Siemens fordert Schadensersatz von Atom-Konzern aus Finnland

Der deutsche Technologie-Konzern Siemens und der finnische Energiekonzern Teollisuuden Voima fechten aktuell einen Rechtsstreit aus. Beide Konzerne sind beteiligt am Bau eines AKWs in Finnland. Doch beim Projekt kam es immer wieder zu Verzögerungen, die Mehrkosten nach sich zogen. Die Schuld für die Missgeschicke schieben sich beide Seiten gegenseitig zu.

Siemens verschärft die Gangart im Streit um Verzögerungen beim Bau eines finnischen Atomreaktors. Der Münchener Technologiekonzern und sein französische Konsortiumspartner Areva erhöhten ihre Forderungen gegen den Auftraggeber Teollisuuden Voima (TVO) drastisch um 1,9 auf 3,5 Milliarden Euro, wie TVO am Freitag mitteilte. Davor bereits hatte der finnische Energieversorger seinerseits die Ansprüche gegen die beiden Unternehmen um 0,5 auf 2,3 Milliarden Euro angehoben. Die Konfliktparteien geben sich gegenseitig die Schuld für die Verspätungen und Extrakosten bei dem Projekt. Der Fall wird vor einem Schiedsgericht der Internationalen Handelskammer (ICC) ausgetragen.

Es geht um die Errichtung von Finnlands fünftem und größtem Atomreaktor. Der Meiler Olkiluoto 3 an der Ostseeküste sollte nach ursprünglicher Planung 2009 fertiggestellt werden. Doch mittlerweile ist die Inbetriebnahme frühestens für 2018 zu erwarten, wie Siemens und Areva im September angekündigt hatten. Die Franzosen haben in dem Konsortium die Federführung und kümmern sich um die Nukleartechnologie, während Siemens Komponenten wie Turbinen und Generatoren liefert.

Für die Münchener ist das unrentable Vorhaben der letzte Bau aus der Zusammenarbeit mit Areva. Siemens hat sich nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima aus dem Atomgeschäft zurückgezogen.

Kommentare

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  1. polarfuchs sagt:

    Mehrere Köche verderben die Suppe. Frage ist, wer hier des Falsche am Topf ist.

  2. Rudolf Steinmetz sagt:

    Einmal mehr zeigt sich die marginalisierte Konzernstrategie von Siemens. Der Tunnelblick auf abschmelzende Großprojekte versperrt die zukunftsträchtige Einsicht auf die weiträumig verteilte, dezentralen Energieerzeugung. Werner von Siemens hätte sich längst was einfallen lassen.

  3. feder24 sagt:

    Ich hoffe, dass sich zumindest in dem Rechtstreit die deutsche UND die französische Seite gemeinsam mit abgestimmten Argumenten gegen Auftraggeber vorgehen!