Neuer Karstadt-Chef schließt 6 Filialen und streicht Stellen

Sechs Karstadt-Standorte müssen schließen. Weitere acht bis zehn sind gefährdet, sagt der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Die Gewerkschaft Verdi sieht 2.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Es werde mindestens drei Jahre dauern, bis Karstadt wieder eine Rendite von zwei bis drei Prozent erwirtschaften könne.

Mit einer Rosskur will der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl die angeschlagene Warenhauskette wieder in die schwarzen Zahlen führen. Für sechs Standorte, darunter Warenhäuser in Stuttgart und Hamburg, ist das Aus im kommenden Jahr bereits beschlossene Sache. Weitere zehn der 83 Warenhäuser stehen Fanderl zufolge darüber hinaus auf der Kippe. Die Gewerkschaft Verdi sieht über 2.000 der rund 17.000 Arbeitsplätze unmittelbar in Gefahr. Sie wirft Karstadt-Eigner Rene Benko vor, sich „auf dem Rücken der Belegschaft zu sanieren“. Fanderl bekräftigte, Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die Beschäftigten stünden auf dem Prüfstand. Der Rückzug aus dem Flächentarifvertrag, mit dem sich Karstadt Lohnerhöhungen spart, soll zudem über das kommende Jahr hinaus verlängert werden.

„Die Sanierung wird uns viel abverlangen“, hatte der 51jährige Fanderl nach einer Aufsichtsratssitzung in der Nacht zum Freitag angekündigt. Das Gremium hatte in der Essener Konzernzentrale mehr als acht Stunden lang über ein gut 100 Seiten dickes Konzept des Vorstands beraten. Der ehemalige Rewe-Manager Fanderl, der als enger Vertrauter des neuen Karstadt-Eigners Rene Benko gilt, war bei dem Treffen zum neuen Karstadt-Chef gekürt worden. Zudem wurde nach der Sitzung des Aufsichtsrats, den Benko nach der Übernahme mit zahlreichen Vertrauten bestückt hatte, das Aus für sechs Standorte angekündigt. Zwei Warenhäuser in Hamburg und Stuttgart sowie zwei Schnäppchen-Filialen in Frankfurt/Oder und Paderborn sollen 2015 die Pforten schließen. Die beiden K-Town-Filialen des Konzerns in Köln und Göttingen, mit denen Karstadt vergeblich ein junges Publikum an sich binden wollte, werden ebenfalls im kommenden Jahr dichtgemacht.

Vor allem das Aus für das Warenhaus in Stuttgart stieß bei der Gewerkschaft Verdi auf Kritik: „ Die Schließung des Stuttgarter Hauses hat offensichtlich überhaupt nichts mit einer Sanierung von Karstadt zu tun. Hier saniert sich der Immobilienbesitzer Benko auf dem Rücken der Stuttgarter Belegschaft“, erklärte Verdi-Landesfachbereichsleiter Bernhard Franke. Das Warenhaus stehe in einer Top-Lage und gehöre zu den besten Karstadt-Standorten. Der österreichische Investor Benko hatte 2012 die Immobilien von 17 Karstadt-Warenhäusern übernommen. Das Warenhaus in Stuttgart biete „Potential für Filialisten, welche nach innerstädtischen Flächen suchen“, wirbt Benkos Signa-Holding bereits auf ihrer Internet-Seite. Benko besitzt in Deutschland auch andere Shopping Center – etwa an der Düsseldorfer Einkaufsmeile Königsallee. Dort konnte Signa das Mietpreisniveau nach eigenen Angaben deutlich steigern, Mieter sind Nobel-Marken wie Armani oder Phillip Plein. Verdi forderte, Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten für die rund 180 Karstadt-Mitarbeiter in Stuttgart zu schaffen, wenn das Haus in bester Lage Handelsstandort bleibe.

Fanderl machte klar, dass weitere Warenhäuser auf der Kippe stehen. Es gebe „weitere acht bis zehn Filialen“, bei denen die Situation ähnlich sei wie bei den sechs Standorten, die im kommenden Jahr geschlossen werden sollen, sagte Fanderl dem Handelsblatt. Einige Filialen schrieben „dunkelrote“ Zahlen. Mit seinem Sanierungskonzept will der neue Karstadt-Chef eine operative Rendite von zwei bis drei Prozent erzielen. Es werde „sicher drei Jahre dauern“, dieses Ziel zu erreichen: „Es geht nur, wenn wir jetzt zügig und konsequent handeln.“

Die Karstadt-Übernahme durch Benko hatte zudem Spekulationen über eine Warenhausunion zwischen Karstadt und der Metro-Tochter Kaufhof neu aufleben lassen. Benko hatte bereits erfolglos eine Übernahme des Kaufhof versucht. Fanderl sagte: „Momentan ist das für Karstadt weit weg.“ Die Konzentration des Managements liege voll auf der Sanierung.

Kommentare

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  1. Delta120 sagt:

    Das Ausschlachten der Firma hat begonnen. Nächstes Jahr wird wohl sicherlich die Nächste Insolvenz ins Haus stehen. Die Häuser können die gewünschten Mieten nicht erwirtschaften. Die Hoffnung der Immobilienverwalter liegt ganz auf dem Center Konzept.
    Galeria Kaufhof wird sicherlich nicht vor der Insolvenz von Rest Karstadt zuschlagen, denn auf dem Immobilienmarkt sind noch viel zu viele Traumtänzer unterwegs.

  2. Der Biehl sagt:

    Nur 6 werden geschlossen, das ist doch eine gute Nachricht, hätte anstatt der 6 ja auch 23 Stück sein können.
    Interessant ist, das es den Deutschen ja so gut geht, dank diesen massiven Aufschwung. Und da die Jungen durch die Praktikums, Leiharbeit, Werkvertrag, befristeter Beschäftigung in Anstellung, Einkommensabsenkungen usw. zerrieben werden, gibt es nur noch als gesunde Konsumenten die Alten, die ja auch die Kunden von Karstadt sind und am meisten Meckern über die Schließungen. Und was ist jetzt, die Alten sind nicht in der Lage durch ihren Konsum Karstadt zu Retten ? Dann fallen also die Jungen und die Alten aus, von Hartz 4 bis Mittelstand. Also bleiben nur noch die Millionärs- und Milliardärshaushalte übrig. In diesem Fall kann man nur sagen, gute nacht.

  3. Ein Zuseher sagt:

    Es war doch schon bei der Ersten Karstadt Übernahme klar und deutlich zu sehen. Was hier kommt ist die Kanibalisierung einer Firma mit wertvollen Immobilien in besten Lagen. Der Este hat ca. 300 Millionen abgesahnt – nicht schlecht für einen Euro Einsatz, Der Zweite macht doch mindestens noch 200. so aus dem Stand heraus und die Mitarbeiter die das alles erwirtschaftet haben schauen in den Mond weil sie auf der Strasse sitzen…..