Höhere Mobilfunkpreise in Österreich bescheren Telekom Austria Gewinn

Der Gewinn von Telekom Austria stieg im Jahresvergleich um 16 Prozent. Die Rabatte für Mobiltelefone gehen zurück. Die Mobilfunkpreise sind seit Anfang 2013 um 20 Prozent gestiegen. Der Konzern will mit einer Kapitalerhöhung in den Netzausbau investieren.

Für die Telekom Austria machen sich die jüngsten Preiserhöhungen im österreichischen Heimatmarkt und geringere Rabatte für Mobiltelefone bezahlt. Im abgelaufenen dritten Quartal steigerte das Unternehmen zum ersten Mal seit Jahren seinen bereinigten operativen Gewinn: Er legte im Jahresvergleich um knapp 16 Prozent auf 415 Millionen Euro zu, wie die Firma am Donnerstag mitteilte. Die Telekom schnitt damit deutlich besser ab, als von Analysten erwartet. „Das dritte Quartal leitet den Aufwärtstrend ein“, sagte Firmenchef Hannes Ametsreiter.

Das dürfte auch den neuen Mehrheitseigentümer Carlos Slim freuen, der über seinen Konzern America Movil rund 60 Prozent der Anteile hält. Neben Slim hält die staatliche österreichische Industrieholding ÖIAG 28,4 Prozent. Knapp zwölf Prozent sind breit gestreut. America Movil hatte im Zuge eines Pakts mit der ÖIAG zugesagt, mittelfristig einen Streubesitz von mindestens 24 Prozent sicherzustellen. „Wenn wir mehr als 50 Prozent der Aktien bekommen, so werden wir innerhalb von zwei Jahren so viele Aktien verkaufen, um diesen Streubesitz sicherzustellen“, hatte America-Movil-Finanzchef Carlos Garcia Moreno erklärt.

Von Slim und den übrigen Aktionären will sich das Unternehmen noch im laufenden Jahr rund eine Milliarde Euro über eine Kapitalerhöhung holen – „falls sich die aktuellen Marktgegebenheiten nicht gravierend verändern“. Die Pläne belasteten die Aktie am Donnerstag erneut, die Papiere verloren ein Prozent auf 6,14 Euro.

Es ist das erste Mal seit dem Einstieg Slims vor gut zwei Jahren, dass die Telekom im operativen Geschäft wächst. Die durchschnittlichen Erlöse pro Mobilfunkkunde legten im dritten Quartal auf 16,9 Euro zu und damit auf den höchsten Wert seit über einem Jahr. Die Telekom hatte in den vergangenen Monaten teilweise im Gleichklang mit ihren Wettbewerbern die Mobilfunkpreise angehoben. Möglich war das auch durch den nachlassenden Preiskampf nach dem Zusammenschluss der beiden kleinsten Anbieter Orange und Hutchison. Der Regulierungsbehörde RTR zufolge sind die Mobilfunkpreise in Österreich seit Anfang 2013 um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Zugute kam der Telekom im abgelaufenen Quartal auch ein positiver Sondereffekt von knapp 27 Millionen durch den Zusammenschluss zweier Töchter in Liechtenstein. Zudem profitierte das Unternehmen von einem guten Mobilfunkgeschäft in Weißrussland, während in vielen anderen osteuropäischen Märkten weiterhin ein scharfer Wettbewerb und eine strengere Regulierung auf den Erträgen lasteten. Dank der guten Entwicklung in Österreich stand unter dem Strich aber dennoch ein Quartalsgewinn von 121 Millionen Euro nach knapp 43 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten lediglich mit knapp 68 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz legte um ein Prozent auf 1,05 Milliarden Euro zu.

Nach den ersten neun Monaten steht aber trotz des besser als erwarteten Sommerquartals ein Verlust von knapp 210 Millionen Euro (nach Minderheiten) zu Buche. Grund dafür ist eine 400 Millionen Euro schwere Abschreibung in Bulgarien im zweiten Quartal. Sie hatte die Kapitaldecke ausgedünnt. Mit der geplanten Kapitalerhöhung will sich die Telekom für den geplanten Netzausbau für die vierte Mobilfunkgeneration LTE sowie weitere Zukäufe rüsten. Erst am Mittwoch hatte der Konzern die Übernahme der mazedonischen Tochter des Konkurrenten Telekom Slovenije angekündigt. Details zu den Kapitalerhöhungsplänen nannte das Unternehmen am Donnerstag nicht. Für das laufende Jahr geht der Konzern weiterhin von einem Umsatzrückgang von 3,5 Prozent aus. Die Aktionäre sollen eine Dividende von fünf Cent erhalten.

Gute Nachrichten für Österreichs Handynutzer: Der Start neuer Mobilfunkanbieter im kommenden halben Jahr dürfte der Regulierungsbehörde RTR zufolge weitere Preiserhöhungen verhindern. „Wir rechnen im nächsten halben Jahr mit drei Anbietern“, sagte RTR-Chef Johannes Gungl in einem Reuters-Inteview. Deren Start werde eine „stark preisdämpfende Wirkung“ haben. „Es kann sein, dass wir in der nächsten Zeit keine Preissteigerungen mehr sehen werden – das ist durchaus wahrscheinlich“, sagte Gungl. Diese Quereinsteiger (MVNOs) mieten sich in die Netze etablierter Mobilfunkbetreiber ein, treten aber mit eigenen Marken auf und können so für zusätzlichen Wettbewerb sorgen.

Denn um Kunden zu gewinnen, müssten die Quereinsteiger günstigere Tarife anbieten, als die Platzhirsche. Das sind allen voran die Telekom Austria mit ihrer Marke A1, die Deutsche-Telekom- Tochter T-Mobile und Hutchison (Drei). „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Wettbewerb sehr stark über den Preis getrieben ist. Deswegen glaube ich, dass sich neue Anbieter preislich differenzieren werden und wollen“, sagte Gungl. Österreich galt lange Zeit als der am härtesten umkämpfte Mobilfunkmarkt Europas.

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