Startups sollen leichter Geld vom Kapitalmarkt erhalten

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel plant ein eigenes Börsensegment für Startups. Das soll ihnen die Finanzierung erleichtern. Gabriel will den Finanzierungsvorsprung junger Firmen in den USA aufholen. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen: Viele Anleger scheuen Investitionen in junge Unternehmen wegen der großen Risiken am Aktienmarkt.

Die Bundesregierung will ein neues Börsensegment für Startup-Firmen einführen. „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir ein solches Börsensegment brauchen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Dienstag auf dem 8. IT-Gipfel in Hamburg. Gespräche mit der Deutschen Börse darüber liefen bereits, sagte der SPD-Politiker. Mit der Plattform „Börse 2.0″ sollten junge Unternehmen leichter Zugang zu zusätzlichem Kapital bekommen, das sie für ihre weitere Entwicklung und Expansion dringend benötigten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte auf dem Treffen eine Reihe von Fördermaßnahmen an, darunter die Verrechnung von Verlustvorträgen für Startups.

Die Deutsche Börse prüft schon seit einiger Zeit, welche Möglichkeiten es gibt, damit sich Startup-Unternehmen leichter über den Kapitalmarkt finanzieren können. „Dazu wird auch das Potenzial börsenfähiger, junger Wachstumsunternehmen in Deutschland evaluiert“, sagte eine Sprecherin von Deutschlands größtem Börsenbetreiber. Die Börse stehe im Dialog mit Unternehmen, Investoren, Verbänden und der Politik.

Experten haben aber Zweifel, ob ein Börsengang für junge Firmen der richtige Weg ist, weil etwa viele Anleger am Aktienmarkt große Risiken scheuen und ihr Geld frühestens dann in Firmen stecken, wenn diese in der zweiten oder dritten Entwicklungsphase sind. Einen Zeitpunkt für eine mögliche Einführung der „Börse 2.0″ nannten weder Gabriel noch die Deutsche Börse.

Gabriel und Merkel sprachen sich zudem dafür aus, Kapitalgebern beim Einstieg in junge Firmen die Verrechnung von Verlustvorträgen zu ermöglichen. Das Fehlen dieser Möglichkeit gilt als ein Hinderungsgrund dafür, dass in Deutschland nicht mehr Geld in Start-Up-Firmen fließt. Insgesamt wolle sein Ministerium in dieser Wahlperiode fast eine halbe Milliarde Euro dafür ausgeben, die Digitalisierung der Wirtschaft voranzutreiben, kündigte Gabriel an. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom wird die Zahl der Beschäftigten in der Informations- und Telekommunikationsbranche in Deutschland bis zum Jahresende auf 953.000 steigen.

Die Regierung hatte zuvor bereits angekündigt, auch die steuerlichen Regeln für Wagniskapital zu verbessern. „Wenn im Silicon Valley im Jahr 15 Milliarden Euro Venture Capital von ganz klassischen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, dann ist das, was wir in Deutschland zu bieten haben, eher auf der Ebene homöopathischer Dosen“, sagte Gabriel. Nur mit öffentlichen Hilfen könne man dieses Problem nicht lösen.

Auch Merkel forderte eine größere Risikobereitschaft der deutschen Wirtschaft. Es könne sein, dass alle staatlichen Anreize bei der IT-Aufholjagd nicht ausreichten, weil es in Deutschland eine andere Mentalität als etwa in den USA gebe. Das müsse sich ändern. In der Chip-Produktion sei der Vorsprung von den Europäern aber nicht mehr einzuholen. Deshalb müsse man sich auf Geschäftsfelder konzentrieren, die auf der Nutzung von Chips aufbauten. „Hier hat Europa eine Chance, muss sich aber anstrengen“, mahnte Merkel. Für Deutschland sei es entscheidend, dass die Verknüpfung digitaler Technik mit industrieller Produktion und Logistik gelinge. „Die erste Halbzeit der Digitalisierung haben wir in Europa verloren“, sagte der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, der ebenfalls verstärkte Anstrengungen forderte.

Ein zentrales Element für die Entwicklung neuer Internet-Dienste in Europa seien eine neue EU-Datenschutzverordnung und Netzneutralität, also der gleich schnelle Internet-Zugang für alle, betonten sowohl Kanzlerin als auch Vizekanzler.

Gabriel kündigte vor Journalisten an, die Entwicklung von Daten-Spezialdiensten zu beobachten, die etwa für das automatisierte Fahren große Datenmengen in extrem schneller Geschwindigkeit übermitteln müssten. Die Regierung beobachte die Entwicklung, „um dann gegebenenfalls in einer Ex-Post-Regulierung eingreifen zu können“. In seiner Rede vor mehreren hundert IT-Unternehmern hatte Gabriel dagegen zuvor von einer „Ex-Ante-Lösung“ gesprochen, also einer Anzeigepflicht. In der Pressekonferenz argumentierte er aber, er wolle nicht erst eine Prüfungsbehörde aufbauen.

Kommentare

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  1. gabymeiner sagt:

    läuft dann in etwa so ab:
    – sigi fragt agentur wie man sowas umsetzt. Für 50 Mio honorar für agentur
    – Agentur erklärt das dann sigi.
    – ergebnis: nichts passiert.

    warum? weil sigi die erklärung gar nicht verstanden hat. Zwar hat err zugehört und auch bezahlt. Aber eben es nicht verstanden.

    Warum hat er es nicht verstanden?
    Wiel sigi der meinung ist es verstanden zu haben, aber nicht in der lage ist, zu verstehen, das er es doch nicht richtig verstanden hat.

  2. Schwätzmaschine Sigi Pop sagt:

    IT – Standort Deutschland ?
    Dass ich nicht lache.
    In diesem ach so mordernen Staat werden noch heute,
    40 Jahre nach Erscheinen des C64, Kassenbücher in Behörden und Ämtern
    per Handeintrag in zentimeterdicken Papierschwarten geführt.
    Wer im eigenen Haus nichtmal das auf die Reihe bekommt und abends nichtmal den
    cash-flow im eigenen Laden kennt, sollte sich so großmäulige Sprüche sparen.

    Es ist teils in deutschen Behörden noch wie zu Kaiser´s Zeiten.