S&P: Mehr Investitionen in Deutschland helfen Euro-Zone nicht

Die Ratingagentur Standard & Poor's glaubt nicht daran, dass ein Konjunkturpaket in Deutschland auch dem Rest der Euro-Zone zugutekäme. Vielmehr würde die deutsche Wirtschaft überhitzen, die Inflation steigen und „das Land in große Unruhe versetzen“.

Ein Konjunkturpaket allein in Deutschland würde nach Berechnungen der Ratingagentur Standard & Poor’s der gesamten Euro-Zone kaum zugutekommen. Stärker würde sich wohl ein gemeinsamer Investitionsplan mehrerer Euro-Länder auf das Wachstum und die Beschäftigungslage in der Währungsunion auswirken, teilten die Bonitätswächter am Mittwoch mit. Die Ratingagentur unterstellte in ihrer Berechnung, dass die öffentliche Hand in Deutschland die Ausgaben 2015 und 2016 um ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes – also rund 30 Milliarden Euro – erhöht. Dies würde in Deutschland bis Ende 2017 zwar rund 145.000 Jobs schaffen, aber auch die Inflation hochtreiben, „was das Land in große Unruhe versetzen würde“.

Die erhöhten Staats- und Investitionsausgaben in Deutschland würden letztlich zu Anzeichen einer überhitzten Wirtschaft führen, erklärte S&P. Davon sprechen Fachleute, wenn Zinsen und Kreditnachfrage steigen und zugleich die Produktion nicht mehr zulegen kann. Die Märkte gelten dann als gesättigt und einige Branchen stagnieren oder schrumpfen sogar.

Die Impulse eines Konjunkturpakets nur in Deutschland für die anderen Euro-Länder wären der Ratingagentur zufolge aber „vergleichsweise moderat“. Die Wirtschaftskraft würde im Währungsraum um etwa 0,3 Prozent zulegen. Bis Ende 2017 würden rund 210.000 neue Stellen geschaffen, davon aber fast 70 Prozent in Deutschland.

Deutschland steht zunehmend in der Kritik, es investiere trotz solider Staatsfinanzen zu wenig und müsse mehr für den Euro-Raum tun. Vor allem Frankreich fordert dies. Der neue EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will wegen der kriselnden Konjunktur in Europa ein 300 Milliarden Euro schweres Investitionsprogramm auf den Weg bringen.

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