Britische Wirtschaft wächst deutlich stärker als Euro-Raum

Die Wirtschaft Großbritanniens hat im dritten Quartal um 0.7 Prozent zugelegt. Die Geldpolitik der Bank of England zeigt Wirkung und peilt die Zinswende an. Premierminister David Cameron legt sich indes mit der EU an, weil diese eine Nachzahlung von 2,1 Milliarden Euro verlangt.

Die britische Wirtschaft wächst deutlich kräftiger als die meisten anderen großen Industrieländer. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September um 0,7 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt am Freitag mitteilte. Im Frühjahr hatte es jedoch noch ein Plus von 0,9 Prozent gegeben. Die Wirtschaft verlor etwas von ihrem hohen Tempo, da sich das Wachstum im wichtigen Dienstleistungssektor abkühlte. Zudem stieg die Industrieproduktion so gering wie seit Anfang 2013 nicht mehr. Finanzminister George Osborne warnte bereits: „Das Vereinigte Königreich ist nicht immun gegen die Schwäche des Euro-Raums und gegen die instabile Lage an den globalen Märkten.“ Deshalb stehe der Wirtschaft ein „kritischer Moment“ bevor.

Großbritannien veröffentlicht traditionell als erstes großes Industrieland die Daten zum Bruttoinlandsprodukt und hat gleich kräftig vorgelegt. Denn die meisten Konkurrenten können von den Wachstumszahlen auf der Insel nur träumen.

Grund für die gute Situation ist unter anderem die Politik des billigen Geldes der Bank of England. Die Notenbanker um BoE-Chef Mark Carney haben allerdings eine Zinswende für Anfang 2015 signalisiert. Die Märkte rechnen mit einer Erhöhung im Februar oder März. Sollte es wie zuletzt gemischte Konjunkturdaten geben und keine schnellere Erholung im Euro-Raum, könnten die Zinsen auch später steigen, sagte Rob Carnell von der Großbank ING.

Schatzkanzler Osborne ist zuletzt von seinem strikten Sparkurs abgewichen und hat damit die Wirtschaft angeschoben. In der Folge häufte die Regierung jedoch ein höheres Defizit an. Das Verhältnis neuer Schulden zur Wirtschaftskraft dürfte nach Einschätzung der EU-Kommission 2014 bei rund fünf Prozent liegen. Euro-Länder hingegen dürfen höchstens ein Defizit von drei Prozent aufweisen.

Den Haushalt belasten dürfte auch eine von der EU geforderte Nachzahlung von 2,1 Milliarden Euro zugunsten des Brüsseler Etats. Dagegen wehrte sich allerdings Premierminister David Cameron auf dem EU-Gipfel. Die ungewöhnlich hohen Korrekturen ergeben sich aus den Anpassungen der EU-Daten zu den nationalen Steuereinnahmen und den daraus resultierenden Beiträgen für das EU-Budget seit 1995. NordLB-Analyst Norman Rudschuck sprach von einer „Strafzahlung für zu rosiges Wachstum im Vergleich zu Deutschland und Frankreich“.

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