Pharma-Konzerne profitieren kaum vom Kampf gegen Ebola

Die Pharmabranche versucht noch in diesem Jahr einen Impfstoff gegen Ebola fertigzustellen. Doch die Konzerne erwarten keine hohen Erträge. Die Entwicklung neuer Impfstoffe verschlingt hohe Millionensummen, die durch die zu Einnahmen in den armen westafrikanischen Ländern kaum aufgefangen werden. Insgesamt sind bereits 4.500 Menschen an dem Virus gestorben.

Führende Pharma-Konzerne forcieren angesichts der Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola über die westafrikanischen Ursprungsländer hinaus die Entwicklung von Medikamenten gegen die Seuche. Der britische Arzneimittelhersteller GlaxoSmithKline kündigte am Mittwoch an, die ersten Impfstoffdosen sollten noch vor Jahresende ausgeliefert werden. Die US-Firma Johnson & Johnson (J&J) will im nächsten Jahr eine Million Dosen zur Verfügung zu stellen. In den USA stoppten Grenzbeamte einen Flugpassagier aus Liberia wegen Ebola-Verdachts. Zudem strich eine US-Versicherung Verträge zum Schutz gegen Ebola aus ihrem Angebot.

J&J will bis kommenden Mai 250.000 Impfdosen ausliefern. Der Impfstoff steckt allerdings noch in den Kinderschuhen: Ab Januar soll er an Freiwilligen getestet werden. Der US-Konzern hält auch eine Zusammenarbeit mit GlaxoSmithKLine für denkbar. Die von beiden Unternehmen entwickelten Impfstoffe könnten kombiniert werden, erklärte J&J-Forschungschef Paul Stoffels. „Die Situation erfordert neue Wege der Arbeitsorganisation und des Denkens“, sagte GSK-Chef Andrew Witty. Sein Unternehmen hat bereits einen Impfstoff in der klinischen Erprobung.

Der kanadische Pharmakonzern Tekmira hat schon mit der limitierten Produktion eines Wirkstoffs begonnen. Anfang Dezember soll er verfügbar sein, wie das Unternehmen erklärte. Das Unternehmen arbeitet an Wirkstoffen, die die Vervielfältigung des Ebola-Virus im Körper verhindern sollen. Im September hatten US-amerikanische und kanadische Behörden den Einsatz des experimentellen Wirkstoffs TKM-Ebola unter bestimmten Voraussetzungen bei infizierten Patienten genehmigt.

In Deutschland kündigte das Bundesforschungsministerium an, die Entwicklung eines Ebola-Schnelltests der Jenaer Firma Alere Technologies zu unterstützen. Der Betrieb ist eine Tochter des US-Unternehmens Alere.

An der Virus-Erkrankung sind seit März vor allem in Westafrika mehr als 4.500 Menschen gestorben. Das hat auch wirtschaftliche Gründe: Die Entwicklung neuer Arzneien oder Impfstoffe verschlingt hohe Millionensummen, die durch die zu erwartenden Einnahmen in den armen westafrikanischen Ländern kaum aufgefangen werden können. Zudem sind Ebola-Ausbrüche selten. Das Ausmaß dieser Ebola-Epidemie ist aber um ein vielfaches gravierender als alle bisherigen Ausbrüche. Entsprechend hoch ist daher die Nachfrage nach einem Mittel gegen die Seuche.

J&J kündigte nun an, 200 Millionen Dollar in die Entwicklung eines Impfstoffs zu investieren. Das Vakzin werde in Kooperation mit amerikanischen Gesundheitsbehörden und des dänischen Biotechnologie-Unternehmens Bavarian Nordic entwickelt. Die Anteilsscheine von Bavarian Nordic stiegen nach Bekanntgabe der Pläne um 23 Prozent.

Vakzine der kanadischen Pharmafirma NewLink Genetics stecken bereits in der Phase der klinischen Erprobung am Menschen. Das chinesische Pharma-Unternehmen Sihuan Pharmaceutical Holdings steht nach eigenen Angaben kurz vor einem Durchbruch bei der Zulassung eines Ebola-Medikamentes.

Eine besondere Gefahr sieht das US-Versicherungsunternehmen ACE in der Seuche. Es bietet seinen Kunden bei neuen Policen keinen Versicherungsschutz mehr gegen Ebola an. ACE versichert US-Unternehmen, die außerhalb der USA tätig sind oder deren Mitarbeiter regelmäßig ins Ausland reisen. Die Regelung betreffe aber nur Kunden, die in bestimmten afrikanischen Ländern tätig seien, teilte der Konzern mit.

In den USA wurde unterdessen ein neuer Verdachtsfall bekannt. Bei einem über Brüssel eingereisten Liberianer sei Fieber festgestellt worden, berichtete der Sender NBC. Er sei in eine Klinik eingewiesen worden. Die Symptome könnten auf eine Ebola-Infektion hinweisen, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde CDC dem Sender. In den USA ist bislang ein Mann an Ebola gestorben. Er stammte ebenfalls aus Liberia, das am stärksten von der Epidemie betroffen ist. Zwei Krankenschwestern haben sich in den USA während seiner Behandlung mit dem Virus infiziert. Die USA haben seitdem die Einreisebestimmungen für Flugpassagiere aus den besonders stark betroffenen Ländern in Westafrika verschärft.

Vor allem westliche Staaten haben den betroffenen afrikanischen Ländern Hilfen zugesagt. Während am Mittwoch in Liberia rund 50 Ärzte und Krankenschwestern aus Kuba eintrafen, klagte das Deutsche Rote Kreuz über zu wenig Freiwillige für den Einsatz im Seuchengebiet.

Kommentare

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  1. spatz sagt:

    Eigentlich sollte ja bis Weihnachten der grössere Teil der Menschheit von
    Ebola dahingerafft worden sein.
    Habe ich jetzt umsonst gezittert?

  2. Matthes sagt:

    Die müssten doch noch genug Rücklagen aus dem Profit beim Kampf gegen die Vogelgrippe haben. Wobei sie die Staaten nach Strich und Faden ausgenommen haben. So etwas sollte nie wieder vorkommen. Aber an der Organisation und Kompetenz der WHO konnte wegen der Einflüsse der Lobbies bisher nichts geändert werden. Also wird man weiter versuchen, Gesundheitsrisiken zur Gewinnmaximierung umzufunktionieren.