Hohe Investitionskosten bremsen Geothermie in Deutschland

Die Gewinnung von Strom aus Erdwärme kommt nicht am Energiemarkt an. Dabei bietet Geothermie einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu Strom aus Solar- und Windenergie ist die Erdwärme stets überall verfügbar. Eine hohe Startfinanzierung für die aufwendigen Tiefbohrungen bleibt jedoch ein Hindernis für viele Geothermieprojekte.

Die Marktdurchdringung Oberflächennaher und Tiefer Geothermie im Wärmemarkt stagniert noch immer. Einen wesentlichen Grund hierfür sieht Dr. Erwin Knapek, Präsident des GtV-Bundesverbandes Geothermie und Vorsitzender des Wirtschaftsforums Geothermie, in der Tatsache, dass die Versorgung der Bürger mit Heiz-Energie noch immer als alleinige Aufgabe von Immobilienbesitzern betrachtet wird. Eine Fehleinschätzung, wie Knapek aufzeigt.

„Über die Hälfte unserer Energie wird hierzulande zur Wärmeversorgung verwendet. In Privathaushalten sind es nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sogar 83 Prozent. Dennoch ist die Wärmewende noch immer das unbeachtete Stiefkind der deutschen Energiepolitik. Erneuerbar erzeugte Wärme für Privathaushalte, Industrie und Gewerbe muss mehr Beachtung finden. Das Tempo muss hier deutlich erhöht werden.“

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) und das Marktanreizprogramm (MAP) fördern seit fünf Jahren den Einbau von Technologien zur nachhaltigen Wärmeerzeugung. Diese Maßnahmen haben sich jedoch als nicht ausreichend erwiesen. 87 Prozent aller im Jahr 2013 installierten Heizungsanlagen werden nach wie vor durch klimaschädliche und endliche fossile Brennstoffe wie Öl und Gas befeuert. Der Anteil Erneuerbarer Energien am Wärmemarkt stagniert daher seit Jahren bei rund 9 Prozent. Der Bundesverband Erneuerbare Energie geht davon aus, dass ohne Anpassungen der Energiepolitik im Jahr 2030 der Anteil lediglich 11,5 Prozent betragen wird. Für Knapek ist es höchste Zeit zu handeln: „Die Entwicklung der vergangenen Jahre alarmiert uns. Ich fordere die Bundesregierung dazu auf, in den nächsten Monaten ein ambitioniertes Programm zur Wärmewende zu beschließen. Eine erfolgreiche Energiewende, die sich dem Klimaschutz und der Versorgungssicherheit verpflichtet, ist nur mit Einbindung des Wärmemarktes möglich.“

Durch Geothermie kann ein großes Wärmepotenzial erschlossen werden. 99 Prozent des Erdinnern sind über 1.000 Grad heiß. Von dem verbleibenden Anteil erreichen wiederum 99 Prozent Temperaturen von über 100 Grad. Die Erde strahlt täglich etwa viermal mehr Energie in den Weltraum ab, als alle Menschen derzeit an Energie verbrauchen. Diese Energie nutzen Tiefe und Oberflächennahe Geothermieanlagen. Erdwärme steht rund um die Uhr und unabhängig von jahreszeitlichen Temperaturschwankungen zur Verfügung. Die Erdwärme-Technologien für Privathaushalte wie für zentrale Fernwärme-Systeme stellen hierzulande jährlich rund 8 Milliarden Kilowattstunden Wärme zur Verfügung und sparen 800.000 Tonnen CO2 ein. Der Flächenbedarf ist dabei vergleichsweise gering: Erdsonden haben beispielsweise einen Durchmesser von etwa 12 Zentimetern – das entspricht dem einer handelsüblichen CD.

Erdwärme kann die Unabhängigkeit von Brennstoffimporten steigern und die heimische Wertschöpfung erhöhen. „Die aktuelle Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, heimische Ressourcen stärker zu nutzen. Es ist an der Zeit, dass dieses Ziel konkret angegangen wird“, fordert Erwin Knapek.

Die Oberflächennahe Geothermie ist bestimmt durch den Einsatz von Erdwärmepumpen. Im Jahr 2013 wurden 21.100 Erdwärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 264 Megawatt neu installiert. Dies entspricht einem Anteil von rund 3 Prozent am Gesamtabsatz für Wärmeerzeuger. Insgesamt sind in Deutschland derzeit 318.000 Erdwärmepumpen – 1,6 Prozent aller Wärmeerzeuger – installiert. Die installierte Leistung beträgt 4 Gigawatt. Damit werden pro Jahr ca. 7.600 Gigawattstunden Wärme bereitgestellt, berichtet der Bundesverband Geothermie in einem Hintergrundpapier.

Tiefengeothermische Anlagen nutzen die Erdwärme unterhalb 400 Meter Tiefe. In der Regel werden dabei tiefe Grundwässer als direkter Wärmelieferant genutzt. 24 der derzeit 27 Anlagen gehören zu diesen hydrothermalen Anlagentypen. Drei weitere Anlagen nutzen die Erdwärme mit einer tiefen Erdwärmesonde. Derzeit werden petrothermale Systeme entwickelt. Sie nutzen den Untergrund als natürlichen Wärmetauscher. Dabei wird von der Erdoberfläche Wasser zugeführt. In heißen Gesteinsschichten erwärmt es sich und kann geothermisch zur Strom- oder Wärmeproduktion genutzt werden.

Energie aus Tiefengeothermie bietet einige Vorteile: Weil Geothermie keinen starken Produktionsschwankungen wie etwa Photovoltaik oder Windkraft unterworfen ist, könnte sie bei der Stromversorgung auch einen Teil der Grundlast übernehmen. Dies wäre besonders wichtig, weil die Grundlast derzeit von konventionellen Verbrennungskraftwerken oder der Kernkraft getragen wird. Trotzdem zog die Geothermie bei Förderungen und Kampagnen gegenüber Solar- und Windkraft meist den Kürzeren.

Mittlerweile ist die Technik so ausgereift, dass die Geothermie ohne Weiteres eine solch wichtige Rolle einnehmen könnte. Eine hohe Startfinanzierung für die aufwendigen Tiefbohrungen bleibt jedoch ein Hindernis für viele Geothermieprojekte. Zudem besteht ein hoher Aufwand, wenn wenn etwa die Infrastruktur für die Nutzung von Geothermie für eine Fernwärmeversorgung erst errichtet werden muss.

Die Nutzung von Geothermie ist von den geologischen Gegebenheiten abhängig. In Deutschland eignen sich vor allem das Norddeutsche Becken, das Molassebecken in Süddeutschland und der Oberrheingraben für die Nutzung von Erdwärme. Hier gibt es Heißwasservorkommen, die zur Energiegewinnung angezapft werden können. Die gleichmäßige Verteilung der geeigneten Gebiete auf Deutschland bringt einen großen Vorteil: Es müssten nicht unzählige Kilometer an Leitungen ausgebaut werden, um den Strom dorthin zu bringen, wo er benötigt wird.

Die Technik birgt jedoch auch Gefahren. Das Geothermie-Kraftwerk in pfälzischen Landau stand aufgrund von mehreren leichten Erdbeben bereits kurz vor der Insolvenz. Das Kraftwerk liegt derzeit still, die Betreiber wollen den Betrieb jedoch zum Ende des Jahres wieder starten. Das Bundeswirtschaftsministerium hat jedoch entschieden, eine geplante dritte Bohrung in Landau nicht mehr zu subventionieren. Durch die Bohrung sollte das Erdbebenrisiko minimiert werden.

Kommentare

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  1. Werner Müller sagt:

    Über die Gefahren und Risken und die Sinnhaftigkeit der Tiefen Geothermie können sich die Leser unter http://www.geothermie-landau.de umfassend informieren.

    • Erwin Knapek sagt:

      Herr Müller meint wahrscheinlich diese Zerstörungen mit vielen Toten und vielen völlig zerstörten Häusern- wie neulich bei der Gasexplosion in Ludwigsburg bzw. vor einiger Zeit in Itzehoe – die er auch bei der tiefen Geothermie vermutet. Das ist völlig absurd. Ich hoffe für Herrn Müller, dass er nicht mit Erdgas heizt. Geothermie ist da nämlich unendlich sicherer, wie es in der Region München nachgewiesen wird.

  2. M.Krispin sagt:

    Ich verstehe nicht so ganz, warum man mit riesen Aufwand im Sueden tiefe Loecher in die Erde bohrt, waehrend man die alten Kohlegruben im Saarland und Ruhrgebiet verfallen laesst. Hier waere ein riesiges Potenzial an Energie leicht abzuzapfen und koennte die Gruben weiter nutzen, evt sogar spaeter fuer einen Neuanfang des Kohleabbaus erhalten. Die Ankopplung an das bestehende Fernwaermenetz ist technisch doch nur das kleinste Problem. Aber die Politik hat sich in der Vergangenheit noch immer jeglicher vernuenftigen Loesung verweigert.
    Eins ist mal klar. Der Kohlepreis wird sicher nicht fallen wie die Entwicklung der letzten Jahre zeigt. Die USA wird nur zu einem hoeheren Preis Teile des Russischen Erdgas liefern, welches wir gerade dabei sind uns selbst abzudrehen.

  3. Horst Kreuter sagt:

    Geothermie funktioniert weltweit und auch in Deutschland meist problemlos. Die Probleme die bei einzelnen Projekten aufgetreten sind, werden generalisiert. Projekte, die seit Jahrzehnten problemlos funktionieren, z.B. in Riehen bei Basel, werden ignoriert. Geothermie ist eine Chance für die Zukunft, erneuerbar und mit weniger Risiken als fast jede andere Energieform. Das EEG dient zur Technologieentwicklung und sieht eine Degression der Einspeisevergütung vor. Die Größe, Entwicklungszeit und Individualität der Projekte lassen keine industrielle Umsetzung zu, wie z.B. bei PV. Die technische Entwicklung wird auch die Effizienz der Strom- und Wärmeproduktion der Geothermie verbessern, so dass sie in Zukunft mit den anderen Erneuerbaren in der Größenordnung der Gestehungspreise mithalten kann.

  4. Junger Mensch sagt:

    Mir gefällt die Technologie, ich freu mich, dass sie über das EEG gefördert wird. Die EEG-Vergütung für Photovoltaik war zu beginn mehr als doppelt so hoch, heute kommt sie ohne Subventionen aus!
    Eigentlich ist die Technologie billiger als Wasserkraft, nach Ablauf der EEG-Vergütungszeit wird selbstverbrauchte Strom selbst genutzt und der darüber hinausgehende entstehende Strom weiter regional verkauft, gemeinsam mit der Fernwärme: Und das auch Nachts und bei Windflauten. Es entstehen nur wie bei der Wasserkraft sehr geringe laufende Kosten, die Bauwerke halten viele Generationen.
    Auch finde ich gut, dass noch kein Haus durch die Nutzung von Tiefengeothermie explodiert ist, bei der Nutzung von Erdgas soll das ja regelmäßig vorkommen…

  5. Marion DeMille sagt:

    Herr Knapek vom Dachverband des Geothermieverbandes vergisst zu sagen, dass die Geothermie mit die höchste Einspeisevergütung von 25,20 cent bekommt – höher als jede andere Energieform – was wir alle letztendlich zahlen müssen. Die Tiefengeothermie ist nicht wirtschaftlich und wäre ohne diese hohe Subvention längst tot. Ganze 7 Kraftwerke produzieren Strom mit 31 MW, abzüglich ihres Eigenstrombedarfs, den sie billig einkaufen. Bruchsal ist ein Forschungskraftwerk geworden, Landau liegt seit März still (7 Monate, soviel zur Grundlastfähigkeit), die Bahn fordert 50.000 Euro für Schäden an ihren Schienen durch die Erdbewegungen. Insheim hatte auch seine Probleme in der Vergangenheit. Diese Energieform ist aus gutem Grund höchst umstritten und es wäre an der Zeit einzusehen, dass die Bevölkerung sie ablehnt. Es ist typisch hier ein Foto vom vulkanischen Island zu zeigen, aber wir sind nicht Island oder Neuseeland, wir sind ein dicht besiedeltes Land, speziell hier im Oberrheingraben und haben keine Lust auf die Risiken der Tiefengeothermie mit Beben und daraus resultierenden Schäden, Verseuchung des Bodens und Wassers oder Hebungen und Senkungen zu ertragen. Ganz zu schweigen von Langzeitschäden, die man noch gar nicht abschätzen kann. Wenn ein Werk einmal angesiedelt ist, kann passieren was will (siehe Landau), hier wird von Betreiberseite gnadenlos propagiert, dass sie weitermachen wollen. Jede Gemeinde sollte sich diesen Schritt einer Verpachtung gut überlegen was auf sie zukommt, ohne Rückzugsmöglichkeiten (siehe Brühl).

  6. Bernhard sagt:

    Leider muss ich sagen, dass es dem Artikel nicht gelungen ist, mir klar zu machen, was genau damit gemeint ist, wenn es heitß „stagniert noch immer aufgrund rechtlicher und politischer Rahmenbedingungen“. Welche rechtliche und politische Rahmenbedingungen meint der Autor? Oder meint der Autor vielleicht die Kritik „nicht mehr zu subventionieren“ als anzuklagende Rahmenbedingung?

    Wollen Unternehmen zwar vom Staat die hohen Anlaufkosten bezahlt bekommen, um dann den Profit allein zu ernten?