Mittelstand fährt Auslands-Aktivitäten zurück

Der Umsatz im Mittelstand steigt. Doch die schwache Konjunktur in Europa führt dazu, dass Unternehmen ihre Auslandsaktivitäten zurückfahren. Die Gewinne bleiben im Unternehmen und werden für die Stärkung des Eigenkapitals verwendet. Das Wachstum wird nicht durch Investitionen, sondern durch wachsende Effizienz generiert.

Der Mittelstand reagiert auf die Wachstumsschwäche in Deutschland und Europa. Die Auslandsaktivitäten werden zurückgefahren. Umsätze und Beschäftigung nehmen zwar zu, allerdings mit nachlassender Wachstumsdynamik. Der Mangel an Investitionen zeugt von Zurückhaltung und Unsicherheit. Mittelständler legen derzeit mehr Wert auf Konsolidierung und Effizienz.

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland agierend dennoch zunehmend profitabel, zeigt das KfW-Mittelstandspanel 2014 in einer Analyse zur langfristigen strukturellen Entwicklung des Mittelstands in Deutschland. Die Gewinne verbleiben dabei meist in den Unternehmen und stärken das Eigenkapital. Die Zurückhaltung bei den Investitionen bleibt trotz voller Kassen bestehen. Der Mittelstand befindet sich also in Wartestellung und wappnet sich gut gepolstert gegen möglicherweise anstehende Abwärtsrisiken.

Die mittelständischen Unternehmen haben ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent erhöht – trotz steigendem Wettbewerbsdruck und hoher Unsicherheit. Allerdings nimmt das Wachstum gegenüber dem Jahr 2012 um ein Fünftel ab. „Kleinere KMU mit fünf bis neun Beschäftigten müssen im Durchschnitt sogar einen leichten Rückgang ihrer Umsätze hinnehmen“, schreibt die KfW in ihrer Analyse.

Kein Segment findet im Jahr 2013 zurück zu früherer Wachstumsstärke. Mittelfristig ist nur mit wenig Belebung zu rechnen. Die Geschäftserwartungen werden nochmals nach unten korrigiert.

Eine Rolle spielt die konjunkturelle Schwäche auf vielen internationalen Absatzmärkten: Insgesamt waren im Jahr 2013 knapp 20 Prozent der mittelständischen Unternehmen im Ausland aktiv, das ist ein Minus von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Die Auslandsumsätze im Mittelstand schrumpfen 2013 um 7 Prozent auf 545 Milliarden Euro. Vor allem der industrielle Mittelstand verliert an Boden. Die Umsätze in Europa gehen um 27 Milliarden Euro zurück.

„Die Gesamtexporte Deutschlands sind im Jahr 2013 nur um 0,2 Prozent gesunken. Der Mittelstand hat demnach besonders stark an Boden verloren. Insbesondere das traditionell stark internationalisierte FuE-intensive Verarbeitende Gewerbe4 (beispielsweise Maschinenbau) ist betroffen“, so die KfW. In den vergangenen zwei Jahren habe der Anteil auslandsaktiver Unternehmen in diesem Segment um 5 Prozent nachgegeben.

Doch deutsche Unternehmen werden profitabler. Die durchschnittliche Umsatzrendite nimmt um 0,7 Prozentpunkte auf ein Allzeithoch von 6,7 Prozent zu. Den Zuwachs an Profitabilität nutzen die KMU zur Stärkung ihres Eigenkapitals: Die durchschnittliche Eigenkapitalquote im Mittelstand hat im Jahr 2013 um 1,2 Prozentpunkte auf 28,6 Prozent zugelegt; das ist der stärkste Zugewinn seit fast einem Jahrzehnt. Die mittelständischen Unternehmen haben sich – wie schon 2012 – auch im Jahr 2013 mit Investitionen zurückgehalten: Ihre Ausgaben in neue Anlagen und Bauten stagnieren und liegen bei 144 Milliarden Euro (-0,7%).

Für den Arbeitsmarkt in Deutschland spielt der Mittelstand weiterhin eine tragende Rolle: 28,6 Millionen Menschen waren dort beschäftigt, das sind 68,3 Prozent aller Arbeitnehmer und 522.000 Personen mehr als im Jahr zuvor. Die Erwerbstätigkeit hat im Mittelstand stärker zugelegt als in der Gesamtwirtschaft (+0,6 %). Der Mittelstand ist zunehmend wichtiger für den Erfolg des dualen Ausbildungssystems in Deutschland: Im Jahr 2013 begannen 87 Prozent aller Auszubildenden ihre Ausbildung in einem mittelständischen Unternehmen – nie zuvor war dieser Wert so hoch.

„Das Umfeld für den Mittelstand ist schwieriger geworden. Die Unternehmen reagieren darauf und bleiben trotz voller Kassen in Wartestellung“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. „Die kleinen und mittleren Unternehmen zögern weiterhin mit Investitionen, daran kann auch der einfache Kreditzugang nichts ändern. Nur bei einer nachhaltigen Verbesserung der Aussichten für Deutschland und Europa werden die Investitionen im Mittelstand deutlich anziehen.“

Das Gefährdungspotenzial steigt. Der Anteil der KMU, „deren Rendite zum zweiten Mal in Folge gefallen ist nimmt auf 21 Prozent zu, der KMU-Anteil mit bereits 3-mal in Folge gefallener Rendite auf 9 Prozent (langjähriges Mittel: 7%). Die letztjährig ausgemachte Tendenz einer geringen Zunahme des Gefährdungspotenzials findet damit auch 2013 ihren Fortgang.“

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