Sanktionen gegen Gazprom verhindern Finanzierung von South-Stream

Die Banken halten die Finanzierung der South-Stream-Pipeline aufgrund der Sanktionen zurück. Der Zeitplan für die Fertigstellung der Gas-Pipeline von Russland nach Europa gerät damit in Gefahr, wenn die Sanktionen nicht bald zurückgenommen werden. Zudem hat Russlands Präsident Putin mit einer Verringerung der Gaslieferungen nach Europa gedroht, wenn die Ukraine die bestehenden Pipelines anzapfen sollte.

Die Finanzierung des Gas-Pipeline-Projekts South Stream verzögert sich nach Angaben von Gazprom wegen der Sanktionen des Westens. Ausländische Banken ließen Vorsicht walten und warteten auf eine Lockerung der Sanktionen, erklärte der russische Energiemonopolist am Mittwoch. Der Zeitplan für die Fertigstellung des Projekts habe sich jedoch bislang nicht geändert. Die Pipeline soll um die Ukraine herumführen. Gazprom streitet sich mit dem Land seit längerem über Gaspreise und hat deshalb die Lieferung im Juni eingestellt.

Interfax hatte vergangene Woche berichtet, dass die Finanzierung des Unterwasser-Teilstücks durch das Schwarze Meer auf das erste Vierteljahr 2015 verschoben worden sei. Angesichts der westlichen Sanktionen gegen Russland wegen der Ukraine-Krise haben viele westliche Banken ihre ursprünglichen Pläne zur Finanzierung des Projekts auf Eis gelegt.

Noch im August hatte OMV versichert, es werde keine Verzögerungen geben. „Ich sehe da keinen Einfluss“, sagte OMV-Chef Gerhard Roiss dem Nachrichtenmagazin profil.at. Roiss äußerte sich überzeugt, dass auch die EU die Pipeline will. „Europa würde sich ins eigene Knie schießen, wenn es den Bau verhindert“, sagte der OMV-Manager.

Die EU-Kommission sieht Europa im kommenden Winter gegen einem möglichen Gas-Lieferstopp aus Russland gerüstet – vorausgesetzt die EU-Länder arbeiten zusammen. Falls die Staaten nicht kooperierten, müssten im Falle einer vollständigen, sechsmonatigen Unterbrechung die osteuropäischen Länder Liefereinbußen von 40 Prozent oder mehr hinnehmen, teilte die EU-Kommission am Donnerstag mit.

Russland hat mit einer Verringerung der Gaslieferungen nach Europa gedroht, wenn die Ukraine die Pipelines anzapfen sollte. Präsident Wladimir Putin sagte am Donnerstag bei einem Besuch in Belgrad, er hoffe aber, dass es nicht soweit komme. Die beiden Länder streiten sich seit Monaten über die Begleichung von Milliardenschulden durch die Ukraine und über den Preis für Erdgaslieferungen. Der Staatskonzern Gazprom beliefert die ehemalige Sowjetrepublik deswegen seit Juni nicht mehr. Die Auseinandersetzung könnte sich im Winter auf andere Länder auswirken, weil die EU ein Drittel ihres Gases in Russland kauft. Die Hälfte davon fließt durch die Ukraine.

Der scheidende EU-Energiekommissar Günther Oettinger räumte ein, dass die EU noch immer verletzbar sei, wenn Russland den Gashahn zudrehen sollte. Sechs EU-Länder bezögen ihr Gas noch immer komplett von Gazprom, 18 teilweise. Allerdings sei nun die Transparenz höher als noch vor einigen Jahren, so dass die EU schneller reagieren könne. „Wir zeigen unseren russischen Partnern, dass es keinen Sinn macht, Gas als politische Waffe einzusetzen, weil wir vorbereitet sind“, sagte Oettinger.

Die EU-Kommission hatte für den Energiemarkt sogenannte Stresstests angesetzt, um die Auswirkungen von Liefer-Unterbrechungen bei russischem Gas zu bewerten, falls sich die Ukraine-Krise zuspitzt. Insgesamt beziehen die EU-Staaten und Deutschland rund ein Drittel ihrer Energie aus Russland. Wegen des Streits über Gaspreise zwischen Russland und der Ukraine war bereits 2006 und 2009 weniger Gas in der EU angekommen. Derzeit bemüht sich die EU-Kommission, im aktuellen Streit zwischen Moskau und Kiew zu vermitteln und einen Kompromiss vor dem Wintereinbruch zu finden. Oettinger kündigte für Dienstag eine weitere Gesprächsrunde in Brüssel an.

 

Kommentare

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  1. plattnase sagt:

    Abschalten.
    Wenn die Hintern in der Ukraine auf Grundeis gehen,
    wird das Denkvermögen beschlenigt werden.

  2. Stefan Bode sagt:

    Da die großen Unternehmen nun Strafzinsen auf Ihre angelegten Sichteinlagen zahlen sollen, können Sie ja Ihren Geschäftszweck erweitern und Gelder in die Fertigstellung von South-Stream anlegen. Die Rendite ist dauerhaft gesichert und die Banken wären außen vor.

  3. Flori sagt:

    Die „Guten“, das sind die Finanzmächtigen der Wall Street, steuern und kontrollieren die Energieströme weltweit. Die Sanktionen gegen Russland sind Teil ihrer strategischen Massnahmen gegen Russland, um eine engere Anbindung der EU und Russlands zu verhindern. Strategisches Ziel ist die Vereinnahmung der russischen Bodenschätze, der Gas- und Ölvorkommen durch die US-Finanzmächte.