Netzbetreiber senken Ökostrom-Abgabe nur leicht

Die Umlage auf Ökostrom wird im kommenden Jahr erstmals leicht sinken. Für die Stromkunden bedeutet das eine Einsparung von ein paar Euro im Jahr. Aufgrund steigender Netzgebühren könnte es für manche Kunden dennoch teurer werden. Einer Umfrage zufolge glauben nur 20 Prozent der Deutschen an langfristig sinkende Strompreise.

Erstmals seit Einführung der Ökostromumlage im Jahr 2000 fällt die Abgabe etwas niedriger aus. Die EEG-Umlage liege 2015 bei 6,17 Cent je Kilowattstunde nach zuletzt 6,24 Cent, teilten die vier Übertragungsnetzbetreiber Tennet<IPO-TTH.AS>, 50 Hertz, Amprion und TransnetBW am Mittwoch mit.

Für die Stromkunden ergibt sich aus dem Rückgang rein rechnerisch lediglich eine Ersparnis von ein paar Euro im Jahr. Da andere Faktoren, wie etwa die Netzgebühren, in einigen Regionen steigen könnten, könnte es am Ende sogar für manche teurer werden.

Die Senkung der Ökostrom-Umlage stößt auf Skepsis bei den Bundesbürgern: Nur 20 Prozent der Deutschen glauben daran, dass die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes den Strompreis für private Haushalte langfristig senken wird. Insgesamt zeigt sich große Unzufriedenheit mit der Energiepolitik der Bundesregierung – auch weil bisher vor allem die privaten Haushalte die Last der Energiewende zu tragen haben, so die Ergebnisse einer Umfrage von Stiebel Eltron

Jeder fünfte Deutsche bemängelt, dass die Energiewende bisher überwiegend die Interessen der Unternehmen berücksichtigt, nicht aber die der Privathaushalte. Zudem bezweifeln 61 Prozent, dass die Bundesregierung mit ihrer Politik für einen besseren Klimaschutz sorgt.

„Die Privat-Haushalte fühlen sich als Zahlmeister der Energiewende“, sagt Rudolf Sonnemann, Geschäftsführer des Heiz- und Wärmetechnikunternehmens Stiebel Eltron. „Sie sind zwar  grundsätzlich mit den Zielen einverstanden, fühlen sich aber bisher nur wie Zuschauer bei der Umstellung auf erneuerbare Energien. Dabei wird 40 Prozent der Energie in Deutschland in Gebäuden verbraucht, rund zwei Drittel davon im Privatbereich – in der Hauptsache für die Heizung und Warmwasserbereitung. Hier schlummert enormes Sparpotenzial.“

Energie eingespart werden soll auch durch die neue, im Mai in Kraft getretene Energieeinsparverordnung (EnEV). Ziel der EnEV ist es, den Energieverbrauch in deutschen Gebäuden bis 2050 um 80 Prozent zu senken. Doch die für das Erreichen dieses ehrgeizigen Zieles bereitgestellten Fördermittel fließen häufig in die falschen Maßnahmen. „Es hilft kaum, das Haus einfach mit Mineralwolle oder Styropor einzupacken. Stattdessen gilt es, die energetische Sanierung nach einer Fachberatung in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Dazu gehören moderne Lüftungssysteme, mehr noch aber der Austausch von alten Heizkesseln gegen moderne Anlagen wie etwa Wärmepumpen“, so der Sonnemann.

Doch auch beim Kesseltausch setzt die Politik weiterhin Fehlanreize: So wird beispielsweise der Energieträger Öl nur mit 23 Prozent Abgaben und Steuern belastet, auf Strom für umweltfreundliche Wärmepumpen entfallen dagegen staatsbedingte Kosten von rund 70 Prozent. Die Konsequenz: Immer noch werden in Deutschland jährlich zehntausende neue Ölheizungen installiert (2013: 65.000).

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) rechnet mit einer stabilen EEG-Umlage bis 2017. Der Verband erwartet für 2016 eine Umlage von 6,05 Cent/kWh und für 2017 von 6,2 Cent/kWh. „2015 sollten die Stromkonzerne die seit Jahren fallenden Börsenstrompreise endlich an alle Stromkunden weitergeben“, fordert Geschäftsführer Hermann Falk.

Als Risiko für die EEG-Umlage sieht der Dachverband der Erneuerbaren die Forderung der fossilen Energiewirtschaft nach sogenannten Kapazitätsmärkten, also die Bezahlung der Stromanbieter nach ihren möglichen Kapazitäten und nicht, so wie derzeit, nach dem tatsächlichen Bedarf an Energie . Berechnungen im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums haben ergeben, dass Zahlungen für die Bereithaltung von Kraftwerken die EEG-Umlage um 0,5 Cent erhöhen würden.

Die größten Treiber der EEG-Umlage waren in den vergangenen Jahren die sinkenden Börsenstrompreise und die Zunahme der Industrieprivilegierung. Der Börsenstrompreis ist in den vergangenen vier Jahren um 40 Prozent von 5 auf 3 Cent/kWh gefallen. Der BEE erwartet in den nächsten Jahren einen weiteren Rückgang der Stromhandelspreise, der aber deutlich schwächer als in den Vorjahren ausfällt, weil das heutige Niveau bereits sehr niedrig ist und die Grenzkosten der günstigsten Kohlekraftwerke fast erreicht worden sind.

 

Kommentare

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  1. manuel sagt:

    …dann können wir uns ja schonmal auf einen strompreiserhöhung einstellen 😉

  2. Rudolf Steinmetz sagt:

    Zutreffender wäre die Headline: Netzbetreiner machen mit Billigung Merkels was sie wollen. So manche Rentnerin steht im kommenden Winter vor der Frage: Erfrieren oder verhungern? Aber sie kann ja ihre Wohnung immer noch untervermieten und auf der Strasse leben.

  3. Delta120 sagt:

    Da werde ich wohl soviel sparen, dass ich mir noch einen weiteren Urlaub in Deutschland leisten kann.