IBM macht Milliardenverlust mit Verkauf von Halbleitersparte

Globalfoundries übernimmt das Halbleitergeschäft von IBM und erhält dafür noch 1,5 Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren. IBM muss im dritten Quartal einen Gewinneinbruch von 16 Prozent verkraften. In den vergangenen zehn Jahren verkaufte IBM Firmenteile mit einem Gesamtumsatz von 16 Milliarden Dollar.

Nach einem schwachen Quartal trennt sich IBM von der nächsten Problemsparte und muss dafür Milliardenbelastungen verkraften. Das defizitäre Halbleitergeschäft gehe an den Auftrags-Chipfertiger Globalfoundries, teilte der Technologiekonzern am Montag mit. Allerdings muss IBM dafür kräftig draufzahlen. Globalfoundries erhalte im Zuge des Deals in den nächsten drei Jahren 1,5 Milliarden Dollar in bar. Die kostspielige Vereinbarung und eine enttäuschende Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Vierteljahr verschreckten die Investoren an der Wall Street. Der IBM-Kurs stürzte um mehr als sieben Prozent ab. Damit schrumpfte der Börsenwert um rund 13 Milliarden Dollar.

Die Trennung von der Halbleitersparte belastet die IBM-Bilanz massiv – vor Steuern mit 4,7 Milliarden Dollar. Aber auch im fortgeführten Geschäft lief es nicht rund: Hier fiel der Gewinn im dritten Quartal um 16 Prozent auf knapp 3,5 Milliarden Dollar. Der Umsatz sank stärker als von Experten erwartet um vier Prozent auf 22,4 Milliarden Dollar. Es ist bereits das zehnte Quartal in Folge mit rückläufigen Erlösen. Die Kunden hätten sich vor allem im September spürbar zurückgehalten, erklärte Konzernchefin Ginni Rometty. „Wir sind mit unserer Leistung nicht zufrieden.“ Die Ergebnisprognose für 2015 dampfte Rometty ein. Eine neue werde es im Januar geben, sagte die seit gut zwei Jahren amtierende Managerin voraus.

IBM will sich vor allem auf lukrativere Geschäfte mit Software und dem Cloud Computing – der Datenauslagerung ins Internet – verlegen. Dazu hat der Konzern in den vergangenen zehn Jahren Firmenteile mit einem jährlichen Gesamtjahresumsatz von 16 Milliarden Dollar verkauft. Zuletzt ging die Sparte für Kleinserver für 2,3 Milliarden Dollar an den chinesischen Computer-Riesen Lenovo, der auch schon vor Jahren das PC-Geschäft von IBM übernommen hatte.

IBM müsse im Cloud Computing durch Investitionen und Übernahmen wachsen und so wieder in die Erfolgsspur finden, sagte Analyst Daniel Ives vom Wertpapierhandelshaus FBR Capital Markets. Ansonsten stünden Unternehmen und Aktionären schwierige Zeiten bevor.

Globalfoundries ging 2009 aus dem US-Chipkonzern AMD hervor, der sich auf die Entwicklung von Halbleitern konzentrierte und die Produktion abspaltete. Das Unternehmen mit 13.000 Mitarbeitern hat seinen Sitz im Silicon Valley und Werke in Dresden, auf Malta, in New York und Singapur.

Globalfoundries soll der Übernahmevereinbarung zufolge in den kommenden zehn Jahren IBM exklusiv mit verschiedenen Chips beliefern. IBM hatte Medienberichten zufolge zeitweise darauf gehofft, zwei Milliarden Dollar mit dem Verkauf der Halbleitersparte zu erlösen. Zuletzt hatten sich aber in der schwankungsanfälligen Branche Anzeichen für einen Abschwung gemehrt, der auch für europäische Chiphersteller wie den deutschen Infineon -Konzern, NXP< und STMicro befürchtet wird. Der weltgrößte Anbieter Intel hielt sich hingegen zuletzt robust.

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  1. Werner sagt:

    IBM , eine „immer noch Perle“ der Computer-Industrie deren Niveau Deutschland (sämtliche deutschen Fitmen ausser SAP) NIE erreicht hat (!!!) kommt wohl auch „!n die Jahre“ ! Aber KI könnte den Ausweg bieten .

    mfg. Werner