Russland-Sanktionen verschrecken Palfinger-Kunden in Europa

Das Russland-Geschäft für Palfinger läuft gut, doch die Sanktionen verunsichern die Kunden in Europa. Die Bestellungen gehen zurück. Österreichs Lkw-Kran-Hersteller hat daher das zu erwartende Betriebsergebnis gekürzt.

Der österreichische Lkw-Kran-Hersteller Palfinger erwartet kaum Einbußen durch die Sanktionen gegen Russland. Das Salzburger Unternehmen produziere in Russland für den dortigen Markt, sei derzeit voll ausgelastet und „verdiene gut“, sagte Palfinger-Chef Herbert Ortner am Donnerstag auf der Kleinaktionärs-Veranstaltung „Gewinnmesse“ in Wien. Russland sei seit kurzem sogar der drittgrößte Standort für Palfinger.

Eine deutliche Geschäftseintrübung spürt das mehrheitlich im Familienbesitz stehende Unternehmen hingegen in Europa. „Der Auftragseingang ist im September in Europa deutlich eingebrochen“, sagte Ortner. Anfang Oktober hatte Palfinger auch vor einem Gewinnrückgang im laufenden Jahr gewarnt. Wegen der Ukraine-Krise würden sich viele Kunden mit Bestellungen zurückhalten, hieß es. Seither habe sich die Situation nicht verbessert, sagte Ortner. Der operative Gewinn werde daher im Gesamtjahr weiterhin unter dem Vorjahr erwartet. „Aber wir sind wirklich weit weg von einer dramatischen Situation“, sagte Ortner nun. Wann es im margenstarken europäischen Krangeschäft wieder nach oben gehen könnte, konnte der Manager aber nicht beantworten. Aufgrund der breiteren Aufstellung sei man heute für Auftragsrückgänge aber besser gerüstet als noch vor einigen Jahren, sagte Ortner.

Palfinger erwartet im laufenden Jahr ein geringeres Betriebsergebnis (Ebit) von 74 Millionen Euro. An der Börse kam das nicht gut an: Die Palfinger-Aktie verlor Anfang Oktober bis knapp 18 Prozent an Wert und notierte mit 19,74 Euro den tiefsten Stand seit fast eineinhalb Jahren.

Palfinger ist auf Ladekräne und Hebesysteme für Lkw, Schiffe oder Züge spezialisiert und hatte bereits im Sommer ein langsameres Wachstum für das zweite Halbjahr angekündigt. Die Firma erwirtschaftet mehr als die Hälfte ihres Umsatzes und nahezu ihren gesamten Gewinn in Europa. Vor allem im September hätten die Kunden im Heimatmarkt aber deutlich weniger Krane geordert. Der Auftragseingang lag 30 Prozent unter dem Vorjahreswert, sagte ein Sprecher. „Die Verunsicherung, was den politischen Kurs zwischen Russland und der EU betrifft, ist groß“, erläuterte er. Viele Kunden hätten sich daher entschlossen, mit weiteren Bestellungen vorerst zu warten – obwohl sie genügend Aufträge hätten. „Wir haben keine Anzeichen, dass sich das im Oktober ändert“, ergänzte der Sprecher. Die Analysten der Privatbank Hauck & Aufhäuser erwartet für das laufende Jahr ein Betriebsergebnis von 66 Millionen Euro.

Palfinger exportiert weniger Waren von Europa nach Russland. Die dortigen Töchter seien jedoch weiterhin gut ausgelastet, sagte der Sprecher. Auch in Nordamerika und Asien laufe das Geschäft gut – während es in Südamerika nach zwei Rekordjahren zurückgehe.

Foto: https://www.flickr.com/photos/northumbria-rail/9284784042

BU: Palfinger versucht die Stimmung bei seinen Kunden in Europa zu heben. (Foto: Flickr/Dave Shell)

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