher besonders gut gewährleisten, denn im Gegensatz zum Netz decken sie nicht nur die räumliche, sondern auch die zeitliche Komponente ab.“
    .
    Tut mir leid, aber dies ist eine bewusste Irreführung. Fakt ist, dass bisher keine Speicherung der „volatilen“ Energie“ in nennenswertem, geschweige denn notwendigem Umfang möglich ist. Auch Pumpspeicherwerke scheitern an geologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Warum immer wieder die (bisher) nicht-existente Speicherung als Lösung aller Probleme verkauft wird ist schlicht unredlich.
    .
    Um den Bezug zur Realität wieder herzustellen, möchte ich folgende Zeitungsnotiz wiedergeben (Westfälische Rundschau vom 17.09.2014):
    .
    „Die Essener Aluminiumhütte Trimet hat das deutsche Stromnetz wegen plötzlichem Abfall der Windenergie in den letzten zwölf Monaten durch Herunterfahren der Produktion gleich zweimal vor dem Zusammenbruch bewahrt.“
    .
    Frage: Wie lange wird es dauern, bis diese energieintensiven Betriebe Deutschland verlassen haben?

    • Rudolf Steinmetz sagt:

      Peter G.@: warum sollten stromintensive Industriebetriebe nicht ihren Stromverbrauch flexibilisieren? Es mangelt bei der Energiewende weniger an Strom, als vielmehr am entschlossenen Willen der Beteiligten, vorneweg der EVU´s und der Kraftwerksindustrie, auf das dezentrale Internet-Design umzuschalten. Aus der Desertec-Pleite nix gelernt?

    • Matthias sagt:

      “Die Essener Aluminiumhütte Trimet hat das deutsche Stromnetz wegen plötzlichem Abfall der Windenergie in den letzten zwölf Monaten durch Herunterfahren der Produktion gleich zweimal vor dem Zusammenbruch bewahrt.”
      Das hat sie auch schon in früheren Jahren – die gezielte Abschaltung von Großverbrauchern ist seit Jahrzehnten eine genutzte Methode zur Stabilisierung des Netzes. Wohin möchten die dann auswandern? Nach Indien? USA? China? Schon mal die Netzstabilität der Länder studiert?

  7. Flori sagt:

    Mir ist bislang kein effektiver Stromspeicher bekannt, der grosstechnisch, kostengünstig und effektiv Strom speichern könnte. Das wird noch Jahrzehnte dauern, bis dies in grrossem Massstab gelingen wird. Machbar und das seit über 100 Jahren, sind Pumpspeicherseen. Gegen den Neubau solcher Pumpspeicherseen wehren sich jedoch die gleichen Typen, die auch gegen Atomstrom sind, z.B. im Südschwarzwald.

    • Matthias sagt:

      „Das wird noch Jahrzehnte dauern, bis dies in grrossem Massstab gelingen wird.“

      Sehr geehrter Herr Flori,

      mir gehen Menschen auf den Wecker, die keine Ahnung von einer Technologie und deren Entwicklung, Preisgestaltung etc. haben, aber ohne mit der Wimper zu Zucken Prognosen über die nächsten 100 Jahre erstellen können.
      Ich hätte unheimlich gerne Ihre Prognose über den technologischen Fortschritt im Jahr 1914 für die nächsten 100 Jahre gesehen und dann mit Heute verglichen. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber ohne das Ergebnis zu kennen bin ich davon überzeugt, dass sie komplett und umfassend daneben gelegen hätten.

      MfG