Sinkender Ölpreis macht OMV zu schaffen

Österreichs Erdölkonzern OMV konnte zuletzt wieder mehr Rohstoffe fördern. Doch der niedrige Ölpreis und die unsichere Lage in Libyen führen jedoch zu Umsatzeinbußen. Experten erwarten, dass der Preis für Rohöl noch weiter fallen dürfte.

 

Der zuletzt mit Vorstandsproblemen kämpfende österreichische Erdölkonzern OMV hat im Sommer wieder mehr Öl und Gas produziert. Dank einer teilweise wieder angelaufenen Produktion in Libyen und eines Förderanstieg in Norwegen sei die Gesamtproduktion von Öl und Gas im dritten Quartal um fünf Prozent auf 311.000 Barrel pro Tag gegenüber dem Vorquartal gestiegen, teilte das Unternehmen mit.

Darüber hinaus laufe nach einer längeren Durststrecke auch das Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen wieder besser. Dort habe sich vor allem die Modernisierung einer Raffinerie positiv ausgewirkt. Aber auch die Gewinnspannen bei Diesel und Heizöl hätten sich verbessert. Gebremst werde der Konzern, der zuletzt wegen Querelen in der Führungsetage in die Schlagzeilen geraten war, durch den Rückgang beim Ölpreis. Dieser wirke sich „signifikant negativ“ aus, erklärte das Unternehmen, ohne Details zu nennen. Die Ergebnisse für das dritte Quartal will OMV am 6. November veröffentlichen.

Das Produktionsniveau im krisengebeutelten nordafrikanischen Land Libyen ist starken Schwankungen unterworfen. Nach einem Totalausfall im Frühjahr konnte die OMV über den Sommer rund 8.000 Barrel pro Tag fördern – ein Bruchteil des dort in Friedenszeiten erzielten Niveaus von 30.000 Barrel pro Tag. Die Ölförderung steht nach wie vor auf wackeligen Beinen, da das Land seit dem Sturz des Gaddafi-Regimes 2011 immer wieder von Unruhen erschüttert wird. Es gebe Wochen, wo die Produktion komplett still stehe und dann wieder Wochen, wo man auf 75 Prozent komme, hatte OMV-Controlling-Chef Christoph Trentini kürzlich gesagt. Bereits im Frühjahr musste die OMV wegen Libyen ihr Produktionsziel kürzen: Falls in dem afrikanischen Land kein weiteres Öl mehr produziert werden könne, sei 2014 mit einem Produktionsniveau von rund 310.000 Fass pro Tag zu rechnen. Sollte sich die Produktion wieder auf einem normalen Niveau einpendeln, wurde eine Zielgröße von rund 330.000 Barrel pro Tag in Aussicht gestellt. Ursprünglich hatte die OMV erwartet, die Produktion auf 320.000 bis 340.000 Barrel steigern zu können. Besser läuft es für den Konzern in Norwegen: Die OMV hatte dort im Vorjahr für knapp zwei Milliarden Euro Ölfelder von Statoil in Norwegen und Großbritannien gekauft.

Das Geschäft mit der Weiterverarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen läuft für die OMV jedoch so gut wie lange nicht mehr. Die Referenz-Raffineriemarge habe sich im dritten Quartal auf 4,90 nach 1,92 Dollar je Barrel im Vorquartal mehr als verdoppelt. Die zuvor seit vielen Monaten schwächelnde Marge wurde unter anderem auch Firmenchef Gerhard Roiss zum Vorwurf gemacht. Der Manager muss nach einem Streit mit seinem Vorstandskollegen Hans-Peter Floren vorzeitig per Ende Juni 2015 seinen Posten räumen. Zur Erholung des Raffinerie-Geschäfts trägt auch die Modernisierung der rumänischen Raffinerie Petrobrazi bei. Die Profitabilität dieser Anlage habe sich dadurch um rund fünf Dollar pro Barrel erhöht. Das entspreche einem Gesamtanstieg der Marge aller Raffinerien von rund einem Dollar je Fass.

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