Geberit will Marktführer „vor und hinter der Wand“ werden

Geberit breitet sich mit Milliarden-Deal im Bad aus. Die Übernahme der finnischen Sannitec kostet eine Milliarde Euro. Dadurch wollen die beiden Firmen den Keramikmarkt sowie das technische Geschäft „hinter der Wand“ dominieren.

Mit der größten Übernahmen der Firmengeschichte vollzieht der Schweizer Geberit-Konzern eine strategische Kehrtwende und steigt ins Geschäft mit Bad-Keramik ein. Europas größter Hersteller von Rohren und Spülkästen bietet eigenen Angaben zufolge gut eine Milliarde Euro für die auf Waschbecken, Toiletten und Badspiegel spezialisierte finnische Sanitec. Dank der kräftig über dem Börsenkurs liegenden Offerte haben sich die Schweizer die Zustimmung der finnischen Firma und ihrer zwei größten Aktionäre bereits gesichert. „Wir ergänzen uns fast perfekt“, erklärte Sanitec-Chef Peter Nilsson im Gespräch mit Reuters. „Wir sind zwei marktführende Unternehmen in verschiedenen Bereichen. Wir werden Marktführer sozusagen vor und hinter der Wand.“

Die Auswirkungen des Zusammenschlusses dürften auch die deutschen Konkurrenten Grohe und Villeroy & Boch zu spüren bekommen. „Wenn das wie geplant durchgeht, werden wir das Spielfeld sowohl in Europa als auch global verändern“, fügte Nilsson hinzu. Die Anleger reagierten positiv. Die Geberit-Aktie kletterte 1,2 Prozent.

Von einem Vorstoß ins Keramik-Geschäft wollte Geberit lange nichts wissen. Doch inzwischen drängen immer mehr Keramikhersteller in das technische Geschäft „hinter der Wand“, wie es im Branchenjargon heißt. Und bei Geberit ist reichlich Liquidität vorhanden. „Die Wettbewerbslandschaft verändert sich“, erläuterte Geberit-Lenker Albert Baehny. „Wir müssen uns anpassen.“

Der Konzern mit der breitesten Produktpalette ist die japanische Lixil, die vor einem Jahr den Badarmaturen-Hersteller Grohe schluckte. Mit dem Zukauf setzt sich Geberit nun deutlich von der bisher ungefähr gleich großen Roca aus Spanien ab. Gemeinsam kämen Geberit und Sanitec auf einen Umsatz von 2,9 Milliarden Franken und einen Gewinn von knapp 500 Millionen Franken.

Geberit will sich mit dem Zukauf besseren Zugang zu den Endnutzern sichern, denn Geberit selbst ist bisher vor allem bei Bauprofis ein Begriff. Sanitec ist dagegen durch Marken wie Keramag, Sphinx oder Twyford bekannt, in Skandinavien hat der Konzern einen Marktanteil von zwei Drittel. Die Kunden seien in dem Bereich sehr konservativ und kauften, was sie kennen. Damit dauere es Jahre, Marktanteile zu gewinnen, erläuterte Baehny.

Für Sanitec ist Geberit bereit, tief in die Tasche zu greifen. Der Konzern bietet 97 Kronen je Aktie oder gut 50 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Montag. Dass der Titel am Dienstag in diesen Bereich hochschnellte, deutet darauf hin, dass die Anleger mit einem erfolgreichen Abschluss des Geberit-Angebots rechnen. Auch ein Bieterwettstreit ist wenig wahrscheinlich. Geberit verhandelte Baehny zufolge exklusiv mit Sanitec. Der Verwaltungsrat der Skandinavier empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen. Zudem hätten sich die beiden größten Investoren verpflichtet, die Offerte zu akzeptieren. Die schwedischen Finanzinvestoren EQT und Zeres Capital halten zusammen 25,5 Prozent der Sanitec-Aktien.

Die Sanitec-Aktionäre können ihre Aktien vom 17. November bis zum 22. Dezember andienen, mit dem Vollzug der Übernahme rechnet Geberit im ersten Quartal 2015. Berater des Unternehmens für die Transaktion sei die US-Investmentbank JP Morgan.

 

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