Metallarbeiter in Österreich kündigen Streik an

Bei den Lohnverhandlungen zwischen Fachverband und Gewerkschaften der Metall- und Maschinenindustrie in Österreich gibt es Streit. Die Gewerkschaften fordern höhere Gehälter und eine Freizeit-Option. Die Arbeitgeber verweisen darauf, dass der Industrie-Standort in Österreich in Gefahr ist. Bislang fielen dem harten Wettbewerb in 2013 bereits 1.000 Stellen zum Opfer.

Die Branche der Maschinen- und Metallwarenunternehmen (MMI) steht massiv unter Druck und hat Schwierigkeiten, die Arbeitsplätze zu sichern. Allein im vergangenen Jahr sind über 1.000 Arbeitsplätze in der MMI verloren gegangen. Auch in diesem Jahr führt der starke internationale Wettbewerb zu massiven Auftragsrückgängen und zu einem Produktionsrückgang von drei Prozent, wie der Fachverband der Maschinen- und Metallwaren Industrie (FMMI) mitteilte.

Der Fachverband wehrt sich dagegen, die österreichische Inflationsrate als Maßzahl für die diesjährigen Lohn- und Gehaltserhöhungen heranzuziehen. „Ich ersuche die Gewerkschaftsvertreter endlich anzuerkennen, dass wir Maschinenbauer zu über 80 Prozent ins Ausland liefern und nicht mit österreichischen Betrieben im Wettbewerb stehen, sondern mit ausländischen“, erklärte Christian Knill, Obmann des FMMI. „Die Teuerung bei unseren Mitbewerbern ist aber weit geringer. Die durchschnittliche Inflation in der EU beträgt 0,5 Prozent.“ Die hausgemachte Inflation könne also nicht die Maßzahl für die Verhandlungen sein.

Der Verband verwies auf Mitbewerber in Ländern wie Deutschland, Polen oder Italien. Wenn sie deutlich niedrigere Tarifabschlüsse hätten als die MMI in Österreich, sei jedes Zehntelprozent mehr ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätzen. Die Gewerkschaften legen für die Lohnverhandlungen Österreichs Teuerungsrate von 1,7 Prozent zugrunde. Zudem fordern sie eine Anhebung des Mindestlohns.

„Wir haben über Jahre weit über der Inflation abgeschlossen, heuer ist es nun aber so, dass es vielen Betrieben nicht gut geht und die Prognosen für die nächsten Monate noch schlechter sind. Ein KV-Abschluss wirkt aber in die Zukunft, deshalb müssen wir heuer besonders aufpassen“, so Knill weiter.

Die Verantwortung für die Inflation und auch für die geforderte Reallohnerhöhung liege bei der Wirtschaftspolitik. Österreich habe massive Gebührenerhöhungen, das Wohnen sei wesentlich teurer geworden. Der Staat ziehe den Mitarbeitern die vereinbarten Lohnerhöhungen in Form von Abgaben und Lebenshaltungskosten wieder aus der Tasche.

Die Zeichen stehen auf Streik“, sagten die beiden Chefverhandler auf Gewerkschaftsseite, Rainer Wimmer und Karl Proyer, nach den am Dienstag unterbrochenen Verhandlungen Medienberichten zufolge.

Die Industriellenvereinigung sieht die Verantwortung für den Standort und Arbeitsplatzerhalt in Österreich auch bei den Arbeitnehmern. Sie müssten sich „der extrem schwierigen Bedingungen und enormen Herausforderungen an den österreichischen Wirtschaftsstandort und seine Unternehmen bewusst sein“, sagte der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Neumayer, am Donnerstag. „Streikdrohungen ändern daran überhaupt nichts, ganz im Gegenteil – sie bergen vielmehr die Gefahr, dem Standort und seinen Arbeitsplätzen zusätzlichen Schaden zuzufügen.“

Die Arbeitnehmervertreter fordern neben der Erhöhung der Gehälter noch eine Freizeitoption, also die Möglichkeit, statt mehr Geld mehr Freizeit zu bekommen. Die Arbeiterkammer (AK) verweist auf Untersuchungen, nach denen die Freizeitoption positive Effekte auf die Beschäftigung hat. „So wurde dieses Instrument bei den KV-Verhandlungen in der Elektro- und Elektronikindustrie 2013 und 2014 eingeführt. Je nach Szenario und Inanspruchnahme hat diese Maßnahme bis zu 700 Arbeitsplätze erhalten“, teilt die AK mit. Positiv seien auch die gesellschaftlichen Effekte wie die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bewerten.

FMMI-Obmann Christian Knill sieht darin eine „dauerhafte Arbeitszeitverkürzung durch die Hintertür, die Unternehmen müssten in vielen Fällen zum Ausgleich der freien Tage zusätzliche Überstunden bezahlen“. Habe man die Freizeitoption einmal gewählt, würden die zusätzlichen freien Tage – plus neuer Lohn- oder Gehaltserhöhungen – jedes Jahr anfallen und könnten über lange Zeiträume angesammelt werden. „Werden die freien Tage dann genommen, wenn es Arbeit gibt, statt bei Flaute, verschärft das die Probleme in einer Industrie, in der Aufträge immer schwankender und kurzfristiger hereinkommen.“

Die Maschinenbau- und Metallindustrie in Österreich hat bis zur Mitte des Jahres drei Prozent der Produktion eingebüßt, die Aufträge (-2,3 %) und Beschäftigtenzahlen (-1,6 %) sind ebenfalls rückläufig. Die MMI ist eine der Schlüsselindustrien am Standort Österreich. Mit derzeit knapp unter 120.000 Beschäftigten in 1.200 Unternehmen stellt sie über 30 Prozent der industriellen Arbeitsplätze. Die Branche der Maschinenbauer ist mehrheitlich kleinteilig strukturiert. Rund 80 Prozent der FMMI-Mitglieder sind kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern. Über 85 Prozent der Betriebe sind Familienunternehmen. Diese sind häufig die größten Arbeitgeber in der Region und über Generationen am Standort.

Kommentare

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  1. SoWieSo sagt:

    Ich höre noch, wie die Industrie schrie: „Wir brauchen Facharbeiter“ !
    … und nun, wenn es ums Geld für die Facharbeiter geht, wird wie üblich gejammert !

    • Syssiphus sagt:

      Ja, haben die denn in Östereich keine ausländischen Bilig-Fachkräfte ?
      Wir können von hier welche hinschicken,kommen ja gerade so viele,dass die Zelte nicht mehr reichen.