Forscher: Rente mit 63 und Mindestlohn kosten 300.000 Jobs

Ein Gemeinschaftsgutachten mehrerer Wirtschaftsinstitute kritisiert die Politik der Bundesregierung scharf: Die Rente mit 63 und der Mindestlohn würden Deutschland im kommenden Jahr 300.000 Jobs kosten.

Die führenden Wirtschaftsforschungs-Institute werfen der großen Koalition in ihrem Herbstgutachten falsche Weichenstellungen in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik vor. Allein die Entscheidung für die Rente mit 63 kostet nach Ansicht der Ökonomen 100.000 Jobs im kommenden Jahr, sagte ein mit dem Gemeinschaftsgutachten Vertrauter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die Einführung des Mindestlohns gefährde sogar 200.000 Stellen. Die Regierungspolitik verhindere damit einen möglichen Abbau der Arbeitslosigkeit. Diese werde 2015 wohl konstant bleiben.

Die Institute rechnen in ihrem nur noch mit einem schwachen Wachstum der Wirtschaft. Als Gründe nennen die Wirtschaftsforscher zum einen die Politik der großen Koalition, die einen negativen Einfluss auf die Konjunktur habe, zum anderen die schwächere Weltwirtschaft. Diese werde von Krisen wie dem Ukraine-Russland-Konflikt sowie der Schwäche einiger Schwellenländer geprägt.

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose wird von vier Konsortien von Wirtschaftsforschungsinstituten erstellt, zu denen das Berliner DIW, das Münchner Ifo-Institut, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) gehören. Sie dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene Konjunkturprognose, auf der wiederum die Steuerschätzung fußt.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute werfen der Bundesregierung überzogenes Sparen vor. Zwar begrüßten sie in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Gemeinschaftsgutachten, dass die Regierung weiter der Gesundung des Staatshaushalts eine herausgehobene Bedeutung zumesse. „Angesichts erwarteter öffentlicher Finanzierungsüberschüsse in Höhe von 0,3 Prozent und 0,1 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt für die Jahre 2014 und 2015 wäre eine Minderung der Abgabenbelastung allerdings durchaus möglich“, bemängelten die Forscher jedoch. Die Regierung nutze ihren finanziellen Spielraum auch zu wenig für Investitionen.

Trotz ungünstigerer Wachstumserwartungen rechnen die Institute für die nächste Zeit weiter mit Überschüssen im deutschen Staatshaushalt. Das Plus werde für Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen zusammengenommen im laufenden Jahr auf 7,8 Milliarden Euro von 7,3 Milliarden im Vorjahr steigen. Im kommenden Jahr wird dann allerdings nur noch mit einem Überschuss von knapp drei Milliarden Euro gerechnet.

Auch der Schuldenberg Deutschlands wird nach den Analysen der Institute deutlich sinken. Die Schuldenquote werde von 76,9 Prozent der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr über 73,5 Prozent im laufenden Jahr auf rund 70 Prozent 2015 zurückgehen. Damit bleibt Deutschland aber in diesem Bereich noch deutlich oberhalb der EU-Vorgabe von 60 Prozent.

Zugleich rechnen die Forscher mit wachsenden öffentlichen Investitionen. Diese dürften in diesem Jahr um 7,8 Prozent zulegen, was vor allem auf die relativ gute Haushaltslage beim Bund und vielen Kommunen zurückgehe. Auch im kommenden Jahr dürften die staatlichen Investitionen zunehmen, wenn auch mit fünf Prozent nicht mehr ganz so stark. Allerdings halten die Wissenschaftler dies für zu bescheiden – gemessen an den Finanzspielräumen des Staates.

Kommentare

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  1. Siggy sagt:

    Eine geistreiche Feststellung. Seit wann kostet die Rente mit 63 Arbeitsplätze. Es werden doch dadurch Arbeitsplätze für Jüngere frei und es sollte die Arbeitslosigkeit auch unter den Hartzern sinken. Wenn man natürlich die Jugend verblödet, sie zu IPhone-Taugenichtse erzieht und schon teilweise deren Eltern die Hoffnung auf einen Job von dem man die Familie ernähren kann beraubt hat, dann brauch man sich nicht zu wundern, dass sie auch Hartzer für 8,50 € / Std. vom Sozialamt werden wollen. Der Apfel fällt nun mal nicht weit vom Stamm!
    Und ganz nebenbei, dass diese Hungerrente kaum zum Leben reicht, ist auch unstrittig. Und warum ist die Rente zum Gnadenbrot wie in der Sklaverei verkommen, weil die Rentenkasse u.a. von Milliardenbeiträge der Beitragszahler heimlich, still und leise „erleichtert“ wurde. Die Teufeltabelle gibt seit Adenauer Auskunft darüber. Hallo Ihr Damen und Herren da oben, warum flöht Ihr nicht Eure Pensionskassen? Warum wird da nicht gekürzt und gespart? Aber die sollen ja auch fertig sein. Diese Uhr läuft auch ab. Es scheint für fast jeden!

    • Margrit Steer sagt:

      Aber Siggi,
      was stellen Sie denn für Ansinnen? Die Pensionen kürzen?
      Nein, das geht doch nicht. Die Taschen unserer Politikr müssen randvoll sein und im Alter müssen sie einfach mehrere 1000 Euro haben, damit si weitr in Luxus leben können.
      Unsere Politiker benehmen sich mittlerweile wie Wegelagerer

  2. Schmidt sagt:

    Wer sind denn immer diese Forscher oder Experten? Es wäre sinnvoll wenn die Redaktion auf Umfänglichkeit dringen würde. Ohne diese Angaben kann nur die Einordnung zu Meinungsmache vorgenommen werden

  3. Goldfinger sagt:

    Die Rentenkasse hat von jeher immer Überschuß gehabt,das wurde natürlich von allen Regierungen dazu benutzt ,andere Haushaltslöcher zu stopfen.Wenn der Arbeitnehmer in Zukunft bis 80 arbeiten muß,wird das auch nicht ausreichen,der Staat ist ein Faß ohne Boden.Die Ökonomen in Deutschland unterliegen Interessegruppen,gebt nix drauf,auf deren Geschwätz.

  4. Heider Heydrich sagt:

    Es ist mehr als erstaunlich, dass nun auch die DWN das nachplappert, was regierungsgetreue Institute und Personen über die Ursachen des abflauenden Wirtschaftswachstums verbreiten. Davon, dass die Regierungen seit 1957 die Rentenkassen berauben (bis heute über 700 Mrd.) durch die Finanzierung von Versicherungsfremden Leistungen, an denen kein Politiker und kein Beamter sich durch Zahlungen beteiligt, davon schweigt auch die DWN!!!
    Die wahren Ursachen der Wirtschaftskrise beruhen ja:
    – Auf den Folgen der Einheitswährung (EURO) in unterschiedlich wirtchaftlich starken Ländern in Europa
    – Auf den Folgen der völlig idiotischen Schulden-, Geld- und Finanzpolitik der EU aber auch der BRD,
    sowie den irrsinnigen Sanktionen gegenüber Russland.
    Lesen sie einmal den Vortrag „Verrat an der Altersvorsorge“ unter http://www.betriebsrentner.de,
    dann wird insbesondere der Jugend klar, für wen ihre Beiträge zur Rentenversicherung missbraucht werden.
    Heider Heydrich

    • ichweissnix sagt:

      Vergessen haben Sie noch: Der irrsinnig aufgeblähte Beamtenapparat. Über 10% der arbeitenden Bevölkerung sitzt in Amtsstuben oder ist Angestellter oder Arbeiter des öffentlichen Dienstes !!!!

  5. Delta120 sagt:

    Klar, wir glauben jeden den Wirtschaftsinstituten :-)))

  6. Conrad sagt:

    Wir brauchen keine 1 bis 5 Euro Jobs. Wer soll davon leben? Die Schere zwischen Reich und Arm muss sich verändern! Wer soll konsumieren bei einem Lohn von 5 bis 6 Euro? Gruss

  7. barzahler sagt:

    Wenn Menschen früher aus dem Arbeitsleben ausscheiden, müssen andere nachrücken. Das vermindert die Arbeitsplätze ??
    Die Mehrkosten für die Rente sind Peanuts gegen die von Deutschland übernommenen Garatien für die Rettungspakete.
    Sie sind Peanuts gegen den Schaden, den unsere „Volksvertreter“ mit den von USA diktierten Sanktionen anrichten.
    Sie sind Peanuts gegen die Verpflichtungen, die Deutschland durch den Wahnsinn des ESM erwachsen, liebe Wirtschaftsforscher!

  8. SoWieSo sagt:

    Wenn Arbeitnehmer mit 63 Jahren endlich in Rente gehen, werden junge Arbeitnehmer nachrücken. Es werden somit 100.000 neue Jobs geschaffen.

    Arbeitgeber, die sich die Löhne von „Aufstockern“ nicht mehr vom Jobcenter bezahlen lassen können, müssen zukünftig auf ihren Porsche verzichten und VW Polo fahren. Und das ist gut so!

  9. eu50 sagt:

    Denn die Wirtschaftsinstitute sagen uns immer, was wichtig und richtig ist.