Weil-Prozess verschärft Schweizer Steuerstreit mit den USA

Die Anklage erhebt schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen UBS-Banker Raoul Weil. Der Prozess verschärft den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA. Mehrere frühere UBS-Banker werden für die US-Staatsanwaltschaft aussagen. Weil soll 17.000 reichen Amerikanern geholfen zu haben, Vermögen im Wert von 20 Milliarden Dollar vor den Steuerbehörden zu verstecken.

Beim Prozessauftakt gegen den ehemaligen UBS-Spitzenbanker Raoul Weil in den USA hat die Staatsanwaltschaft den Angeklagten mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Sie beschuldigten den 54-Jährigen, der führende Kopf hinter den Operationen gewesen zu sein, mit denen die Schweizer Großbank Tausenden reichen Amerikanern geholfen habe, ihre Vermögen vor dem Fiskus zu verstecken. Weils Anwälte hielten dem am Dienstag entgegen, dass eine kleine Gruppe von Bankern aus eigenem Anlass und zu ihrem persönlichen Vorteil entschieden habe, Bankregeln und Gesetze zu verletzen – ohne Wissen von Weil. Das Offshore-Geschäft sei nur ein kleiner Teil von Weils Verantwortlichkeiten gewesen.

Die USA werfen Weil vor, zwischen 2002 und 2007 rund 17.000 reichen Amerikanern geholfen zu haben, Vermögen im Wert von 20 Milliarden Dollar vor den Steuerbehörden zu verstecken. Weil erklärte dagegen wiederholt, er sei unschuldig. Der ehemaligen Nummer drei der UBS, dem ranghöchsten Manager einer Schweizer Bank, der sich in der US-Steueraffäre vor Gericht verantworten muss, drohen bis zu fünf Jahre Haft. Der Prozess vor einem Gericht in Fort Lauderdale im Bundesstaat Florida dürfte rund vier Wochen dauern.

Mark Daly vom US-Justizministerium erklärte, seine Staatsanwälte würden Beweise vorlegen, dass Probleme mit dem US-Geschäft über Jahre hinweg wiederholt an Weil herangetragen worden seien. „Er hatte die Macht, diese Geschäfte zu beenden“, sagte Daly. Weils Verteidiger Aaron Marcu zufolge haben Weils Untergebene ihre illegalen Aktivitäten vor ihm verborgen. „Sie hatten kein Interesse daran, ihn an der Tatsache teilhaben zu lassen, dass sie das Gesetz verletzen“, sagte Marcu, der von der New Yorker Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer kommt.

Weil, der frühere Chef der Vermögensverwaltung der größten Schweizer Bank, war vor einem Jahr in Bologna verhaftet worden. Nach fast zwei Monaten in einem italienischen Gefängnis wurde der Schweizer an die USA ausgeliefert, die ihn 2008 angeklagt und 2009 international zur Fahndung ausgeschrieben hatten. Die UBS entließ Weil, nachdem er in den USA angeklagt worden war.

Der Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA könnte sich zu einem Spionage-Skandal ausweiten, wenn – wie angekündigt – mehrere ehemalige UBS-Banker für die US-Staatsanwaltschaft aussagen.

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