Online-Handel zu träge: Innovationen werden nicht ausgeschöpft

Online-Händler fragen zu selten nach Einzelheiten zur Warenlieferung, wie zum Beispiel dem Wunschtermin des Kunden. Logistik darf nichts kosten, soll aber flexibel und schnell sein. Viele Unternehmen sind zu träge, um Innovationen umzusetzen.

Der Online-Handel schöpft die Möglichkeiten des Internets noch nicht voll aus. Die Zustellung der Ware zum Wunschtermin ist hier ein Beispiel. Seit einigen Jahren im Angebot deutscher Logistikunternehmen fragen Online-Händler noch immer kaum nach dem Wunschtermin. „Generell nutzen nur 5 bis 7 Prozent der Händler neuere Services ihrer Logistikpartner“, schätzt Thomas Horst, Geschäftsführer beim Paketversender Hermes auf der Etailment Summit, einem Kongress zum interaktiven Handel.

Ein Grund für das Zögern der Händler seien die Kosten. Der Kunde achte auf niedrige Versandkosten. Der Mehraufwand, um Pakete schnell und außerdem in frei wählbaren Zeitfenstern auszuliefern, sei schwer zu vermitteln.

„Logistik darf nichts kosten, soll aber immer flexibler und schneller werden“, fasst Horst zusammen. Dabei seien die Zustelldienste heute im Normalfall schon so schnell wie früher im Expressversand. Hermes-Pakete erreichten in 96 Prozent der Fälle einen Tag nach der Bestellung ihr Ziel.

Die Geschwindigkeit und auch die Flexibilisierung beim Zustellen werden vom Online-Handel durchaus erkannt und geschätzt. „Die deutschen Logistiker sind ein wichtiger Treiber für den E-Commerce“, lobt Hartmut Deiwick, Kaufmännischer Leiter der Versandapotheke Aponeo. „Allerdings macht der Online-Handel zu wenig daraus.“ Man müsse nicht nur die bereits bestehenden Services der Logistiker besser annehmen, sondern darüber hinaus noch mehr neue Services fordern. Viele Online-Unternehmen seien jedoch schlicht zu träge. Der Handel lasse so Chancen liegen. „Vor allem kleinere Händler lassen sich von den Internetriesen immer mehr die Butter vom Brot nehmen“, so Deiwick.

Damit neue Liefer-Services mehr Einzug in den Online-Handel finden, sollten aber auch die Logistiker umdenken. Sie müssten die Schnittstelle des Händlers zu deren Kunden ernster nehmen: den Online-Shop. „Wenn der Kunde bestellt, dann heißt das Gebot: So wenig Klicks wie möglich. Wir als Logistiker müssen den Händlern nicht nur neue Liefermodelle anbieten. Wir müssen ihnen auch zeigen, dass sie sich in die Online-Shops einbauen lassen, ohne den Bestellprozess komplizierter zu machen“, so Horst.

Kommentare

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  1. holyowly sagt:

    Die Logistiker:

    „Jetzt haben wir und so viele schöne, neue und schnelle Versandmethoden ausgedacht die uns zusätzlich Kohle bringen und keiner will sie haben. Vielleicht machen wir den Händlern einfach mehr Druck. Die meinen dann auch, dass sie so was brauchen.“

    Drohne ick hör dir brummen.

    Der Händler (also ich – seit über 10 Jahren im Onlinehandel):
    Früher war Schnelligkeit vielleicht noch ein Thema. Heutzutage wird sie als normal vorausgesetzt und meistens auch von den Versanddienstleister erbracht. Da bei einem Versand immer reale Ware unterwegs ist, wird sie niemals von jetzt auf gleich bei einem Kunden sein. Das wissen unsere Kunden.

    Was unsere Kunden meistens nicht wissen ist, was eine Expresslieferung bringt und vor allen Dingen was sie kostet.

    In den ganzen 10 Jahren in denen ich das jetzt mache habe ich nicht einen einzigen Kunden gehabt, der die Expressgebühr für ein Paket bezahlt hat.

    Erst wird groß verkündet dass Expresslieferung gewünscht wird und sie würden es auch zahlen. Sage ich dann den Preis, ist es plötzlich doch nicht so wichtig.

    Wenn es um die Zustellung zu einem bestimmten Termin geht, so wird das ebenfalls so gut wie nie nachgefragt. Die meisten Kunden bestimmen eine Lieferadresse bei der das Paket auch angenommen wird oder lassen gleich an Packstationen liefern.

    Was allerdings m. E. wichtig ist, ist die Sendungsverfolgung. Die Kunden wissen gerne ob ein Paket verschickt ist, wo es evtl. ist und wann es dann zugestellt wird.

  2. kusch sagt:

    Die nächste Stufe ist voraus zu SEHEN wann und was mein Kunde benötigt !

    P.S.: Ist ja bei goooogle schon in Arbeit ….

    HG

  3. Tanja sagt:

    Unsinn! Da wird von den Medien wieder die nächste Sau durchs Dorf getrieben.

    So ein Quatsch braucht kein Mensch!

  4. Daboshop.de sagt:

    Die Welt macht einen Stress, ruhig bleiben und bisschen Geduld, wo bleibt das. Man wird wohl noch hin und wieder mal ein paar Tage auf etwas warten können. Es gibt auch noch genug anderes zu tun oder andere Möglichkeiten sich kurzfristig auszuhelfen bis man das hat was man benötigt. Früher hat es ca. 3-5 Tage gedauert ein Paket heute 24-48Stunden. Leute macht keinen solchen Stress, das ist für alle ungesund.
    V.G.